«Vom Hörensagen lernt man lügen»

Vier von acht Kadermitgliedern verlassen Zürich Tourismus. Präsident Elmar Ledergerber spricht von einem Zufall und räumt ein, dass er mehr Zeit für das Amt aufwenden muss als erwartet.

«Ich interessiere mich nicht für das operative Geschäft»: Elmar Ledergerber.

«Ich interessiere mich nicht für das operative Geschäft»: Elmar Ledergerber. Bild: Thomas Burla

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Herr Ledergerber, die Hälfte des Kaders verlässt Zürich Tourismus. Was hat das zu bedeuten?
Das ist eine Häufung, die für uns eine grosse Herausforderung darstellt. Selbstverständlich fragt man sich da, ob etwas nicht stimmt. Wenn man aber jeden Fall genau anschaut, kann man die Situation verstehen, auch wenn sie dadurch nicht einfacher wird. Bei Maurus Lauber und Frank Bumann ist es verständlich, dass sie nach so vielen Jahren etwas Neues machen wollen. Bumann macht sich selbständig und Lauber hat das Angebot seines Lebens erhalten. Auch die anderen Kadermitglieder haben gute Angebote erhalten. Die wichtigsten Stellen sind bereits wieder besetzt.

Der Operations-Leiter Markus Salzmann hat aber gekündigt, ohne eine neue Stelle in Aussicht zu haben.
Das ist richtig. Aber Salzmann spricht seit Jahren davon, eine Ausbildung zu machen oder etwas Neues zu suchen. Nun hat er die personelle Änderung im Unternehmen zum Anlass genommen. Die intensiven Gespräche des Vorstands mit den Mitarbeitenden haben aber ergeben, dass es kein Malaise gibt oder eine Unzufriedenheit. Die Stimmung ist gut, alle freuen sich auf die neue Etappe und sind hoch motiviert.

Man sagt in der Tourismusbranche, dass Sie sich zu sehr ins «Daily Business» einmischen.
Vom Hörensagen lernt man lügen. Aber nein, es ist nicht so. Vom «Daily Business» verstehe ich viel zu wenig und ich habe auch gar nicht die Zeit, mich ins operative Geschäft einzumischen. Ich weiss genau, wo die Grenzen zwischen strategischer Führung und operativem Geschäft verlaufen. Wir hatten diesbezüglich eine saubere Aufgabenteilung und nie Probleme.

Zu Ihrem Amtsantritt im Mai 2009 sagten Sie: «Ich bin nicht der operative Chef und will es auch nicht sein. Ich sehe mich in der Rolle eines VR-Präsidenten. Ich gebe Inputs, kommuniziere gegen aussen, werde sicher auch kontrollieren, aber will mich draussen halten.» Können Sie noch immer hinter dieser Aussage stehen?
Das unterschreibe ich vollständig. Das operative Geschäft ist nicht mein Ding und auch nicht mein Interesse.

Im Interview mit der «Hotel Revue» wollte sich Direktor Frank Bumann nicht zu Ihnen äussern. Er sagte aber, dass sich Präsidenten und Vorstände allgemein mit langfristigen Zielen beschäftigen und Masterpläne entwickeln sollen statt in operative Aufgaben einzugreifen. Das spricht doch Bände.
Frank Bumann beschreibt genau meine Rolle und die nehme ich auch so wahr. Ich bringe mein Beziehungsnetz ein und habe Verpflichtungen gegenüber den Behörden. Das ist die Rolle eines Präsidenten.

Offiziell sind Sie nur einen Tag pro Woche mit dem Amt als Präsident von Zürich Tourismus beschäftigt. Wie oft sind Sie tatsächlich im Büro?
Mittlerweile sind es sicher zwei Tage. Wir hatten dieses Jahr viele Studien, feierten Jubiläum und suchten eine neue Direktorin. Dazu kamen zahlreiche repräsentative Verpflichtungen, Vorträge und zahlreiche neue Projekte.

Was wird sich mit vier neuen Kadermitgliedern bei Zürich Tourismus ändern?
Für uns steht die Kontinuität einer gut funktionierenden Organisation im Vordergrund. Wir sehen diesen Wechsel aber auch als Chance und wir sind sicher, dass viele neue Ideen und Inputs kommen. Ich bin überzeugt, dass das Schiff «Zürich Tourismus» dadurch noch mehr und neuen Schwung erhält.

Sie beschwerten sich über den Slogan «Downtown Switzerland». In einem Interview sagte Maurus Lauber, dass er noch immer hundertprozentig hinter dem Claim stehe. Hatten Sie Streit deswegen?
Da ist kein Streit. Schon als Stadtpräsident hat mich dieser Slogan genervt und ich habe jeweils erfahren, wie sich meine Kollegen aus der ganzen Schweiz darüber geärgert und dies als Ausdruck der Zürcher Arroganz empfunden haben. Im Ausland dagegen war er erfolgreich. Aber es gab deswegen weder mit Lauber noch mit Bumann ein Zerwürfnis. Im TA-Interview hat Frank Bumann auch nichts dergleichen geäussert. Die Arbeiten für ein integriertes Standortmarketing laufen schon seit fünf Jahren und ich hoffe sehr, dass wir im kommenden Jahr mit Kanton und Stadt einen grossen Schritt vorwärts kommen. In diesem Zusammenhang wird sicher auch die Wort- und Bildmarke neu diskutiert werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.12.2010, 16:08 Uhr

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