Wie Hasan zu Ali wurde

Der kometenhafte Aufstieg von Ali Kebap, der im richtigen Leben Hasan heisst und Falafel verkauft.

Vom Falafel-Verkäufer zur Werbeikone: Hasan alias Ali.

Doris Fanconi

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Leute, die Hasan kennen, begrüssen ihn und sagen: «Lange nicht mehr gesehen.» Und korrigieren sich umgehend: «Eigentlich nur noch gesehen.» - Leute, die Hasan nicht kennen, mustern ihn - irgendwoher würden sie ihn kennen, sagen sie, sein Gesicht komme ihnen bekannt vor. Darauf lächelt Hasan, und lässt sie noch einen Moment im Ungewissen. Dann sagt er «Ali Kebap» und ein wenig Stolz schwingt mit.

Das geht nun schon eine Weile so. Im August lächelte Hasan das erste Mal von einem Plakat, seither kann der wundersame Aufstieg des Kleinstunternehmers Ali Kebap an Plakatwänden im ganzen Land mitverfolgt werden. Kurze Zeit nach der ersten Plakatserie expandierte er und eröffnete 24 neue Filialen, alsbald kam eine Hotelkette hinzu, heute besitzt Ali sogar eine eigene Fluggesellschaft.

Die Kampagne löste ein riesiges Echo aus. Die Medien rätselten zuerst darüber, wer hinter den Ali-Plakaten stecke, später, wer der stattliche Mann mit Fez auf dem Kopf und Fleischspiess in der Hand sei. Dass die Affichen Eigenwerbung für die Allgemeine Plakatgesellschaft sind, war schnell klar. Wer für die APG in die Rolle des Kebabverkäufers Ali schlüpfte, blieb bisher unbekannt.

Authentizität ist das Wort

Dass dies so ist, wundert Hasan alias Ali selber am meisten. Hasan versteckt sich nicht, tagtäglich bedient er seine Kundschaft. Der Rummel um seine Person ist dem 46-jährigen Palästinenser nicht ganz geheuer. Seit er Kebap-Ali sei, habe sich sein Leben verändert, sagt Hasan, über Nacht sei er zur Berühmtheit geworden. Zu viel von sich will er nicht preisgeben; sein Nachname und wo er arbeitet, bleiben sein Geheimnis. Dass seine Falafel im Ruf stehen, die besten der Stadt zu sein, müsse genügen.

Hasan wurde im Frühjahr von der Werbeagentur Publicis gecastet. Seine «markanten Züge» sprangen den Werbern ins Auge, als sie auf Zürichs Strassen nach dem richtigen Gesicht für ihre Kampagne suchten. Authentizität ist das Wort, mit dem die Werber erklären, wieso Ali derart eingeschlagen hat. Mit ihm liesse sich eine Tellerwäschergeschichte erzählen, mit einem Profi-Model sei das unmöglich. Dass Hasan studierter Maschinenbauingenieur ist und von CNC-Fräsen mehr versteht als von Dönerspiessen, ist Nebensache.

Mit der Teaserkampagne wollte die APG auf ihre Werbewirksamkeit aufmerksam machen - im gleichen Zug hat sie aus dem unbekannten Hasan den bekannten Ali Kebap gemacht. Wenn er, wie jeden Tag, auf dem Nachhauseweg in der Lobby eines 4-Sterne-Hotels noch ein Tonic trinkt, stecken Hotelgäste die Köpfe zusammen und lächeln ihm zu. Touristen aus Singapur, aus London erkennen den Typen vom Plakat wieder und wollen ein Erinnerungsfoto. Ebenso der Zöllner am Flughafen, der ihn bei der Passkontrolle erkannte. Und die Jugendlichen sowieso. Einige luden ihn in ihre Disco nach Altstetten ein und hingen dort ein Plakat von ihm auf.

Sie alle nennen ihn Ali, und Hasan scheint dies recht zu sein. Aus Hasan ist ein bisschen Ali geworden, und mit Ali kann sich Hasan identifizieren. Er sieht in ihm ein Symbol der Integration, ein Beispiel für das Zusammenleben der Kulturen in der Schweiz. Die zigtausend Plakate haben in den Augen Hasans auch diese Botschaft verbreitet - in der Schweiz und darüber hinaus. Selbst der US-Fernsehsender NBC meldete sich bei der APG, um das Rätsel um Ali Kebap zu lösen.

Als Hasan die Affiche mit seinem Konterfei zum ersten Mal sah, erfüllte ihn der Anblick mit Stolz. Kurz darauf begann sein Telefon heiss zu laufen; alle teilten mit, ihn gesehen zu haben. In Genf, in Andelfingen und an der Tramhaltestelle. Wenn er auf die Plakate angesprochen werde, mache ihn das glücklich. Weil Ali offensichtlich die Leute glücklich macht.

Dass die Reaktionen auch Tage und Wochen später nicht abreissen würden, haben weder Hasan noch die Werber erwartet. Bei Publicis hat man den Wert Hasans erkannt: Es gibt Ideen, die Geschichte von Ali Kebap weiterzudrehen. Andere wollen auf den Erfolg aufspringen. Eine Airline aus dem Nahen Osten offeriert Hasan unbegrenzt Freiflüge, wenn sie mit ihm werben dürfe. Hasan hat vorerst abgelehnt, besitzt er doch eine eigene Airline. Irgendwie.

Wurde als Ali gecastet, weil er authentisch wirke: Der studierte Maschineningenieur Hasan. Foto: Doris Fanconi

Erstellt: 12.11.2009, 17:34 Uhr

Paid Post

Traumpisten und Bilderbuchdörfer

In dem Bündner Hochtal können Feriengäste in der Nationalparkregion des Schweizerischen Nationalparks in eine intakte Welt eintauchen.

Die Welt in Bildern

Handarbeit: Schauspieler des Kote Marjanishvili Theaters in Tiflis während einer Probe des Tolstoi-Stücks «Die Kreutzersonate». (18. Februar 2020)
(Bild: Zurab Kurtsikidze) Mehr...