Wenn Boote bersten und Dieselfilter frieren

Wenn die Gewässer gefrieren, kann das für Bootsbesitzer üble Folgen haben. Setzt sich Eis im Motor oder am Schiff fest, drohen Schäden.

Leiden unter der grossen Kälte: Autos und Boote.

Leiden unter der grossen Kälte: Autos und Boote. Bild: Keystone

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Die frostigen Temperaturen der letzten Tage lassen überall im Kanton die Gewässer gefrieren. Dass auch der Zürichsee ganz unter einer Eisdecke verschwindet, halten Experten zwar für unwahrscheinlich, ganz eisfrei bleibt er trotzdem nicht – und das kann für Bootsbesitzer üble Folgen haben.

«Vor allem in kleinen Hafenanlagen, wo das Wasser wenig Bewegung hat und nicht so tief ist, kann um die Boote Eis ansetzen. Das kann zu Beschädigungen an der Kunststoff- oder Holzschale führen», erklärt Mathias Ganz von der Ganz Yachting AG.

14 cm dicke Eisschicht vor Lachen

Die Gefahr der Vereisung ist vor allem im Obersee mit seinen naturbelassenen Ufern gross. Im Zürcher Seebecken sind solche Probleme praktisch ausgeschlossen. Hier liegt die Wassertemperatur derzeit bei 4 Grad, und mit der Bise kann sich auch kein Eis bilden. «Zudem bleibt der See hier durch die Kursschiffe und die Fischerboote stärker in Bewegung», so Ganz.

Im Hafen bei Lachen sieht die Situation ganz anders aus. «Im Moment liegt eine 14 cm dicke Eisschicht über dem Hafenbecken», sagt Alfred Kalchofner, Hafenmeister beim Boot Center Zürichsee. Gefährlich werde es, wenn das Eis an den Booten festfriere und sie so nicht mehr ausweichen können. «Dann kann es sogar soweit kommen, dass es von der Kraft des Eises gebrochen wird.»

Wer sein Boot bei solchen Verhältnissen noch im Wasser habe, müsse laut Kalchofner einfach auf Glück hoffen und könne nicht mehr tun, als jeden Tag das Eis rund um das Boot neu aufzuschlagen. «Jetzt kann auch der Fachmann nicht mehr viel tun. Selbst mit einem Kran ist das Auswassern jetzt gefährlich wenn nicht kriminell, weil die Gurten gefrieren und das Boot herunterfallen könnte.»

Schiffstaue gebrochen, Boote abgetrieben

Vorerst kam es aber gemäss Angaben der Kantons- und Stadtpolizei zu keinen grösseren Zwischenfällen auf dem Zürichsee. «In zwei Fällen sind Schiffstaue, mit denen Boote im See vertäut waren, durch das Eis spröde geworden und gebrochen. Die Boote sind daraufhin abgetrieben und mussten von der Seepolizei geborgen werden», sagt Marc Besson, Pressesprecher der Zürcher Kantonspolizei, gegenüber Tagesanzeiger.ch. Es komme aber auch hin und wieder vor, dass die Seepolizei Tiere retten müsse, die im Eis festgefroren seien – wie jüngst einen Schwan am Greifensee.

Wenn allerdings das Eis aus den Uferzonen abbricht und auf dem Wasser treibt, können die messerscharfen Kanten der Eisschollen die Boote beschädigen. «Die Seepolizisten müssten in solchen Fällen die Schadensmeldungen aufnehmen, die durch die Versicherungen angefordert werden», so Besson. Das war bisher in dieser Saison aber noch nicht nötig.

Die meisten Boote sind ausgewassert

Auch bei der Allianz, die 20 Prozent der rund 100'000 Boote auf Schweizer Gewässern versichert, gab es bisher keine nennenswerten Schadensmeldungen. «Viele Schiffe sind derzeit ausgewassert und stehen in Hallen», erklärt Allianz-Sprecher Bernd de Wall diesen Umstand. Hinzu komme, dass viele Schäden erst beachtet werden, wenn die Boote wieder für die Saison vorbereitet werden. «Im Moment sehen die meisten Besitzer nicht jeden Tag nach ihren Booten.»

Mathias Ganz verhindert Frostschäden an den Booten seiner Kunden, indem Wassersysteme wie beispielsweise die Frischwassertanks oder das Kühlwasser der Motoren entleert oder mit Frostschutz gefüllt werden. «Wer schlau ist, macht das auch mit einem Boot, das im Wasser liegt», rät er.

In seiner Werft gebe es jedenfalls keine Probleme wegen der Kälte. «Die meisten unserer Kunden nutzen alljährlich unseren Service, die Boote auszuwassern und einzulagern», so Ganz. Ein Angebot, das sich allerdings nicht jeder leisten kann oder will: Das Auswassern und Einlagern – in der Regel wird dies während sechs Monaten getan – kostet je nach Grösse des Bootes immerhin bis zu 5000 Franken.

Erstellt: 09.02.2012, 12:03 Uhr

Dieselautos gefährdet

Bei den aktuell tiefen Temperaturen häufen sich die Pannen mit Dieselautos. Die Fahrzeuge bleiben mit ausgeflocktem Kraftstoff liegen. Paraffin aus dem Dieselkraftstoff wird bei grosser Kälte fest und verstopft den Dieselfilter. Der Wagen muss dann aufgetaut werden. Benziner sind dagegen weitgehend kältesicher.

Bei Auto Zürich West führte die Eiseskälte noch zu keinen feststellbaren Schäden an den Occasion-Wagen, die im Freien stehen. «Wir reinigen die Wagen regelmässig und kontrollieren die Kühlmittel», sagte Verkaufsleiter Daniele De Santis auf Anfrage. Ein besonderes Augenmerk richten die Mitarbeiter auf die Dieselfahrzeuge. «Es kann sein, dass der Dieselfilter friert», so De Santis. Im Extremfall müssen die Filter ausgewechselt werden. (met/sda)

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