Wer darf Tiere töten?

Dass zwei bekannte Igelstationen wegen neuer Vorschriften schliessen müssen, stösst auf viel Kritik – aber nicht nur. Es gibt auch Tierstationen, die Verständnis zeigen.

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Die Reaktionen sind heftig: «Eine absolut nicht notwendige Beamtenwillkür aus Bern!», «Es gibt zu viele Beamte, welche die Arbeitszeit mit dem Erfinden neuer Vorschriften vertrödeln.» Oder: «Ein typischer Fall von Schreibtischtäterschaft.»

Die TA-Leserinnen und -Leser haben mit solchen Aussagen den Artikel «Hiobsbotschaft für die Igel» kommentiert und lassen keinen Zweifel an ihrer Meinung: Kaum jemand versteht, dass der Bund mit einem neuen Merkblatt das Halten von Igeln regelt – vor allem, weil es zur Folge haben könnte, dass zwei bekannte Igelstationen im Kanton Zürich schliessen müssen.

Eingeschläfert wird bei der Tierärztin

Am meisten setzt den Igelstationen zu, dass sie künftig keine Tiere mehr selbst in die Narkose versetzen oder einschläfern können. Das sei ein Seich, lässt sich Igelpflegerin Erika Heller zitieren. Sie kümmert sich seit 50 Jahren um verletzte, junge oder hungernde Tiere.

Doch in diesem Punkt sind sich verschiedene Tierstationen uneinig. Silvia Volpi beispielsweise päppelt seit über 15 Jahren Mauersegler auf. Weit über 3000 Tiere überlebten schon, weil sie Volpi in Rümlang grossgezogen und ausgewildert hat. Sie sagt: «Ich verstehe, dass Bund und Kanton das Halten von Wildtieren derart regeln wollen.»

Auch sie braucht für ihre Vogelstation eine Lizenz, kürzlich musste sie diese erneuern. Wann immer Volpi einen Vogel einschläfern lassen muss, geht sie zu einer Tierärztin oder ins Tierspital. Sie ist überzeugt: «Diese neue Vorschrift muss auch für die Igelstationen nicht das Aus bedeuten. Es ist ein Problem, das sich lösen lässt.»

«Gefahr von Missbrauch»

Eine ähnliche Haltung hat Elisabeth Schlumpf von der Volieren-Gesellschaft Zürich, nach eigenen Angaben die meistbesuchte Notfallstation für Vögel in der Schweiz. Elisabeth Schlumpf, Leiterin der Volieren, hat Verständnis, dass nicht jeder und jede Narkosemittel spritzen sollte. «Diese sind sehr gefährlich, und es besteht die Gefahr von Missbrauch.» Man müsse genau wissen, wie damit umgehen. «Man kann ein Tier auch quälen, wenn man es einschläfert», sagt sie. Dabei gehe es vor allem darum, wie man die Mittel richtig spritze und dosiere. Vom Gesetz her haben Tierärzte diese Kompetenz, nicht aber Privatpersonen.

Eva Karrer hingegen kann die Not der Igelstationen sehr gut verstehen. Sie sorgt sich seit knapp 20 Jahren um Eichhörnchen und zieht hauptsächlich Jungtiere auf, die aus dem Nest gefallen sind. Pro Jahr pflegt sie rund 200 Jungtiere. «Bei einem Igel kann man sich ja nicht einmal das Füsschen ansehen, wenn er verletzt ist. Er macht sofort eine stachelige Kugel.» Da sei es wichtig, dass man das Tier schnell in die Narkose versetzen könne.

Schwerverletzte Tiere schnell erlösen können

Karrer findet auch, dass die Igelpflegerinnen die Kompetenz haben sollten, die Tiere einzuschläfern. Gerade Igel würden eher mit schweren Verletzungen in eine Station gebracht – zum Beispiel ohne Beine, weil sie von einem Rasenmäher erwischt worden sind. «Dann müssen sie in der Igelstation sofort vom Leiden erlöst werden können.» Dass Tiere missbräuchlich eingeschläfert würden, kann sie sich nicht vorstellen. «Wer Wildtiere pflegt, macht das aus Liebe zum Tier und mit sehr viel Engagement.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.05.2017, 16:05 Uhr

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