«Wie finde ich eine Alters-WG?»

Antworten auf das Seniorentelefon (Teil 2): Fachleute beantworten Fragen zu Stolpersteinen im Alltagsleben älterer Menschen.

Die Seniorinnen vom Über-70-Stammtisch in Thalwil diskutieren über alles – ausser über Krankheiten. Foto: Giorgia Müller

Die Seniorinnen vom Über-70-Stammtisch in Thalwil diskutieren über alles – ausser über Krankheiten. Foto: Giorgia Müller

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat vor drei Wochen bei älteren Menschen nachgefragt, wo sie im Alltag der Schuh drückt. Dabei kamen einige «Stolpersteine» immer wieder zur Sprache: So etwa das mühsame Einsteigen ins Tram oder zu kurze Grünphasen auf dem Zebrastreifen, aber auch Fragen rund um Beschäftigung, Wohnen und das allgegenwärtige Internet. Wir haben einige dieser Themen mit Fachleuten angesprochen.

Ich suche eine Beschäftigung im Bereich Freiwilligenarbeit, die mir zusagt. Wie finde ich so etwas?
Franjo Ambrož, Pro Senectute Kanton Zürich: Auf der Website von Pro Senectute Kanton Zürich (PSZH) kann ein Interessentalon ausgefüllt werden. Interessierte können sich auch direkt an eines der ­sieben Dienstleistungszentren in Zürich, Schlieren, Winterthur, Bülach, Wetzikon, Meilen oder Horgen wenden. Auch die Stadt Zürich hat eine Kontaktstelle für Freiwilligenarbeit. Für die Suche nach einem freiwilligen Einsatz empfiehlt sich auch die Jobbörse von Benevol. Hier finden sich auch Angebote ­ausserhalb des Altersbereichs.

Gibt es eine Vermittlungsstelle für Alters-WGs?
Franjo Ambrož: Pro Senectute Schweiz betreibt die Website Wohnform50plus.ch, eine Vermittlungsplattform für Interessierte an Wohn- oder Hausgemeinschaften im Alter. Interessierte können ihr ­Projekt, ihre Idee oder ihr Angebot vorstellen und gleichzeitig mit anderen ­Interessierten Kontakt aufnehmen.

Mit 60 hat mich die Firma in einen Pensionierungs-Vorbereitungs­kurs geschickt, der mich wenig interessiert hat. Nun, ein Jahr nach der Pension, würde mir so etwas viel mehr bringen. Gibt es solche Kurse für Pensionierte?
Franjo Ambrož: Eine unserer Tochtergesellschaften hatte ein entsprechendes Angebot («Mit 66 Jahren . . .»), welches aus Mangel an Nachfrage eingestellt werden musste. Es hat sich gezeigt, dass es schwierig ist, Neupensionäre zu erreichen. Aktuell wird in den Vorbereitungskursen angeregt, dass sich die Teilnehmenden zu selbst organisierten «Alumni»-Gruppen zusammenschliessen. Mit vielen Fragen können sie sich aber auch direkt an Pro Senectute Kanton Zürich wenden. In der Sozialberatung können viele Probleme oder Unsicherheiten mit professioneller Unterstützung angesprochen und gelöst werden.

Tut sich in Zürich etwas in Sachen Zeitvorsorge? Wie funktioniert das überhaupt?
Franjo Ambrož: Zeitvorsorgesysteme bieten einen Rahmen, der es Menschen ermöglicht, sich mit Betreuungsleistungen für andere ein Zeitguthaben zu erar­beiten. Pro geleistete Stunde wird eine Stunde gutgeschrieben. Das so angehäufte Zeitguthaben kann später, wenn man selbst darauf angewiesen ist, gegen Hilfe von anderen Zeitvorsorgenden eingetauscht werden. In St. Gallen läuft seit 2013 dazu ein Pilotversuch, und in Zürich – und einigen andern Orten – setzt sich der Verein Kiss für die Bildung von Zeitvorsorge-Genossenschaften ein. Diese stellen lokal ein System der Zeitvorsorge sicher. Zudem ist im Kantonsrat eine Anfrage zum Thema Zeitvorsorge hängig. Pro Senectute Kanton Zürich wurde deshalb mit einer Machbarkeitseinschätzung für die Umsetzung der Zeitvorsorge im Kanton beauftragt. Diese ist derzeit in Arbeit.

Hörgeräte sind teuer: Wie wäre es mit einer Secondhandbörse?
Franjo Ambrož: Die Anschaffung eines Hörgeräts kann tatsächlich eine finanzielle Belastung sein. Eine Secondhandbörse gibt es nicht. Die AHV beteiligt sich aber unter gewissen Bedingungen mit einer Pauschale von 630 Franken.

An wen wende ich mich, wenn ich auch nach meiner Pensionierung einer bezahlten Arbeit nachgehen möchte? Ist das überhaupt möglich?
Elisabeth Michel-Alder, Laufbahnberaterin: Das ist selbstverständlich möglich; mehr als jede fünfte Person zwischen 65 und 69 leistet in der Schweiz Erwerbsarbeit. Häufig übernehmen sie – als Selbstständige – Aufträge von Dritten. Man kann Gärten pflegen, im früheren Beruf aushelfen, in Verwaltungsräten sitzen und so weiter. Es gibt eine Reihe von Portalen, die speziell ältere Erwerbsinteressierte ansprechen. Wer mit der Eingabe «Jobs für ältere Arbeitnehmer» googelt, wird rasch fündig, muss sich aber zur Qualität der aufgelisteten Links eine ­eigene Meinung bilden.

Gibt es eine Möglichkeit, dass ich Freiwilligenarbeit an den Steuern abziehen kann?
Elisabeth Michel-Alder: Freiwilligenarbeit ist unentgeltlich und folglich steuerneutral. Steuerreduktion für Personen, die ehrenamtlich wirken, würde dieses Wirken indirekt in eine geldwerte Leistung verwandeln. Man könnte seine Steuerrechnung reduzieren, indem man freiwillige Einsätze leistet. Ist das sinnvoll? Die Steuergelder sind ja nötig, um reguläre staatliche Leistungen zu ­finanzieren. Denkbar, aber bislang steuerrechtlich nicht diskutiert, wären Abzüge für namhafte Spesen, die sich aus Freiwilligenarbeit ergeben. Allerdings würden solche Abzüge eine Beglaubigung beziehungsweise eine Kontrolle voraussetzen, um Missbrauch zu unterbinden.

Die meisten Altersheime haben die Wartelisten abgeschafft: Finde ich jetzt keinen Platz mehr, wenn ich dringend einen brauche?
Monika Stocker, Alt-Stadträtin: Viele Leute melden sich einfach mal vorsorglich im Altersheim an. Für das Heim ist das unverbindlich und – wenn dann ein Platz frei wird – sehr aufwendig, weil man die ganze Liste durchtelefonieren muss und meist zur Antwort bekommt: Ich habe mich einfach einmal angemeldet. Es ist noch nicht so weit für mich. Andere aber brauchen dringend einen Platz. Beim jetzigen System gilt: Wer wirklich dringend einen Platz braucht, bekommt auch einen – vielleicht nicht gerade gleich in seinem Wunschheim. Doch kann man aus einem Heim auch immer wieder austreten, wenn es einem besser geht oder man einen andern Platz möchte.

Was müsste ändern, damit ich einen Teuerungsausgleich auf die Rente bekäme?
Monika Stocker: Die AHV-Renten werden von Gesetzes wegen immer wieder angepasst. Auf 2015 um 0,4 Prozent. Die Anpassung der Renten der 2. Säule obliegen aber den einzelnen Kassen, und die haben aus Not, aus Spargründen oder weil sie schlechte Geschäfte machten, die Renten oft seit Jahren nicht mehr der Teuerung angepasst. Das ergibt tatsächlich eine Verschlechterung für die Rentnerinnen und Rentner. Eigentlich müssten sich die Rentnervertreterinnen in den Kassen für die Klärung einsetzen. Ob der Bund mit der Revision der 2. Säule hier eine einheitliche Regelung schaffen will und kann, ist sehr fraglich.

An wen wende ich mich, wenn es finanziell gar nicht mehr geht?
Monika Stocker: Die Zusatzleistungen sollten die finanzielle Sicherheit im Alter ­gewährleisten. Wenn jemand den Eindruck hat, dies sei in seiner Gemeinde nicht möglich oder nur schwer erhältlich, so kann er sich an die Pro Senectute wenden, an die kirchlichen Sozialdienste oder an die Sozialhilfe der Gemeinde. Für viele Menschen ist das ein immer schwieriger werdender Weg. Sie haben das Gefühl, die Leute auf den ­Ämtern würden sie schlecht behandeln oder gar diskriminieren. Wenn man diese Erfahrung macht, kann man sich an die Unabhängige Beschwerdestelle für das Alter UBA wenden.

Seit mein Partner gestorben ist, fühle ich mich oft einsam. Deshalb suche ich in meinem Quartier Anschluss: Was soll ich tun?
Monika Stocker: In Zürich gibt es für alle Quartiere ein zuständiges Sozialzentrum. Dort sind auch die Fachleute der Soziokultur erreichbar. Sie wissen von Treffpunkten, kennen die privaten, kirchlichen und nachbarschaftlichen Netzwerke und bieten auch Hilfe an, selbst solche Treffs zu gründen.

Mein Spitex-Betreuer sagt, er dürfe für mich nicht einkaufen. Stimmt das?
Markus Schwager, Spitex Zürich: Einkaufen ist zwar ein Bestandteil der hauswirtschaftlichen, betreuerischen Spitex-Leistungen, doch muss diese vom Arzt verordnet werden, wenn sie Teil des von der öffentlichen Hand mitfinanzierten Auftrages an die Spitex ist. Sollte es sich hier lediglich um einen Gefälligkeitsauftrag der Kundin an ihre Spitex-MA handeln, so ist dies kein offizieller Auftrag, der durch die Spitex erfüllt werden darf.

Die Spitex hat mich gebeten, meinen Arzt ihr gegenüber vom Amtsgeheimnis zu entbinden. Kann die dann all meine Gesundheitsprobleme ausplaudern?
Markus Schwager: Spitex-Mitarbeitende unterstehen ebenfalls der Schweigepflicht sowie dem Amtsgeheimnis.

Immer mehr geht nur noch übers Internet. Auch Migros, Coop, Post und selbst die ZKB drängen dazu, auf Onlinebanking umzusteigen. Das verunsichert und überfordert viele ältere Menschen.
Igor Moser von der ZKB: Die Zürcher Kantonalbank bietet die Möglichkeit an, dass Kunden direkt in der Filiale von Mitarbeitern im Hinblick auf den Umgang mit dem E-Banking unterstützt werden. Dadurch können allenfalls Vorbehalte gegenüber modernen Kommu­nikationsmitteln entschärft werden. Die ZKB betreibt immer noch ein dichtes ­Filialnetz im Kanton – und wird das auch in Zukunft tun.

Erstellt: 06.01.2015, 21:49 Uhr

Treffpunkte gesucht

Fremd im eigenen Land

Verschiedentlich haben ausländische Rentnerinnen und Rentner den Tagesanzeiger.ch/Newsnet nach Möglichkeiten gefragt, um sich gelegentlich mit Landsleuten auszutauschen. Die Pro Senectute des Kantons Zürich hat einige Treffpunkte zusammengetragen:


  • In der Stadt Zürich gibt es Kaffeetreffs speziell für ausländische AHV-Rentnerinnen und Rentner in den Alterszentren Dorflinde (Mo 14–18 Uhr) und Limmat (Fr 14–18 Uhr).

  • Für Rentnerinnen und Rentner mit italienischer Muttersprache gibt es die Treffpunkte der Missione Cattolica (in der Stadt Zürich, Feldstrasse 109, 8004, jeweils Di und Do von 14–18.30 Uhr). Weitere Treffpunkte gibt es in Wetzikon, Bülach, Dietikon, Uster, Winterthur, Horgen und Thalwil.

  • Spanierinnen und Spanier treffen sich im Quartiertreff Zentralstrasse 34 (Do, 14–18.30 Uhr) und in der Gruppo Esperanza im Gemeinschaftszentrum Oerlikon, Gubelstrasse 10 (Do, 15–18 Uhr).

  • Für Italiener und Spanier: Punto d’incontro, Josefstrasse 102, 1. Stock.


Weitere Angebote gibt es im ganzen Kantonsgebiet für Türkisch, Arabisch, Spanisch, Bosnisch, Kroatisch und Serbisch Sprechende. Auskunft: Heks-Altum,
Aida Kalamujic, Telefon: 044 360 89 62,
E-Mail: kalamujic@heks.ch. (net)

Artikel zum Thema

«Ich fühle mich wie ein abgehängter Wagen»

Ältere Menschen wünschen sich mehr Wertschätzung – und mehr Sitzbänke, längere Grünphasen, rücksichtsvollere Velofahrer, bezahlbare kleine Wohnungen. Mehr...

Zu entdecken: Die jungen Alten

Kommentar Die Lebenserwartung in der Schweiz steigt, und mit ihr entsteht eine neue Generation: Rüstige Rentner, die konkrete Wünsche an die Gesellschaft äussern. Mehr...

Was wünschen sich ältere Menschen?

Der Tagesanzeiger.ch/Newsnet möchte wissen, wo Seniorinnen und Senioren in Zürich der Schuh drückt. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Dank Hightech sicherer im Schnee unterwegs

Gewinnen Sie mit Bächli Bergsport und Mammut ein Lawinenverschütteten-Suchgerät der neusten Generation.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Russische Torte: Indische Konditoren legen letzte Hand an eine essbare Kopie der Moskauer Basilius-Kathedrale, die sie für die 45. Kuchenausstellung geschaffen. (12. Dezember 2019)
(Bild: Jagadeesh NV) Mehr...