Wenn Lehrer falsch benoten

Trotz gleicher Leistung unterscheiden sich die Noten von Primarschülern um bis zu 0,4 Punkte. Ein neuer Test soll diese Ungerechtigkeit eindämmen und die Noten objektiver machen.

Subjektiv benotet: Bei Primarschülern wird nicht mit der gleichen Elle gemessen.

Subjektiv benotet: Bei Primarschülern wird nicht mit der gleichen Elle gemessen. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Obwohl ein Lehrer seine Primarschüler in der Regel über drei Jahre beobachten und bewerten kann, entsprechen die Noten am Ende der 6. Klasse oft nicht der tatsächlichen Leistung des Schülers. Das hat eine Studie der Bildungsdirektion des Kantons Zürich ergeben, bei der knapp 2000 Schüler getestet wurden.

Besonders schwer haben es dabei Kinder aus fremdsprachigen, bildungsfernen oder armen Familien. Sie sind in der Regel nicht nur schwächer in der Schule, sondern werden auch noch härter benotet. Die Unterschiede können dabei bis zu 0,4 Notenpunkte ausmachen.

Entscheidend sind die Noten vor allem beim Übertritt von der Primar- in die Oberstufe. Dabei können die unterschiedlichen Benotungen im Härtefall dazu führen, dass ein an sich guter Schüler nicht in die Sek A kommt, obwohl seine objektive Leistung dies nahelegen würde.

Tests sollen Noten «objektivieren»

Diese Ungleichheiten will Bildungsdirektorin Regine Aeppli mit einem neuen Standardtest bekämpfen, wie sie gestern an der Medienkonferenz sagte. Der Test soll die Fähigkeiten der Sechstklässler «objektiv erfassen». Dabei werden nicht nur Deutsch und Mathematik, sondern auch die kognitiven Fähigkeiten geprüft.

Mit den Ergebnissen werden die offenbar zu wenig objektiven Schulnoten der Lehrer «ergänzt», wie Aeppli sagte. Heute entscheiden die Lehrer in Eigenregie, ob ein Schüler in die Sek A, B oder C eingeteilt wird. Dass ihre Noten zu wenig objektiv sind, streiten die Lehrer nicht ab. Im Gegenteil: Sie begrüssen die neuen Tests «als Hilfsmittel, um die Beurteilung zu objektivieren», wie Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerverbandes, gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagte. (ep)

Erstellt: 10.06.2011, 11:06 Uhr

Artikel zum Thema

«Es ist wichtig, dass keine Ghetto-Schulen entstehen»

Schulklassen mit hohem Ausländeranteil schneiden in Testfächern schlechter ab. Dennoch sieht Bildungsdirektorin Regine Aeppli nur teilweise Handlungsbedarf. Mehr...

Sind Sie so klug wie ein Primarschüler?

Im Kanton Zürich ist bei knapp 2000 Primarschülern das Bildungsniveau erhoben worden. Testen Sie sich selber: Wie viele Fragen beantworten Sie richtig? Mehr...

Jedes sechste Kind erreicht Lernziele der Primarschule nicht

Rund ein Sechstel der Zürcher Schülerinnen und Schüler erreicht Ende Primarschule die Lehrplanziele nicht. Die Mehrheit der Kinder spricht aber gut Deutsch und kann rechnen. Dies ergibt eine Studie der Bildungsdirektion. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Grosser Sammelspass für die ganze Familie

Perfekt für kalte Wintertage: Bei jedem Einkauf Marken sammeln und gegen exklusive «Disney Winterzauber»-Prämien von Coop eintauschen!

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Weisse Pracht: Schneebedeckte Chalet-Dächer in Bellwald. (18. November 2019)
(Bild: Jean-Christophe Bott) Mehr...