Viel mehr leere Wohnungen – aber nicht überall

Über 6100 Wohnungen stehen im Kanton Zürich leer. Das sind 600 mehr als vor einem Jahr und 2000 mehr als vor drei Jahren. Ein ähnlicher Wert wurde letztmals 1998 erreicht.

In den letzten 18 Jahren gab es nie so viele leere Wohnungen auf dem Kantonsgebiet wie heute. Grafik: Statistisches Amt des Kantons Zürich

In den letzten 18 Jahren gab es nie so viele leere Wohnungen auf dem Kantonsgebiet wie heute. Grafik: Statistisches Amt des Kantons Zürich

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Bei der Leerwohnungszählung am 1. Juni betrug der Leerwohnungsanteil 0,84 Prozent, wie Statistik Stadt Zürich und das Statistische Amt des Kantons Zürich heute Mittwoch mitgeteilt haben. Die Zunahme betreffe alle Wohnungsgrössen.

Die Zahl der im Kanton Zürich als leerstehend gemeldeten Wohnungen lag von 2008 bis 2012 fast konstant unter 4000. Seither hat der Leerwohnungsbestand kontinuierlich zugenommen.

Leer sind vor allem Viel-Zimmer-Wohnungen

Im Vergleich zu den 1990er Jahren gibt es gemäss Mitteilung allerdings «grundlegende strukturelle Unterschiede». Während aktuell rund jede zweite leerstehende Wohnung vier oder mehr Zimmer aufweist, machten in den späten 1990er Jahren grosse Wohnungen nur rund 40 Prozent des Leerwohnungsbestandes aus.

Umgekehrt sei auch zu beobachten, dass derzeit nur jede fünfte leerstehende Wohnung weniger als drei Zimmer aufweise. In den späten 1990er Jahren war noch knapp jede dritte leerstehende Wohnung in diesem Segment.

Am höchsten war die Leerwohnungsquote in der Region Pfannenstil mit 1,85 Prozent. Im Zürcher Oberland betrug die Quote 1,55 Prozent. Einen deutlichen Rückgang der Leerwohnungsziffer verzeichnete einzig das Weinland, doch blieb die Quote mit 1,17 Prozent über dem Kantonsdurchschnitt. In der Region Winterthur betrug die Quote lediglich 0,75.

Zürich als Ausnahme

Im Gegensatz zum Kanton gab es in der Stadt Zürich keinen signifikanten Anstieg der Leerwohnungen. Gemäss Statistik Stadt Zürich standen am 1. Juni 484 Wohnungen leer und damit fast gleich viele wie im Vorjahr. Die Leerwohnungsziffer verharrte bei 0,22 Prozent.

Grosse Unterschiede zwischen den Gemeinden, Karte: Statistisches Amt des Kantons Zürich (Zum Vergrössern bitte anklicken)

Vergleichsweise hohe Leerwohnungsquoten verzeichneten die zentrumsnahen Quartiere mit hoher Neubautätigkeit, etwa in der Enge oder an der Langstrasse, wie aus der Mitteilung hervorgeht. Die tiefsten Leerwohnungsziffern wurden in Zürich-Nord in den Kreisen 11 (0,11 Prozent) und 12 (0,09 Prozent) registriert.

Von den 484 Leerwohnungen befanden sich 146 in Neubauten. Dies sei zwar ein beachtlicher Anteil, sei jedoch deutlich tiefer als im vergangenen Jahr, als 192 Leerwohnungen in Neubauten gezählt wurden. Umgekehrt habe die Anzahl leerer Wohnungen in älteren Bauten von 291 auf 338 zugenommen.

Vor allem teure Wohnungen

Leer stehen in der Stadt Zürich immer noch vor allem Wohnungen im gehobenen Preissegment. Gemäss Statistik Stadt Zürich liegt der monatliche Medianmietpreis von Leerwohnungen bei 34 Franken pro Quadratmeter, während er bei neu bezogenen Wohnungen mit 23 Franken pro Quadratmeter um fast ein Drittel tiefer liegt.

Noch grösser ist die Differenz zu jenen Wohnungen, bei denen es seit mindestens drei Jahren keinen Mieterwechsel mehr gegeben hat. Bei diesen Wohnungen liegt der Medianmietpreis bei 19 Franken pro Quadratmeter.

Viel Bewegung im Markt

Die Leerwohnungszählung, die jeweils am 1. Juni durchgeführt wird, ist nur eine Momentaufnahme und bildet nur einen Teil der Wohnungen ab, die auf den Markt kommen, wie es in der Mitteilung der beiden statistischen Ämter heisst. Der Grossteil der Wohnungen werde unmittelbar nach einem Auszug wieder vermietet oder verkauft.

So werden in der Stadt Zürich in einem durchschnittlichen Monat rund 1700 Wohnungen bezogen, was mehr als dem Dreifachen des aktuellen Leerwohnungsbestandes entspricht. Damit herrsche auf dem Wohnungsmarkt mehr Bewegung, als in der Leerwohnungszahl zum Ausdruck komme, heisst es in der Mitteilung. (sda/pu)

Erstellt: 17.08.2016, 14:38 Uhr

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