Wenn man fürs Bahnticket zu viel bezahlt

An der Kantonsgrenze verkaufen die SBB-Schalter den Z-Pass, obwohl es preisgünstigere Tickets für Zürich gibt. Die Zuständigkeit ist auch beim Verkehrsverbund und den SBB unklar.

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Bis zu einem Drittel des Fahrpreises kann ein SBB-Passagier sparen, wenn er von ausserhalb des Kantons nach Zürich fährt und weiss, welches Angebot er nutzen muss – doch genau das verrät das SBB-Schalterpersonal nicht: Die Regelung der verschiedenen regionalen Tarife verbietet einen Verkauf von Verbundtickets ausserhalb des Verbundgebietes, obwohl diese sowohl am Automaten, via Mobile-App und auf Nachfrage sogar am Schalter erhältlich sind.

Z-Pass statt 9-Uhr-Pass

Als Beispiel: Wer in Stein am Rhein wohnt – zwei Stationen ausserhalb des Kantons Zürich – kann als günstigste Möglichkeit mit einem Halbtax-Abonnement ein Retour-Ticket für 5.80 Franken an die Kantonsgrenze lösen. Von da kann er mit einem 9-Uhr-Pass für 12.50 Franken den ganzen Tag im ganzen Kanton Zürich herumfahren. Insgesamt bezahlt der Kunde also 18.30 Franken ab 9 Uhr und kann an Wochenenden den 9-Uhr-Pass sogar den ganzen Tag nutzen. Diese Kombination kann er am Automaten oder übers Handy lösen.

Verlangt der Passagier aber am Schalter die billigste Version, wird ihm ein Z-Pass für 23.40 Franken verkauft, mit dem der Passagier sich nur in gewissen Zonen frei bewegen kann. Auf Nachfrage an verschiedenen Schaltern entlang der Kantonsgrenze erklären die SBB-Schalterangestellten, dass sie die 9-Uhr-Pass-Kombination nicht aktiv anbieten dürften. Und das, obwohl der 9-Uhr-Pass am Automaten fünf Meter neben dem Schalter erhältlich ist.

Keine klaren Zuständigkeiten

Daniele Pallecchi, Pressesprecher der SBB, nimmt dazu folgendermassen Stellung: «Seit Jahren schon sind Verbundtickets ausschliesslich im jeweiligen Verbundgebiet erhältlich. Das gilt schweizweit und für alle Verbunde und Transportunterunternehmungen.» Einzige Ausnahme sei der Z-Pass: Darin sind der Zürcher Verkehrsverbund und die angrenzenden Tarifverbunde A-Welle, Flex Tax, Ostwind, Schwyz und Zug sowie die SBB in einem Abonnementsverbund für den Lebens- und Wirtschaftsraum Zürich zusammengeschlossen.

Der Z-Pass ist aber die im oben erwähnten Beispiel teurere Variante. Warum aber die 9-Uhr-Pass-Kombination am Schalter auf Insistieren erhältlich ist und warum der Kunde diese am Automaten oder über die Mobile-Applikation ohne Probleme kaufen kann, erklärt sich daraus nicht.

Preissystem wird diskutiert

Pallecchi verweist auf die Zuständigkeit des Verbandes öffentlicher Verkehr (VÖV): «Mit den SBB hat das nichts zu tun, sondern mit der ÖV-Branche generell.» Roger Baumann vom Verband öffentlicher Verkehr hingegen sieht die Verantwortung bei den SBB, da diese für den Z-Pass zuständig seien. Auch ZVV-Sprecher Thomas Kellenberger sagt auf Anfrage, dass der Zürcher Verkehrsverbund keine Kompetenzen betreffend Ticketverkauf an bedienten Verkaufsstellen ausserhalb seines Verbundgebietes habe. «Im Grossraum Zürich gilt seit letztem Dezember der Z-Pass für Reisen über die Verbundgrenzen hinweg. In diesem Sinne werden im Einzugsgebiet des Z-Passes in erster Linie auch diese Fahrausweise angeboten», hält er fest.

Offenbar herrschen im komplizierten Netz der verschiedenen Verbunde noch Unklarheiten. Man ist sich jedoch sowohl bei den SBB wie auch bei den verschiedenen Verbunden der bestehenden Problematik bewusst. Pallecchi: «Unter dem Lead des Verbandes öffentlicher Verkehr (VÖV) stehen die zahlreichen schweizerischen Transportunternehmungen jedoch bezüglich eines neuen Preissystems in Kontakt, wobei auch solche Beispiele Diskussionspunkte sind.»

Erstellt: 26.08.2013, 11:26 Uhr

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