«Wir haben aus den Fehlern gelernt»

Rolf Ronner organisiert zum zweiten Mal das Zürich Openair in Rümlang. Nach dem Defizit im Jahr 2010 rechnet er dieses Mal mit einer schwarzen Null.

«Es gibt dieses Jahr mehr Komfort, Liebe zu Details, Ambiente»: Rolf Ronner auf dem Festivalgelände.

«Es gibt dieses Jahr mehr Komfort, Liebe zu Details, Ambiente»: Rolf Ronner auf dem Festivalgelände. Bild: Dominique Meienberg

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Übermorgen beginnt das zweite Zürich Openair. Wie laufen die Vorbereitungen?
Im Grossen und Ganzen gut. Dank des schönen Wetters stimmt der Zeitplan.

In welchem Zustand befindet sich der Boden?
Die Wiese wächst, der Boden ist sehr fest. Aktuell befinden sich grosse Risse im Untergrund, normale Wassermengen würden also relativ gut abfliessen.

Und bei Dauerregen wie 2010?
Da haben wir vorgesorgt. Es gibt Bodensysteme aus Holz bei allen Zugängen, auf den Flächen vor den Bühnen und rund um die Essensstände und Bars. Insgesamt haben wir im Vergleich zu 2010 das Vierfache an Boden verlegt.

Am Samstag spielen Kraftwerk, da ist Ihnen ein Coup gelungen. Wie holten Sie die Band nach Zürich?
Wir hatten die Deutschen schon lange im Auge. Konkret wurde es, als die Band neue Tourdaten bekannt gab. Wir probierten es – und hatten Glück.

Sagte Kraftwerk sofort zu?
Nein, es gingen längere Verhandlungen voraus. Auch mussten wir einige technische Abklärungen machen wegen der komplexen 3-D-Show von Kraftwerk.

Wie viel bezahlen Sie der Gruppe?
Über Gagen rede ich nicht.

Ist es die teuerste Band am Open Air?
Nein.

Das Gurten-Festival und das Open Air St. Gallen waren früh ausverkauft. Für Zürich gibts noch Tickets. Sind Schweizer festivalmüde?
Die etablierten Festivals können auf ihr Stammpublikum zählen. Auch unser Vorverkauf läuft gut.

Wird das Open Air ausverkauft sein?
Die Chancen stehen sehr gut.

Die prominentesten Namen haben Sie. Weshalb zieht das nicht mehr?
Auch andere Festivals hatten gute Bands in diesem Jahr.

Also spielt die Musik gar nicht so eine grosse Rolle?
Für ein neues Festival ist ein attraktives Programm wichtiger als für eine fest verankerte Veranstaltung.

Zögern die Leute, weil vor zwei Jahren einiges schiefging in Zürich?
Das ist durchaus möglich. In der Schweiz haben wir einen sehr hohen Qualitätsanspruch. Das Gelände kann man nicht mit 2010 vergleichen. Es gibt mehr Komfort, Liebe zu Details, Ambiente. Zum Beispiel sind neu sämtliche 180 Toiletten mit einer Wasserspülung ausgerüstet.

Andere fangen klein an, Sie gross. Haben Sie die Aufgabe unterschätzt?
Gewisse Dinge schon, der Start war harzig. Wir haben aus den Fehlern gelernt.

Konnten Sie genügend Helfer für alle Bars rekrutieren?
Nur in ein paar Schichten gibts noch den einen oder anderen Engpass.

Wie hoch ist Ihr Budget?
Wie gesagt, über Zahlen rede ich nicht.

Im Vergleich mit anderen Festivals haben Sie nur wenig Sponsoren.
Das ist richtig.

Weshalb gelingt es Ihnen nicht, mehr Geldgeber zu finden?
So ein Grossprojekt kann man nicht von null auf hundert stemmen. Beim Sponsoring verzichten wir bewusst auf gewisse Sachen, die uns mehr Logos auf dem Plakat beschert hätten. Sampling-Aktionen etwa wollen wir nicht, das verursacht nur Müll. Ich bin zuversichtlich, dass 2013 massiv mehr Sponsoren an Bord sein werden.

Sie werden wieder mit einem Defizit abschliessen.
Nein, ich bin zuversichtlich, dass es am Ende eine schwarze Null sein wird.

Andere Festivals rutschen in die roten Zahlen, wenn sie nicht ausverkauft sind.
Niemand würde das Risiko auf sich nehmen, wenn Gewinne nur im absoluten Idealfall erzielt werden könnten.

Was motiviert Sie?
Es ist faszinierend und spannend, eine grosse Herausforderung. Nach Monaten der Planung ist es ein tolles Gefühl, wenn es losgeht und alles funktioniert.

Sie kommen aus einer vermögenden Familie. Weshalb gefallen Sie sich nicht in der Rolle als Mäzen?
Das ist Blödsinn.

Sie haben Möglichkeiten, die andere nicht haben.
Darum geht es nicht. In fünf Jahren will ich zurückschauen und sagen, dass wir ein erfolgreiches Zürich Openair auf die Beine gestellt haben, das betriebswirtschaftlich Sinn macht.

Gibt es auch 2013 ein Open Air?
Dazu sage ich heute nichts. Aber wir planen ganz klar langfristig.

Erstellt: 21.08.2012, 07:40 Uhr

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Programm und Infos: www.zuerichopenair.ch

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