Warum Adliswil die Boomstadt der Schweiz ist

Adliswil hat den grössten Einwohnerzuwachs der Schweiz. Die Sihltalstadt hat in den letzten Jahren grosszügig eingezont. Im gleichen Stil solls weitergehen. Doch im Moment blockiert die Kulturlandinitiative.

Hat den Einwohnerboom in Adliswil begründet: Siedlung im Gebiet Dietlimoos.

Hat den Einwohnerboom in Adliswil begründet: Siedlung im Gebiet Dietlimoos. Bild: Sophie Stieger

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Die gestrige Meldung verwunderte: Ausgerechnet Adliswil verzeichnete im Jahr 2011 den grössten prozentualen Bevölkerungszuwachs. Jene Stadt also, die von Zürchern mitunter böswillig als Schattenloch hinter der Grüt-Farm benannt wurde, weil die Sihltalstadt zwischen der Albiskette und dem Zimmerberg eingeklemmt ist.

Tatsächlich stagnierte die Einwohnerzahl sehr lange. Zwischen 1970 und 2001 sank die Zahl gar um 1 Prozent auf 15'800. Zehn Jahre später, Ende 2011, wohnten aber bereits 17'518 Personen in Adliswil. Allein im Jahr 2011 kamen über 1000 Personen dazu, was die Schweizer Rekordmarke von 6,2 Prozent innert eines Jahres bedeutet. Jetzt hat Adliswil mehr Einwohner als Bülach und ist die elftgrösste Stadt des Kantons.

Projekt Adliswil-Nord

Stadtpräsident Harald Huber (FDP) hat eine Erklärung parat: In den vergangenen Jahren hat die Stadt ein grosses Gebiet zwischen dem alten Siedlungsrand und der Grenze zu Zürich erschlossen. Das Land liegt grösstenteils zwischen der Autobahn A 3 und der Zürichstrasse. Mittendrin: die grösste internationale Schule als Anziehungspunkt für Expats.

Vier von fünf Zuzügern des letzten Jahres sind in dieses Entwicklungsgebiet namens Dietlimoos-Moos (siehe Karte) gezogen, schätzt Huber. Neue Wohnblöcke entstanden sinnigerweise auch an jener Stelle, wo die den Zürchern liebe Grüt-Farm von Mövenpick lag.

Im gleichen Stil soll es weitergehen. Weitere 1000 bis 1500 Personen sollen im Entwicklungsgebiet Dietlimoos-Moos dazukommen, hofft Stadtpräsident Huber. Zwar ist die Planung fast abgeschlossen, aber der letzte Gemeinderatsbeschluss zur Einzonung steht noch aus. Im Weg steht die vom Volk letztes Jahr angenommene Kulturlandinitiative. Alle Einzonungen sind vom Kanton sistiert worden.

Nur Schulhaus kann gebaut werden

Bis die Umsetzung klar ist, dauert es noch. Immerhin ein geplantes Schulhausprojekt kann weiterverfolgt werden, denn Bauten von öffentlichem Interesse sind kürzlich von Baudirektor Markus Kägi (SVP) von der Sistierung ausgenommen worden. Huber ist aber zuversichtlich, dass auch das übrige Land überbaut werden kann: «Es ist wenig Kulturland darunter. Dieses Land ist nicht das Ziel der Initianten.» Ärgerlich für die Stadt ist, dass das Herzstück des Gebiets, das künftige Quartierzentrum, noch nicht eingezont ist.

Huber schätzt, dass je ein Fünftel der Zuzüger im Dietlimoos aus Adliswil kommt und aus Zürich. Wie viele Expats mit Kindern die Nähe zur Zurich International School suchen, kann er nicht sagen. Immobilienhändler bestätigen, dass die Zahl ausländischer Wohnungsinteressenten in den letzten Jahren zugenommen hat. Die Immobilienpreise sind auch deutlich tiefer als jene in Kilchberg und Rüschlikon auf der anderen Seite des Hügels. Die wichtigsten Arbeitgeber Adliswils sind die beiden Versicherer Swiss Re und Generali, die S 4 ist die Schlagader des öffentlichen Verkehrs.

Kübler, Müller, Fehr, Heiniger

«Die Stadt Adliswil will so gut aussehen, wie sie ist», lautet der Slogan. Sie war bis zur Schliessung eines der beiden Tempel Hindu-Zentrum des Kantons und hat mit der Felseneggbahn die einzige Luftseilbahn des Kantons. Adliswil ist aber vor allem aufgrund einiger Persönlichkeiten bekannt. Adliswiler Söhne sind etwa Radlegende Ferdy Kübler, Judo-Olympiasieger Jürg Röthlisberger, das ehemalige Ski-Ass Peter Müller oder der kürzlich vom FC Zürich geschasste Fussballtrainer Rolf Fringer.

Rekordverdächtig ist derzeit die Adliswiler Vertretung in der Kantonsregierung. Zwei von sieben kommen aus der Sihltalstadt: Mario Fehr (SP) und Thomas Heiniger (FDP), der Vorgänger Harald Hubers und designierter Regierungspräsident 2013/14.

Erstellt: 06.03.2013, 15:00 Uhr

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Hofft, noch mehr Land einzonen zu können: Adliswils Stadtpräsident Harald Huber (FDP). (Bild: PD)

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