Wenn Banken beim Enkeltrick scheitern

Immer wieder versuchen Enkeltrickbetrüger, Betagte um ihr Erspartes zu bringen. Die Banken geben an, dass sie Mitarbeiter deswegen schulen – und das System trotzdem in letzter Minute versagen kann.

Bei Schaltermitarbeitern ist Fingerspitzengefühl gefragt: Auszahlung an einem Bankschalter.

Bei Schaltermitarbeitern ist Fingerspitzengefühl gefragt: Auszahlung an einem Bankschalter. Bild: Martin Ruetschi/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Masche ist immer dieselbe – und dennoch funktionierte sie in diesem Jahr im Raum Zürich mehrfach: Nach einem Telefonat mit einem vermeintlichen Verwandten oder Bekannten hoben ältere Leute hohe Geldbeträge ab und übergaben sie den Betrügern. Zuletzt verlor ein Opfer in Saland im Tösstal am vergangenen Freitag 80'000 Franken. Nach eigenen Angaben versuchen die Banken, dies zu verhindern. Allerdings ist dies nicht immer ganz einfach.

Laut Igor Moser, Sprecher der Zürcher Kantonalbank, werden die Schaltermitarbeiter jährlich umfassend geschult, neben Themen wie Falschgeld oder Kreditkartendiebstahl werde dabei auch der Enkeltrickbetrug behandelt. Es gehöre zu den Sorgfaltspflichten eines Schaltermitarbeitenden, «dass er Kunden, die einen grösseren Bargeldbetrag abheben wollen, auf die damit verbundenen Risiken aufmerksam macht». Als Alternative würde man jeweils eine Überweisung vorschlagen. Zudem lege man den Kundenbetreuern nahe, «bei ungewöhnlichen Barauszahlungen an ältere Kunden, den Zweck zu hinterfragen».

UBS hat Fragebogen ausgearbeitet

Ähnlich schildert Thomas Baer, Sprecher der Credit Suisse (CS), die Situation bei der Grossbank. «Die Mitarbeitenden der Credit Suisse sind für solche möglichen Betrugsfälle sensibilisiert. Bei untypischem Verhalten der Kunden erfragen sie zum Beispiel die Hintergründe der Auszahlungen und machen auf die bekannte Masche des Enkeltrickbetruges aufmerksam.» Mehr könne die CS zum Thema nicht sagen, um Enkeltrickbetrügern keine zusätzlichen Anhaltspunkte zu geben.

Die UBS hat laut Sprecherin Karin Aquilino «einen Fragebogen ausgearbeitet, der den Mitarbeitenden helfen soll, gerade ältere Leute, die ungewöhnliche Transaktionen vornehmen wollen, zu befragen». Zudem arbeite die Bank eng mit den Behörden zusammen, «um solchen Betrügereien vorzubeugen».

Die Verantwortung liegt beim Kunden

Bei der Migros Bank werde das Thema ebenfalls in Schulungen der Mitarbeiter behandelt. Zudem bestehe ein Leitfaden, wie bei höheren Barbezügen am Bankschalter vorgegangen werden müsse. «Bezüge ab 20'000 Franken erfordern eine formelle Identifizierung mit Ausweiskopie plus Prüfung der Vergleichsunterschrift des Kunden. Dies gibt den Mitarbeitern die Möglichkeit, das Thema Enkeltrickbetrug anzusprechen und auf andere Gefahren hinzuweisen», wie Sprecher Albert Steck erklärt.

Laut ZKB-Sprecher Moser ist es aber «nicht ganz einfach», die Kunden auf mögliche Betrügereien hinzuweisen: «Es erfordert grosses psychologisches Fingerspitzengefühl und ist heikel, weil viele Kunden eine solche Frage als Eingriff in die Privatsphäre und Bevormundungsversuch deuten.» Diese Einschätzung sei zudem nicht ganz falsch: «Denn man sollte niemandem unterstellen, aufgrund seines Alters nicht mehr eigenverantwortlich mit dem eigenen Geld umgehen zu können.» Mehr könne die Bank schlicht nicht tun: «Grundsätzlich ist es dem Kunden überlassen, ob er einen entsprechenden Betrag von seinem Eigentum bar abheben möchte.»

Dies bestätigt Migros-Bank-Sprecher Steck: «Es gibt keine rechtliche Handhabe, eine Auszahlung zu verwehren.» In Verdachtsmomenten rate man den Kunden aber, die Polizei beizuziehen: «Wegen des Bankgeheimnisses darf der Mitarbeiter diese aber nur informieren, wenn der Kunde einverstanden ist.»

Einzig die Raiffeisenbank gibt an, dass Bankmitarbeiter in Einzelfällen die Auszahlung grösserer Beträge verweigern können, wie Sprecherin Sonja Stieglbauer erklärt: «Wenn er den dringenden Verdacht hat, dass es sich um einen Betrugsfall handelt.» Dann nehme der Mitarbeiter Kontakt mit der Rechtsabteilung auf, um das Vorgehen abzuklären. Aber: «Das ist aber nicht in allen Fällen möglich, weil die Kunden oft auf ihrem Recht auf eine Barauszahlung bestehen. Wenn nicht offensichtliche Anzeichen einer Urteilsunfähigkeit des Kunden vorliegen, dann sind auch der Bank im Falle eines Enkeltrickbetruges die Hände gebunden.»

Erstellt: 08.10.2013, 16:41 Uhr

Artikel zum Thema

Pensionär um zehntausende Franken betrogen

In Saland im Tösstal ist ein Pensionär auf Enkeltrickbetrüger hereingefallen. Nach einem Anruf übergab er ihnen eine stolze Summe. Mehr...

«Enkeltrickbetrüger appellieren ans schlechte Gewissen der Senioren»

Am Wochenende waren Enkeltrickbetrüger einmal mehr erfolgreich und haben einem Rentner 80'000 Franken abgeknöpft. Alterspsychologin Bettina Ugolini sucht nach Erklärungen, wie dies möglich ist. Mehr...

Enkeltrickbetrüger von Opfer ausgetrickst

Ein Pole wollte einem 73-jährigen Mann 77'000 Franken abschwatzen. Doch der Betrüger hatte die Rechnung ohne das vermeintliche Opfer gemacht. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Mit CallDoc clever und flexibel versichert

Lassen Sie sich rund um die Uhr medizinisch beraten – und sparen Sie dabei! Profitieren Sie vom Prämienrabatt der Grundversicherung. Jetzt Offerte anfordern.

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...