Wie prominente Quereinsteiger Wahlen aufmischen

Das Topmodel Tamy Glauser kandidiert für die Zürcher Grünen. Das kann klappen – und Parteikollegen verärgern.

Kandidiert für die Grünen: Das Topmodel Tamy Glauser (links) zusammen mit ihrer Partnerin, Ex-Miss Schweiz Dominique Rinderknecht.

Kandidiert für die Grünen: Das Topmodel Tamy Glauser (links) zusammen mit ihrer Partnerin, Ex-Miss Schweiz Dominique Rinderknecht. Bild: Fabienne Andreoli

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Tamy Glauser zögert, schaut vom Reporter weg, schweigt kurz. «Ich habe mir das noch nicht überlegt», antwortet sie schliesslich auf die Frage, ob sie sich ins nationale Parlament wählen lassen möchte. Das Video-Interview fand während der «Nacht der langen Messer» vor der vergangenen Bundesratswahl im Berner Hotel Bellevue statt. Das international bekannte Topmodel war auf Einladung der Grünen vor Ort und sah sich den Politbetrieb einen Tag lang aus nächster Nähe an. In der Zwischenzeit hat es sich Glauser überlegt. Sie will für die Grünen im Herbst kandidieren, wie der «Blick» berichtet.

Die Wahlchancen für die politische Quereinsteigerin sind intakt, das zeigen einige Zürcher Beispiele aus der Vergangenheit, als landesweit bekannte Personen die Listen stürmten. Bei den Nationalratswahlen 2015 waren es gleich drei Prominente Zürcher Namen, die den Wahlkampf aufmischten: Köppel, Guldimann und Martullo-Blocher.

Promi-Trio schafft die Wahl

Der «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel ging für die SVP vom Listenplatz 17 (von 35) ins Rennen. Die schlechte Platzierung änderte aber nichts daran, dass am Wahlsonntag Köppel mit einem neuen Rekord gewählt wurde. 178'090 Stimmen erhielt er – so viele wie zuvor noch keine Nationalrätin, kein Nationalrat. Er landete auf Platz 1 bei der Zürcher SVP und liess alle Bisherigen hinter sich.

Haben sich durchgesetzt: Tim Guldimann (SP) und Roger Köppel (SVP) am ersten Tag der neuen Legislatur 2015. Bild: Keystone

Auch der ehemalige Botschafter und Sozialdemokrat Tim Guldimann überholte bisherige Nationalräte wie Martin Naef und Thomas Hardegger oder die lokale SP-Prominenz Min Li Marti und Priska Seiler Graf. Vom zehnten Listenplatz aus gestartet, landete er auf Rang 4 und schaffte die Wahl. Mittlerweile hat er aber, anders als Köppel, der für den Ständerat kandidiert, sein Amt als Nationalrat abgegeben.

Keine Listenplätze gutmachen musste Magdalena Martullo-Blocher. Sie startete aus der Poleposition. Die Meilemerin trat für die SVP Graubünden an und holte sich einen Sitz im Nationalrat.

Prominente dienen den Parteien oftmals als Aushängeschilder, die ihre Partei über die eigene Stammwählerschaft hinweg bekannt machen. Ganz gelegen kam da der Zürcher SVP der bekannte Milieuanwalt Valentin Landmann. Er kandidierte bei den diesjährigen Kantonsratswahlen erfolgreich und schaffte – trotz SVP-Debakel – die Wahl ins Kantonsparlament. Seine Nomination sorgte im Vorfeld der Wahlen für Unruhe. Es gab parteiinterne Diskussionen, in welchem Wahlkreis Landmann antreten soll. Am Schluss kandidierte er im Stadtzürcher Wahlkreis 7+8 – so wie ursprünglich geplant. Ob er auch für den Nationalrat kandidieren wird, ist noch unklar.

Bisherige müssen sich in Acht nehmen

Ein weiterer Zürcher Mann, der den Quereinstieg in die Politik suchte und schaffte, war der heutige FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger. Der frühere Journalist und Arena-Dompteur wechselte 2003 die Seiten, startete bei den Nationalratswahlen von Platz 7 aus ins Rennen und landete auf Platz 3 und zog für die Freisinnigen ins Parlament ein.

Prominente Quereinsteiger sind aber nicht nur Zugpferde, sie beinhalten auch parteiinternes Konfliktpotenzial. Nämlich dann, wenn verdiente, aber weniger bekannte Politikerinnen und Politiker, welche die ganze Ochsentour auf sich genommen haben, zurückstecken und eine Nicht- oder gar eine Abwahl fürchten müssen. Diese Angst ist nicht unbegründet, wie ein älteres Beispiel zeigt.

Auftritt im Nationalrat: Pfarrer Ernst Sieber während einer Debatte im Juli 1992. Bild: Keystone

1991 trat der parteilose Pfarrer Ernst Sieber für die EVP an. Dem damals schon berühmten Zürcher gelang die Wahl auf Anhieb. Er verdrängte dabei einen bisherigen EVP-Nationalrat, war aber gleichzeitig auch wesentlich an der Rettung des zweiten Sitzes beteiligt, wie die NZZ damals schrieb, was einen «zwiespältigen Eindruck» hinterlasse.

Im gleichen Jahr wie Pfarrer Sieber schaffte es auch Werner Vetterli für die SVP in den Nationalrat, der durch verschiedene Fernsehsendungen bekannt wurde. Auch ihm gelang es, seine ursprüngliche Listenplatzierung zu verbessern und den bisherigen Toni Bortoluzzi hinter sich zu lassen.

Entscheidung fällt am Dienstag

Und nun soll also Tamy Glauser im Wahlkampf 2019 der Grünen mitmischen. Glausers Kandidatur sichert den Grünen, die ohnehin im Aufwind sind, noch einmal zusätzliche Aufmerksamkeit. Die Chancen stehen gut, dass die Zürcher Grünen, die derzeit mit zwei Sitzen im Nationalrat vertreten sind, einen weiteren hinzugewinnen können.

Offenbar soll Glauser keinen Spitzenplatz auf der Liste erhalten, sich aber im vorderen Teil positionieren dürfen. Geht es nach dem Parteivorstand, gehen die vordersten Plätze an Katharina Prelicz-Huber, Marionna Schlatter, Bastien Girod (bisher), Balthasar Glättli (bisher), Anika Brunner und Meret Schneider. Das letzte Wort hat die Mitgliederversammlung am kommenden Dienstag. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.05.2019, 15:28 Uhr

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