Was die Daten von Geri Müllers Chatpartnerin verraten

Die Frau, die die Affäre um die Nacktselfies ins Rollen brachte, benötigte dazu offenbar weniger Ermutigung als angenommen. Das legt ihr öffentlich gewordenes Handyprotokoll nahe.

Die Chatpartnerin von Geri Müller soll ihre Daten gemäss dem Protokoll auf ihrem iPhone gespeichert haben.

Die Chatpartnerin von Geri Müller soll ihre Daten gemäss dem Protokoll auf ihrem iPhone gespeichert haben. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Das umfangreiche Handyprotokoll der früheren Chatpartnerin von Geri Müller wirft ein neues Licht auf die Affäre um die publik gewordenen Nacktselfies des Politikers. Laut einem Bericht der NZZ entlastet das Dokument den PR-Berater Sacha Wigdorovits und seinen Freund Josef Bollag, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Baden. Diese sehen sich dem Vorwurf ausgesetzt, treibende Kraft hinter der Enthüllung der Affäre gewesen zu sein.

Gemäss NZZ entsteht aufgrund des Protokolls, das ihr vorliege, nicht der Eindruck, jemand habe die Frau «über Gebühr» dazu gedrängt, ihre intime Geschichte öffentlich zu machen. Es scheine vielmehr, als habe die Frau aus eigenem Antrieb gehandelt.

Das Handyprotokoll soll SMS, E-Mails und den Chatverkehr der 33-Jährigen mit Wigdorovits, Bollag, einem namentlich nicht genannten Politiker und zwei Journalisten umfassen. Die Kantonspolizei Bern habe es im Auftrag der Bieler Staatsanwaltschaft erstellt. Diese bestätigt auf Anfrage allerdings gar nichts – nicht einmal die Existenz des Protokolls.

Wigdorovits vermittelte Kontakte

Laut NZZ geht aus diesem hervor, dass sie sich am Osterwochenende, nach einem Zerwürfnis mit Müller, an Wigdorovits gewandt hat, von dem bekannt ist, dass er mit Müller verfeindet ist. Dieser habe ihr eindringlich geraten, sich einen Anwalt zu nehmen und ihr Handy mit den kompromittierenden Daten in Sicherheit zu bringen. Später schickte sie Wigdorovits einzelne Screenshots. Es bleibt aber offen, ob sie dies auf seine Empfehlung hin oder aus eigener Initiative tat.

Wigdorovits hat sich laut dem Protokoll gegenüber der Frau wiederholt zurückhaltend geäussert. Er könne ihr nicht empfehlen, wie sie vorgehen solle, schrieb er ihr per E-Mail. Er wolle sich heraushalten und nicht in die Sache hineingezogen werden. Gleichzeitig habe er ihr aber Kontakte zu drei Chefredaktoren vermittelt, denen sie vertrauen könne: neben Patrik Müller von der «Schweiz am Sonntag», der die Geschichte schliesslich publik machte, auch René Lüchinger vom «Blick» und Arthur Rutishauser von der «SonntagsZeitung».

Mit Müller hat sich Wigdorovits laut dem Handyprotokoll später getroffen, was laut NZZ den Schluss nahelegt, der Journalist könnte die kompromittierenden Screenshots auf dem Handy des PR-Beraters gesehen haben. Wigdorovits hat bezüglich seiner Rolle in der Affäre nur dementiert, diese jemandem weitergeleitet zu haben.

Der Appell von Josef Bollag

Josef Bollag, ein politischer Gegner von Müller und Freund von Wigdorovits, hat der Frau laut dem Protokoll wiederholt geraten, sich an die Staatsanwaltschaft in Biel zu wenden, als sie sich Hilfe suchend an ihn wandte. Alles andere ergebe sich von selbst. Manchmal drückte er per SMS auch seinen Ärger aus, weil sie ihn mit nächtlichen Anrufen um den Schlaf brachte. Die stärkste Einflussnahme von ihm sei der folgende Appell an die Frau, die offenbar jüdische Wurzeln hat: «Sie sind es Ihrer Herkunft schuldig, die Sache zu beenden, bevor noch mehr Unheil angerichtet wird!» (hub)

Erstellt: 12.11.2014, 11:41 Uhr

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