Wenn die Goldküste Geld sammelt

Crowdfunding ist oft eine harzige Sache. Nicht so am Zürichsee: Hier kam für das Projekt einer Seesauna in kurzer Zeit eine Viertelmillion zusammen.

Das Vorbild für das Stäfner Projekt: Die Sauna im Zürcher Seebad Enge. Bild: PD

Das Vorbild für das Stäfner Projekt: Die Sauna im Zürcher Seebad Enge. Bild: PD

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Diese Idee ist schnell erklärt – und das Problem daran auch. Die Idee bestand darin, eine öffentliche Sauna im alten Garderobenhäuschen der Seebadi Lattenberg in Stäfa einzurichten. Aber um diese zu bauen und während des ersten Jahres zu betreiben, waren 250'000 Franken nötig. «Wir probieren einfach aus, wie weit wir kommen», sagten sich die Gründer der Seesauna-Genossenschaft, als sie mit dem Geldsammeln begannen.

Sie kamen ziemlich schnell ziemlich weit. In nur vier Monaten ist es ihnen gelungen, eine Viertelmillion Franken aufzutreiben, und das ganz ohne Firmensponsoren. Allein durch Genossenschaftsanteile und Privatspenden. Der Umweltberater Michael Kistler, Sprecher der Genossenschaft, findet das «sensationell». Normalerweise bewegten sich Crowdfunding-Projekte in einer Grössenordnung von 1000 bis einigen 10'000 Franken.

Es gibt am See kein öffentliches Angebot

Die Genossenschafter haben zwei Erklärungen für das überraschend gute Resultat. «Erstens gibt es der ganzen Goldküste entlang erstaunlicherweise kein anständiges öffentliches Angebot für Wellness und Sauna», sagt Kistler. «Schon gar nicht eines mit direktem Seeanstoss.» Wer Wellness wolle, müsse bis nach Zürich, Rüti oder Wald ausweichen. Zweitens spiele ihnen der «sehr limitierte öffentliche Seezugang an der Goldküste» in die Hände. «Die Leute wollen das Seeufer, das ihnen noch zur Verfügung steht, im Sommer und im Winter nutzen.»

Dieses alte Garderobenhäuschen am Ortseingang von Stäfa soll zur Sauna werden. Bild: PD

Allerdings sind an der Goldküste andere Initiativen für eine Wintersauna in der Vergangenheit gescheitert. In Erlenbach und Winkel fanden die Initianten keine Unterstützung ihrer Gemeinden. Auch die Gemeinde Stäfa legte das benötigte Geld nicht auf den Tisch. Gemeindepräsident Christian Haltner (FDP) legte den Petitionären nahe, die Chance, das alte Garderobenhäuschen als Sauna umzunutzen, stünde besser, «wenn alle Risiken privat getragen würden».

Obwohl es rückblickend anders scheint, war die Finanzierung für die Genossenschaftsgründer ein Krimi. Die Geldsammlung lief zwar gut an, als es im letzten Oktober losging: In wenigen Wochen kamen 100'000 Franken zusammen. Aber vor Weihnachten ging dann nichts mehr. «Wir wussten im Januar noch nicht, ob wir es zum geplanten Abschluss am 8. Februar schaffen würden», sagt Kistler.

Sie reden schon vom Ausbau

Nach der erfolgreichen Finanzierung muss die Genossenschaft nun der Gemeinde Stäfa einen Businessplan und das Nutzungskonzept vorlegen und dann beim Kanton die Baubewilligung einholen. «Das sind die grössten Stolpersteine, die uns noch bevorstehen», sagt Kistler. Geht alles gut, soll es im Winter 2020 losgehen mit der Sauna im alten Garderobenhäuschen. Vorbild des Projektes ist die Seebadi Enge in Zürich.

So stellen sich die Genossenschafter den Umbau vor. Bild: PD

In Stäfa träumen sie schon von einem weiteren Ausbau. Das Bedürfnis nach einem Dampfbad sei sehr gross, sagt Kistler, vor allem unter Frauen. Weil dies mehr Kapazität bedeute, würde das auch einen grösseren Ruheraum nach sich ziehen. Zudem liebäugeln die Genossenschafter mit einem Massageraum oder einem Jacuzzi. Darum hofft der Vorstand, dass sich noch weitere Genossenschafterinnen und Genossenschafter sowie Firmensponsoren finden lassen. Eine Saunafirma aus Wädenswil habe bereits ihre Partnerschaft zugesagt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.02.2019, 11:16 Uhr

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