Was der «doppelte Pukelsheim» ist

Die Formel bestimmt den Ausgang der Kantonsratswahlen am kommenden Wochenende. Sie verhilft kleineren Parteien zu mehr Sitzen.

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Offiziell wird es «doppelt proportionale Divisormethode mit Standardrundung» genannt. So kompliziert wie der offizielle Namen, kommt das Verfahren vielen Leuten noch heute vor.

Bei den Zürcher Wahlen vom 3. April werden die Sitze nach 2007 zum zweiten Mal nach dem System des «doppelten Pukelsheim» verteilt. Nachdem Zürich der erste Kanton war, der es einführte, wählen inzwischen auch Schaffhausen und der Aargau ihre Kantonsparlamente nach dem Verfahren.

Kreise bestimmen Sitze

Nichts geändert hat sich beim Wechsel vom früheren «Hagenbach- Bischoff»-System zum «doppelten Pukelsheim» daran, dass in Wahlkreisen gewählt wird. Die darin zu vergebende Zahl der Kantonsratsmandate bestimmt sich nach der Einwohnerzahl: je mehr Einwohner, desto mehr Sitze.

Im alten System wurde jeder Wahlkreis isoliert betrachtet. Die Parteistimmenzahlen im einen Kreis hatten keinerlei Auswirkung auf die Sitzzuteilung eines anderen Kreises. Vor allem in Wahlkreisen, in denen wenig Sitze zu vergeben sind, konnte das dazu führen, dass kleine Parteien stark benachteiligt wurden.

Kleine Partein früher mit weniger Chancen

Wären beispielsweise nur zwei Sitze zu vergeben und die kleine Partei erreichte knapp weniger als ein Drittel der Stimmen, während zwei andere Parteien jeweils etwa mehr als ein Drittel bekämen, so wanderten die Stimmen für die kleine Partei in den Papierkorb.

Beim «doppelten Pukelsheim» wird dieser Nachteil ausgeräumt, weil die Sitze in zwei Runden verteilt werden. In der ersten Runde wird der gesamte Kanton behandelt, als ob er ein einziger Wahlkreis wäre: Die Stimmen, die für eine Partei abgegeben wurden, werden aus allen Kreisen zusammengezählt.

Da aber ein Wähler immer so viele Stimmen vergeben darf, wie dem Kreis Kantonsratssitze zustehen, würden beim Zusammenzählen beispielsweise 17 Stimmen aus dem Bezirk Bülach immer die Zahl der Stimmen aus Andelfingen überwiegen, wo nur vier Stimmen pro Nase abgegeben werden dürfen.

Deshalb wird - sozusagen in einer Vorrunde - die Zahl der Parteistimmen im Kreis durch die Zahl der Mandate geteilt. Auf diese Art zählen auf Kantonsebene Stimmen trotzdem, die für eine kleine Partei beispielsweise in Andelfingen abgegeben wurden und in diesem Bezirk nie für einen Sitz gereicht hätten. Sie bestimmen die Zahl der Sitze mit, welche die Partei insgesamt zugute hat.

Fünf-Prozent-Hürde

In der zweiten Verteilrunde wird nun festgelegt, in welchen Wahlkreisen die Parteien ihre Sitze erhalten. Dazu wird wiederum berücksichtigt, wie hoch der Stimmenanteil einer Partei in einem Kreis war. Schliesslich soll der Wählerwille möglichst genau abgebildet werden.

Im Kanton Zürich gilt allerdings noch eine zusätzliche Regelung: Eine Partei kann nur einen Kantonsratssitz erhalten, wenn sie in mindestens einem der 18 Wahlkreisen die Fünf-Prozent-Hürde erreicht. Vor vier Jahren hatten beispielsweise die SD zwar einen etwas grösseren Wähleranteil als die AL, sie gingen aber leer aus, weil sie nirgends die 5 Prozent schafften.

(ep/sda)

Erstellt: 29.03.2011, 10:41 Uhr

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