Was Zürcher Eltern für ihre Kinder ausgeben

Ein Vergleich mit kinderlosen Paaren zeigt, wie sich der Nachwuchs auf das Konsumverhalten von Familien auswirkt.

Je zahlreicher und älter die Kinder, desto teurer: Eine Familie beim Einkaufen.

Je zahlreicher und älter die Kinder, desto teurer: Eine Familie beim Einkaufen. Bild: Keystone

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Kinder zu haben, ist nicht nur schön, sondern bekanntlich auch teuer. Mit Nachwuchs steigen in der Regel die Ausgaben für Essen und Trinken, Wohnen, Bekleidung, Gesundheit, Freizeit und vieles andere. Im Schnitt geben Zürcher Paarhaushalte mit Kindern für ihren Konsum 7800 Franken pro Monat aus und damit 600 Franken mehr als kinderlose Haushalte. Dies zeigt eine Studie des Statistischen Amtes des Kantons Zürich, in der untersucht wurde, wie Kinder unser Konsumverhalten verändern.

Schweizer Haushalte ohne Kinder brauchen die Hälfte ihres Einkommens für ihren Konsum. Bei solchen mit Kindern ist es mehr, 54 Prozent. Die Ergebnisse lassen sich auf den Kanton Zürich übertragen. Und die Studie zeigt: Je älter und zahlreicher die Kinder, desto höher die Konsumausgaben. Diese sind also nicht nur erwartungsgemäss abhängig von der Anzahl Kinder, sondern auch von deren Alter.

Ein Zürcher Haushalt mit Kindern unter sechs Jahren gibt pro Monat durchschnittlich 7300 Franken aus. Mit dem Eintritt in die Schule steigen die Kosten auf 8000 Franken. Im Vergleich dazu liegen die monatlichen Auslagen eines kinderlosen Haushaltes bei 7200 Franken. Die Berechnungen des Statistischen Amtes zeigen: Will ein Paar mit drei Kindern zwischen 6 und 11 Jahren seinen Lebensstandard halten, muss es fast 30 Prozent mehr aufwenden als ein kinderloser Haushalt. Bei drei 12- bis 17-jährigen Kindern sind es sogar mehr als 50 Prozent.

Wenn Kinder älter werden, verändern sich ihre Bedürfnisse: Sie gehen in die Schule, lernen ein Musikinstrument, besuchen Freizeitveranstaltungen, benötigen ÖV-Tickets oder ein Handy-Abo. Zudem wird ihr Appetit mit den Jahren grösser, sie essen also mehr. Eltern müssen mehr Geld in die Hand nehmen, auch wenn gewisse Budgetposten für Kleinkinder, wie etwa Windeln, mit der Zeit wieder entfallen.

Die Studie kommt zunächst zu einem überraschenden Befund: Je mehr Kinder in einem Haushalt leben, desto höher sind die Pro-Kind-Auslagen. Viele Eltern ändern aufgrund der stärkeren finanziellen Belastung zwar ihr Konsumverhalten, sie geben im Vergleich zu kinderlosen Paaren pro Monat 150 Franken weniger für Auswärtsessen und Übernachtungen oder rund 50 Franken weniger für Alkohol und Tabakwaren aus. Doch diese Konsumeinschränkung bei sogenannten Nichtbedarfsgütern kommt nur beim ersten Kind vollständig zum Tragen. Bei grösseren Familien verteilt sie sich auf alle Kinder gleichmässig, weil die Eltern ihren Konsum nicht beliebig einschränken können.

Auf Bedarfsgüter wie Essen und Trinken oder Wohnen, also darauf, was zum Leben nötig ist, können Eltern hingegen nicht verzichten. Durchschnittlich brauchen sie 46 Prozent ihrer Konsumausgaben für die Deckung zwingender Bedürfnisse. Und hier zeigen sich auch die erwarteten Spareffekte: Mit steigender Anzahl Kinder in einem Haushalt nehmen die Pro-Kind-Kosten ab – unabhängig von der jeweiligen Altersgruppe. So gibt man beispielsweise weniger Geld pro Person für das TV-Abonnement oder den Internetanschluss aus, wenn der Haushalt grösser ist. Auch die Pro-Kopf-Auslagen für Essen und Getränke sind dank Grosspackungen für Lebensmittel teilweise günstiger.

Um keine Einbussen beim Lebensstandard zu erleiden, muss ein Paar mit einem Kleinkind 15 Prozent mehr für Güter des täglichen Bedarfs wie Essen und Kleidung ausgeben als ein kinderloser Haushalt. Hat es jedoch zwei Kinder unter 5 Jahren, sind es noch 10 Prozent mehr pro Sprössling. Das zweite Kind ist also günstiger. Bei drei Kindern sind es sogar nur noch 8 Prozent.

Eine Erkenntnis ist aber auch, dass der Anteil an Bedarfsgütern mit sinkendem Einkommen zunimmt. Familienhaushalte, die zum einkommensschwächsten Fünftel gehören, geben über die Hälfte ihres Geldes für unentbehrliche Güter aus. Hinzu kommen Sozialversicherungs- und Krankenkassenbeiträge, die Hausratsversicherung und Steuern, womit das Budget Ende Monat oft aufgebraucht ist. Fast ein Viertel der Haushalte mit Kindern hat eine negative Sparquote, das heisst, er finanziert sich seinen zusätzlichen Konsum aus früheren Ersparnissen oder aber verschuldet sich.

Auch im Schweizer Schnitt sparen Familien weniger als kinderlose Paare: Nur etwa 15 Prozent ihres Einkommens können sie Ende Monat auf die hohe Kante legen. Und je älter die Kinder, desto höher sind die Auslagen eines Haushalts und desto tiefer seine Sparquote.

Familienhaushalte haben im Vergleich zu kinderlosen Paaren weniger finanziellen Spielraum. Ihre Geldsorgen werden mit steigendem Alter der Kinder grösser. Wie viel jedes einzelne Kind auf den Franken genau kostet, ist gemäss der Studie jedoch sehr schwierig abzuschätzen. Die Ausgaben für den Konsum sind keineswegs die einzigen Kosten, die Kinder verursachen. Wenn die Eltern beispielsweise ihr Arbeitspensum reduzieren, um die Kinder zu betreuen oder eine externe Betreuung engagieren, wirkt sich das ebenfalls aufs Budget aus. Die obligatorische Krankenkassenprämie und Zusatzversicherungen kosten erwerbstätige Zürcher Paare mit Kindern im Schnitt 6 Prozent ihres Einkommens. Ausserdem spielen verschiedene Faktoren wie Einkommen, Lebensstil und Werte der Eltern eine grosse Rolle.

Absolute Vergleichswerte liefert die Kinderkosten-Tabelle des Kantons, die den durchschnittlichen Unterhaltsbedarf von Kindern berechnet. Ein Einzelkind zwischen 7 und 12 Jahren kostet demnach 1481 Franken im Monat. Hat es ein Geschwister in der gleichen Altersklasse, brauchen die Eltern 1246 Franken pro Kind und bei drei Kindern nur noch 1111 Franken. Hier zeigt sich also auch: Je mehr Nachwuchs, desto grösser sind die Einsparungen pro Kopf. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.09.2017, 12:43 Uhr

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