Was die junge Grünliberale an der Schweizer Politik stört

Tagesanzeiger.ch stellt in einer Sommerserie den Polit-Nachwuchs der Zürcher Parteien vor. Zum Auftakt porträtieren wir Stefanie Huber, Nationalratskandidatin für die Grünliberalen.

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Wenn jemand sagt: «Ich bin in die Politik gegangen, weil ich etwas bewegen will», so klingt dies nach einer hohlen Phrase. Nicht so bei Stefanie Huber. Bereits mit 18 Jahren hat die Dübendorferin bei der lokalen Gruppe Energie und Umwelt angeklopft, um ihre Standpunkte in die Gemeindepolitik einzubringen. Heute ist sie 28, hat ein ETH-Studium in Umweltnaturwissenschaften abgeschlossen und fünf Jahre für die Grünliberale Partei im Dübendorfer Gemeinderat politisiert.

«Man kann als junger Mensch sehr schnell in Ämter vorstossen», sagt Huber, die nach ihrem Studium eine Stelle als Energie- und Umweltplanerin angenommen hat: «Wer sich einsetzt, der wird ernst genommen.» Bei den Zürcher Grünliberalen ist sie inzwischen Vorstandsmitglied geworden, nachdem sie, wie sie selbst erzählt, viel Einsatz in den Aufbau der Lokalpartei sowie der damaligen Jungpartei gesteckt habe. «Stefanie Huber hat sich ihren Platz verdient», meint Valeria Rampone, eine ältere Weggefährtin im Dübendorfer Gemeinderat. Beinahe etwas respektvoll fügt sie an: «Sie wird nie müde. Sie ist immer aktiv, immer an der Front, immer da.»

Stefanie Huber, haben Sie ein persönliches Vorbild in der Politik?
Eigentlich nicht. Ich orientiere mich an verschiedenen Menschen, die sich mit Herzblut für soziale oder ökologische Anliegen einsetzen.

Was unterscheidet Sie von Ihren älteren Parteikollegen?
Ich sehe mich nicht unbedingt als «junge» Politikerin. Mit meiner 10-jährigen Erfahrung nehme ich eher eine Bindegliedfunktion zwischen den Grünliberalen und ihrer Jungpartei wahr.

Was stört Sie am meisten in der Schweizer Politik?
Von der Einreichung über die Abstimmung bis zur Umsetzung von Volksinitiativen oder anderen Vorstössen geht es manchmal sehr lange.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Welches Gesetz würden Sie einführen?
Die Gemeinden sollten raumplanerisch zu mehr Zusammenarbeit verpflichtet werden. So könnte man der Zersiedelung der Landschaft entgegenwirken und Grünräume erhalten.

Welches Gesetz würden Sie abschaffen?
Ich würde die Subventionen auf Treibstoffe abschaffen – zum Beispiel für den Flugverkehr, der keine Kerosinsteuern bezahlt.

In der Umweltpolitik kennt sich Stefanie Huber berufsbedingt aus. Doch sie verbindet mit ihr auch persönliche Erlebnisse. Eines davon war der «Marsch um Fällanden», bei dem sie mit daran beteiligt war, eine fünfzig Leute starke Gruppe um die geplante Umfahrung des Zürcher Dorfes zu führen und ihnen das Projekt zu erklären. «Sich austauschen und diskutieren», das liege ihr, sagt Huber. Sich selbst sieht die Jungpolitikerin nicht als Hardlinerin, sondern als eine, die offen für Kompromissvorschläge ist.

Dass Huber in Umweltfragen kompetent ist, bestätigt Theo Johner. Als Mitglied der BDP/EVP-Fraktion hat er zahlreiche Sitzungen im Dübendorfer Gemeinderat mit ihr erlebt – wobei er oft auf der anderen Seite stand. Huber sei eine von der Partei disziplinierte Sachpolitikerin, sagt der 47-jährige Politiker. «Eher enthusiastisch» sei sie am Anfang ihrer Karriere gewesen, «etwas realistischer» gehe sie mittlerweile an Projekte heran.

Dass es nützlich sein kann, nach politischen Sitzungen auf ein Bier einzukehren, weiss Huber in der Zwischenzeit. Aufgaben wie diese fallen der 28-jährigen Hobby-Salsatänzerin leicht. Doch könnte sich Huber auch in der Bundespolitik behaupten? Mentorin Valeria Rampone mahnt: «In der nationalen Politik muss man nicht nur für die Sache, sondern auch für sich selbst kämpfen.» Das Rampenlicht suchen und sich selbst in den Mittelpunkt stellen – für die Jungpolitikerin könne dies eine Herausforderung werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.08.2011, 11:22 Uhr

Serie: Politik-Nachwuchs

Im Oktober 2011 sind eidgenössische Wahlen. Tagesanzeiger.ch stellt die «Frischlinge» vor, die sich für die Zürcher Nationalratsparteien zur Wahl stellen. Für die Porträts ausgewählt wurden die Nachwuchspolitikerinnen und -politiker unter 30 Jahren, die auf den Wahllisten der sieben Parteien den höchsten Platz besetzen. Den Anfang macht die Grünliberale Stefanie Huber.

Stefanie Huber

Die 28-jährige Dübendorferin ist Vorstandsmitglied der Grünliberalen im Kanton Zürich und Co-Präsidentin der GLP im Bezirk Uster. Die Energie- und Umweltplanerin mit einem ETH-Abschluss in Umweltnaturwissenschaften wurde 2006 in den Gemeinderat von Dübendorf gewählt. Heute ist sie die Vizepräsidentin des Gemeindeparlaments. Auf der kantonalen Liste der Grünliberalen Partei für die Nationalratswahlen kandidiert Stefanie Huber auf Platz 22.

Schwerpunkte in Umweltschutz und offener Aussenpolitik: Stefanie Hubers politisches Profil. (Bild: Smartvote.ch)

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