Wer macht das Rennen?

Am Samstag nominiert die SP die potenzielle Nachfolgerin von Regine Aeppli im Regierungsrat. Wir nennen die Favoritinnen.

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Von Luxusproblem sprechen die einen, von einer Knacknuss die anderen: Alle vier Frauen, die es bis zur Nominierung in der Winterthurer Reithalle vom nächsten Samstag geschafft haben, seien «valabel», wird SP-intern allenthalben betont. Das sind die vier:

 Chantal Galladé (41, Winterthur)

Die Berufspolitikerin und Bildungswissenschaftlerin ist als Nationalrätin national bekannt geworden durch ihr Engagement gegen die Aufbewahrung der Armeewaffen im Besenkasten sowie als Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission und ihren Einsatz gegen den Kampfjetkauf. Ihre Stärken sind starke TV-Auftritte und gute Wahlresultate bei Nationalrats- und Ständeratswahlen. Gegen sie spricht SP-intern, dass sie für eine freie Schulwahl war sowie ihre mangelnde Exekutiverfahrung.

 Jacqueline Fehr (51, Winterthur)

Die gelernte Sekundarlehrerin, heute ebenfalls Berufspolitikerin, ist eine der profiliertesten Nationalrätinnen der Schweiz. Zurzeit engagiert sie sich an vorderster Front für eine Einheitskrankenkasse. Fehr gilt vom Papier her als hochkarätigste Kandidatin, sie hat in ­ihrer Karriere aber auch schon etliche schmerzhafte Niederlagen erlitten, vor allem gegen Simonetta Sommaruga bei der Bundesratswahl 2010 und gegen Andy Tschümperlin bei der Fraktionspräsidentenwahl 2012. Fehr gilt als sehr entschlossen und scheut sich nicht, ­anderen auf die Füsse zu treten.

 Priska Seiler (46, Kloten)

Die Oberschullehrerin und Ballettpädagogin ist seit 2005 Kantonsrätin und seit 2010 als Klotener Stadträtin Sicherheitsvorsteherin. Seiler ist ausserdem Präsidentin des Dachverbandes Fluglärmschutz. Ihre Stärken sind ihre Exekutiverfahrung und Mehrheitsfähigkeit in einer der bürgerlichsten Städte, eine gute Vernetzung im Kanton sowie ihre fröhliche, dynamische Art. An den SP-internen Wahlveranstaltungen hat sich Priska Seiler mehrfach die besten Noten aller vier Kandidatinnen geholt. Ihre grosse Schwäche aber bleibt die mangelnde Bekanntheit.

 Sabine Sieber (54, Sternenberg)

Die Haushaltungslehrerin und amtierende Kantonsrätin ist mit einem Landwirt verheiratet und führt als Wirtin und Leiterin ein Seminarhaus in Sternenberg. Dort ist sie auch Gemeindepräsidentin. Zudem ist sie Präsidentin von Pro Zürcher Berggebiet. Die Stärke von Sabine Sieber ist ihr geerdetes Umfeld. Sie ist das glatte Gegenteil einer «Cüplisozialistin». Auf der SP-Wahltour allerdings kam sie punkto Ausstrahlung und Themenvielfalt nicht an die anderen heran.

Die CVP als Bedrohung

Die rund 170 SP-Delegierten haben am Samstag eine knifflige Wahl. Sie möchten natürlich die beste und vielleicht auch verdienteste Kandidatin wählen, die im Frühling neben dem Bisherigen Mario Fehr in die Wahlen zieht. Sie müssen sich aber auch Gedanken zur Wahlchance ihrer Favoritin machen. In den letzten 50 Jahren hatte die SP nur während 16 Jahren eine Doppelvertretung.

Zudem schickt die CVP mit Staats­anwältin Silvia Steiner eine starke ­Kandidatin ins Rennen, die sich in ein bürgerlich-gewerbliches Fünferticket einbinden will.

Es braucht Stimmen aus der Mitte

Was es wahlarithmetisch für die Nachfolgerin von Regine Aeppli braucht, weiss Peter Moser, Leiter der Abteilung Analysen und Studien beim Statistischen Amt. «Die Erfahrung lehrt, dass rund ein Drittel der Stimmen der komfortabel gewählten Linkskandidaten aus der Mitte kommt.» Nur Stimmen von links allein (SP, GP, AL) reichen laut ­Moser nicht fürs absolute Mehr. Bleiben die Parteistärken in etwa gleich wie 2011, sei vor allem Wählerschaft der Grünliberalen, die auf eine eigene ­Kandidatur verzichten, grössenmässig relevant. «Bei einer ideologisch wenig profilierten Kandidatur kann auch bis ins rechte Spektrum hinein gepunktet werden», sagt Moser.

Gespräche mit SP-Delegierten zeigen: Jacqueline Fehr scheint vorne zu liegen. Ihr traut man am ehesten zu, mit einem Unirektor ein Gespräch auf Augenhöhe führen zu können. Sie hat ausserdem den weitaus grössten Aufwand betrieben, um die Delegierten zu überzeugen. Viele legen ihr das positiv als Professionalität aus. Anderen jedoch gerät dieses sehr aktive Lobbying in den falschen Hals. Fehr ist aber auch die klar linkste der vier Kandidatinnen; sie dürfte eher Mühe haben, an die Stimmen der Mitteparteien zu kommen. Einfach gesagt: Die Wahlchancen innerhalb der SP dürften genau umgekehrt sein wie bei der Volkswahl im Frühling.

Seiler als Stolperstein für Galladé

Für zusätzliche Verzwickungen wird wohl am Samstag das Wahlverfahren sorgen. Sollte Sabine Sieber als Erste ausscheiden, konzentrieren sich die Stimmen der Delegierten, die lieber eine kantonale Politikerin im Regierungsrat sähen, auf Priska Seiler. Chantal Galladé könnte dann trotz ihrer grossen Bekanntheit als Zweite ausscheiden.

Was Statistiker Peter Moser sagt, bestätigen die Vertreter der Mitteparteien. «Priska Seiler wäre für unsere Wähler von den vier SP-Kandidatinnen am ehes­ten wählbar», sagen sowohl CVP-Präsidentin Nicole Barandun als auch EVP-Präsident Johannes Zollinger. GLP-Präsident und Nationalrat Thomas Maier glaubt, dass nur Kandidatinnen bei den Grünliberalen Chancen haben, die «finanzpolitisch umsichtig agieren – am ehesten Galladé und Seiler». Für BDP-Kantonsrat Rico Brazerol sind Jacqueline Fehr und Galladé «undenkbar», während er mit Seiler oder Sieber «leben könnte». Am nahesten stehen allen Mitteparteien ihre eigenen Kandidaten: Der CVP Silvia Steiner, der EVP Nik Gugger und der BDP Marcel Lenggenhager. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.09.2014, 23:10 Uhr

 Jungfreisinn unterstützt Vogel

Die Jungfreisinnigen (JF) unterstützen FDP-Fraktionspräsident Thomas Vogel in den Regierungsratswahlen. Dass man trotz zweier nominierter Frauen lieber den Mann als Nachfolger von Ursula Gut sieht, hat mit der zu wenig streng freisinnigen Linie der beiden Kandidatinnen zu tun.

Die Kantonsrätin und Meilemer Finanzvorsteherin Beatrix Frey-Eigenmann – als solche die perfekte Nachfolgerin der ehemaligen Küsnachter Finanzvorsteherin Gut – ist bei der jungfreisinnigen Befragung beim Thema Steuern durchgefallen, als sie Steuer­erhöhungen aufgrund der aktuellen Finanzlage nicht kategorisch ausschloss. «Von einem freisinnigen Regierungsrat erwarten wir Sparbemühungen. Dass er hinsteht und sagt: Das können wir uns nicht leisten», sagt JF-Präsident Andri Silberschmidt. Bei Carmen Walker-Späh, Kantonsrätin und Präsidentin der FDP-Frauen Schweiz, war das «Killerkriterium» ihr Engagement für Frauenquoten in der Verwaltung.

«Wir sind sehr kritisch eingestellt ­gegenüber Quoten», sagt Silberschmidt. Als Frauenverhinderer will er seine Partei nicht sehen: «Wir haben viele Frauen, auch im Vorstand.» Die Gleichstellung sei gesetzlich gut verankert. Nun sei es an den Firmen, Frauen einzustellen, «die Motivation dazu müsste gross genug sein». Schliesslich seien Unternehmen mit Frauen in Führungspositionen erfolgreicher, wie jüngste Studien zeigten.

Im konkreten Fall hat die FDP diesen Erfolg anscheinend nicht nötig. Auf jeden Fall zeigen sich die JF überzeugt, dass Vogel, «ein Universaltalent, eloquent und führungsstark», mit liberalen Taten «brillieren» werde.

Die FDP bestimmt an ihrer Delegiertenversammlung am 2. Oktober, wer zusammen mit dem bisherigen Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger die FDP- Sitze verteidigt.
Lorenzo Petrò

(Tages-Anzeiger)

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