Warum Blocher nicht bloss trotzt

Blochers Kandidatur diene nur seiner Profilierung und koste den Staat bloss, sagen Gegner. Sie liegen falsch.

Keine Trotzreaktion Blochers: Auch im zweiten Wahlgang ist jede stimmberechtigte Person in Zürich wählbar.

Keine Trotzreaktion Blochers: Auch im zweiten Wahlgang ist jede stimmberechtigte Person in Zürich wählbar. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Vorwurf ist zu schön, um wahr zu sein: Ausgerechnet die Sparpartei SVP verursache dem Staat unnötige Kosten. So schreibt zum Beispiel die mit einem Spitzenresultat wiedergewählte CVP-Nationalrätin Kathy Riklin auf Facebook: «Andere Kantone haben ihre Ständeratsfavoriten in stiller Wahl gewählt.» Obschon Christoph Blocher in Zürich «keine Chance hat, gewählt zu werden», verzichte er nicht auf einen zweiten Wahlgang. Und fragt: «Welche Kosten verursacht er damit den Steuerzahlenden?»

Doch Kathy Riklin und andere, die Blocher Zwängerei vorwerfen, irren. In Luzern und im Wallis kamen zwar tatsächlich stille Wahlen zustande, weil nur noch zwei Kandidaten übrig blieben. Im Kanton Zürich jedoch ist auch im zweiten Wahlgang jede stimmberechtigte Person wählbar, die ihren Wohnsitz im Kanton Zürich hat. Auch wenn Blocher verzichten würde, müssten Felix Gutzwiller und Verena Diener trotzdem gewählt werden. Sonst könnte am Montagmorgen irgendein wilder Kandidat behaupten, er sei auch zur Wahl gestanden.

Bei Gemeindewahlen möglich

In Zürich findet – im Gegensatz zum Wallis oder zu Luzern – für den Ständerat kein Vorwahlverfahren statt. Kandidaten müssen sich nicht einschreiben, und sie müssen auch keine bestimmte Anzahl Unterschriften einreichen. In Gemeinderats- oder Schulpflegewahlen ist das anders: Da gelten Fristen, und jeder Kandidat braucht 15 Unterschriften. Wenn es nicht mehr Kandidierende als Sitze gibt, ist eine stille Wahl möglich.

Der zweite Ständeratswahlgang im Kanton Zürich kostet zudem nicht alle Welt, da gleichzeitig Abstimmungen stattfinden, wie Peter Moser vom Statistischen Amt sagt. Der Zusatzaufwand beschränkt sich auf die Wahlzettel und die paar Stunden, welche die Stimmenzähler zusätzlich leisten.

Erstellt: 07.11.2011, 15:05 Uhr

Artikel zum Thema

Leutenegger sagt Blocher Adieu

Der FDP-Politiker Filippo Leutenegger ist aus dem Blocher-Komitee ausgetreten. Das nimmt ihm die SVP übel. Mehr...

Blocher übt Selbstkritik

Der SVP-Übervater gibt sich nach den Wahlverlusten selbstsicher – und doch schlägt Christoph Blocher ungewohnte Töne an: Die Partei sei überheblich und bequem geworden. Mehr...

BDP erteilt Blocher eine Absage

Verena Diener und Felix Gutzwiller sind die beiden Empfehlungen der Zürcher BDP für den Ständerat. Somit schmälert sich die Chance weiter, dass Christoph Blocher den Sprung ins Stöckli schafft. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Gallery

Erleben Sie ein einmaliges Abenteuer in Australien

Unendliche Weiten und spektakuläre Landschaften: An diese zweiwöchige Reise werden Sie sich Ihr Leben lang erinnern.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Aufwändige Feier: Farbenfroh ist der Karneval in Macedo de Cavaleiros, Portugal. (25. Februar 2020)
(Bild: Octavio Passos/Getty Images) Mehr...