Widerstand gegen Umfrage bei Zürcher Clubs

Eine Studie soll aufzeigen, wie wichtig die Bar- und Clubszene für Zürich ist. Nicht alle Angefragten wollen mitmachen.

Will sich für die Branche stark machen: Marc Blickenstorfer, BCK-Präsident. (Bild mit Katja Weber, November 2011)

Will sich für die Branche stark machen: Marc Blickenstorfer, BCK-Präsident. (Bild mit Katja Weber, November 2011) Bild: tillate.com

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Wie hoch ist Ihr Jahresumsatz? Wohin fliessen Ihre Ausgaben? Wie viel Personal beschäftigen Sie? Diese und 32 weitere Fragen sollen die Stadtzürcher Bar- und Clubbetreiber in den nächsten Tagen beantworten. Verschickt hat die Umfrage die letztes Jahr gegründete Bar- und Clubkommission (BCK), die sich für die Anliegen des Nachtlebens einsetzt. Die Antworten werden in eine Masterarbeit über die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung der Bars und Clubs für Zürich einfliessen.

Kaum verschickt, erntet die Umfrage Kritik. «Es stellt sich die Frage, ob hier unter dem Deckmäntelchen einer Masterarbeit gleich noch etwas Spionage über die Konkurrenz betrieben wird», schreibt ein Barbetreiber, der anonym bleiben will. Die Informationen über Zahlen anderer Betriebe könnten gerade die Mitglieder der BCK sehr interessieren, so der Kritiker.

BCK-Präsident ist Marc Blickenstorfer, der das Plaza, die Rimini-Bar sowie andere Clubs und Bars mitbetreibt. Laut dem Kritiker besteht die Kommission hauptsächlich aus Betrieben, an denen Blickenstorfer beteiligt ist oder denen er nahesteht.

Suche nach mehr Mitgliedern

Blickenstorfer wehrt sich gegen die Vorwürfe. Die Teilnahme an der Umfrage sei freiwillig und könne anonym erfolgen. Es gehe der BCK in keiner Weise um «Spionage»: «Wir wollen vielmehr die Position der Bars und Clubs in der Stadt Zürich stärken.» Er hofft, dass die Studie aufzeigt, wie viele Arbeitsplätze die Bars und Clubs schaffen, wie viele Musiker, DJs und Künstler sie pro Jahr für Auftritte buchen, wie viel Geld sie in der Stadt Zürich ausgeben. «Mit diesen Zahlen könnten wir bei Gesprächen mit Politik, Wirtschaft, Behörden und Medien die Wichtigkeit unserer Branche für die Stadt untermauern.»

Blickenstorfer betont, dass er keinen Einblick in die einzelnen Antworten hat, sondern lediglich die zusammengerechneten Zahlen erfahren und verwenden wird. Die Umfrage entworfen hat Isabelle Hackl, Geschäftsführerin des Seebads Enge.

Tag der offenen Clubtür

Blickenstorfer dementiert auch, dass die BCK vorwiegend aus ihm und seinen Freunden besteht. Im elfköpfigen Vorstand, der die Umfrage verschickt hat, sind Betreiber verschiedenster Lokale vereint. Der Kommission gehören heute 19 Clubs und 12 Bars an wie Zukunft, Jade, Abart oder Acapulco. Eine Erweiterung ist erwünscht und geplant: In den nächsten Tagen beginnt die BCK um neue Mitglieder zu werben, seit gestern ist sie auf Facebook präsent.

In den kommenden Wochen veranstaltet die BCK einen Wettbewerb, in dem das beste Plakat für einen Club gekürt wird. In Vorbereitung ist auch ein Tag der offenen Clubtür, an dem Nachbarn oder die Eltern der Besucher einen Blick in die Lokale werfen können.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.08.2012, 07:47 Uhr

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