Wieso Zürich Tiere besser schützt

Tierschützer loben: Zürich habe eine Vorreiterrolle in der Schweiz – aus zwei Gründen.

Spezielle Strukturen: Der Kanton Zürich hat beim Tierschutz eine Vorreiterrolle.

Spezielle Strukturen: Der Kanton Zürich hat beim Tierschutz eine Vorreiterrolle. Bild: Keystone

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Der Kanton Zürich hat gesamtschweizerisch eine Vorreiterrolle im Tierschutz. In kaum einem Kanton werden Verstösse gegen das Tierschutzgesetz so konsequent geahndet wie hier. Jüngstes Beispiel ist die Verurteilung eines Tierquälers. Das Bezirksgericht Dielsdorf hat am Mittwoch einen Katzenquäler zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Es beruft sich dabei auf den Artikel 26 des Tierschutzgesetzes. Dieser ahndet Tierquälerei mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren.

Stefanie Walther von der Stiftung Tier im Recht (TIR) bewertet das Urteil positiv: «Die Sanktion ist im Vergleich zur bisherigen Praxis eher hoch.» Die Strafe sei in Anbetracht des Strafrahmens und der Schwere der Vergehen aber angemessen. Walther: «Das Urteil ist ein klares Zeichen dafür, dass Tierquälereien konsequenter bestraft werden.»

Spezielle «Tierpolizei»

Dass der Beschuldigte nicht mit einer Geldstrafe oder Busse davonkam, ist kein Zufall. Denn Zürich gehört zu den Kantonen, welche den Tierschutz ernst nehmen. Wie schon seit Jahren verzeichnet der Kanton Zürich 2016 in absoluten Zahlen schweizweit mit 464 Fällen erneut die meisten Tierschutzstrafverfahren und auch relativ zu der Einwohnerzahl liegt Zürich im Schweizer Durchschnitt.

Die Vorreiterrolle von Zürich ist laut Stefanie Walther auf die speziellen Vollzugsstrukturen zur Umsetzung des Tierschutzrechts zurückzuführen: Zürich verfügt bei der Kantonspolizei über eine siebenköpfige Spezialabteilung für Tier- und Umweltdelikte. Weiter hat das kantonale Veterinäramt in Strafverfahren eine sogenannte Parteistellung. Es kann also gegen einen Entscheid das «Veto einlegen» und es an eine höhere Gerichtsinstanz weiterziehen.

Bilder: Fälle der Spezialabteilung der Kantonspolizei

Dieses Mittel ist für den Vollzug der Tierschutzgesetzgebung extrem wichtig, wie Walther sagt. «Es gibt immer wieder Fälle, die von den zuständigen Behörden eingestellt oder nicht einmal anhand genommen werden – teilweise zu Unrecht.» Hier könne das Veterinäramt intervenieren, die Stiftung für das Tier im Recht wäre dazu nicht legitimiert.

In der Vergangenheit hatte es im Kanton Zürich einen sogenannten Tieranwalt gegeben, der die Anliegen der geschädigten Tiere in Strafverfahren vertrat. Die Arbeit der 1992 geschaffenen Stelle war Anfang 2011 vom Veterinäramt übernommen worden. Gemäss der Stiftung für das Tier im Recht ist es dem Kanton Zürich trotz der aus Tierschutzsicht bedauerlichen Abschaffung des Amts des Zürcher Tieranwalts gelungen, das hohe Niveau zu halten.

Video: Grosseinsatz bei mutmasslichem Pferdequäler

Die Polizei hat den Hof des Pferdehändlers in Hefenhofen (TG) durchsucht. Video: sda (August 2017)

Auch im jüngsten Prozess vor dem Bezirksgericht Dielsdorf spielte das Veterinäramt eine wichtige Rolle. Die Anklageschrift basierte neben den Berichten der behandelnden Tierärzte auch auf einem Gutachten von Kantonstierärztin Regula Vogel. Sie war anhand des Aktenstudiums zum Schluss gekommen, dass den misshandelten Katzen absichtlich Gewalt zugefügt wurde. Eine Argumentation, welche vom Verteidiger zwar vehement bestritten wurde («kein wissenschaftliches Gutachten, Vogel hat einen schlechten Job gemacht»), vom Gericht aber akzeptiert wurde. Das Gericht kam wie Staatsanwalt und Veterinäramt zum Schluss, dass der Tod von sieben Katzen innert zweieinhalb Jahren im gleichen Haushalt kein Zufall sein könne. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.11.2017, 10:37 Uhr

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