Wir leben Deutschland

Früher schimpften die Schweizer nur über die deutsche Elf. Nun streifen sie sich ihr Trikot über.

Deutscher Jubel ist ansteckend: Hier feiern Fans den Sieg ihrer Mannschaft gegen Argentinien am Züri-Fäscht.

Deutscher Jubel ist ansteckend: Hier feiern Fans den Sieg ihrer Mannschaft gegen Argentinien am Züri-Fäscht. Bild: Keystone

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Italien? Der Weltmeister von 2006 liegt weit unter den Erwartungen. Frankreich? Ein Ladenhüter. Umso begehrter sind derzeit die WM-Trikots der deutschen Fussballnationalmannschaft. «Wir verkaufen vier- bis fünfmal mehr Shirts als 2006», sagt Steve Schennach von Ochsner Sport.

Das Erstaunliche daran: Die Deutschen selbst haben sich längst mit Fanartikeln eingedeckt. Jetzt sind es Schweizerinnen und Schweizer, welche die Farben des früher verhassten Nachbarn tragen. «Deutschland läuft besser als Spanien. Das habe ich noch nie erlebt», sagt Einkäufer Heinz Meyer vom Fussball-Corner Oechslin. Er musste schon dreimal nachbestellen. Schennach hat eine einfache Erklärung für den Boom: «Die neutralen Schweizer lieben mutiges, offensives Spiel. Scheidet ihre Nati aus, schliessen sie die Mannschaft in ihr Herz, die den schönsten Fussball spielt. Früher waren das Brasilien oder Argentinien, jetzt ist es Deutschland.»

Schwarzes Trikot restlos ausverkauft

Restlos ausverkauft sind die schwarzen Auswärtstrikots, in denen Müller und Co. Argentinien abfertigten – und dabei auch modisch überzeugten. Weitere Engpässe drohen, weil der deutsche Ausrüster erst die Nachfrage im fussballverrückten Heimmarkt stillt. Die Sportfachgeschäfte mussten schon im vergangenen August ihre WM-Bestände ordern – und haben sich ziemlich verspekuliert.

Ochsner Sport etwa war zuversichtlich, dass es neben Spanien sicher auch Italien, Brasilien und Portugal in die Halbfinals der Fussball-WM schaffen. Jetzt stösst der Marktführer die Überbestände ab. Die Fanartikel aller ausgeschiedenen Teams sind zum halben Preis erhältlich.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.07.2010, 22:44 Uhr

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Als Germanin hatte sie nie Schwierigkeiten mit den Helvetiern. Ausser wenn die deutsche Elf spielte. Gegen wen diese auch antrat, ob gegen England, Russland oder Nordkorea – immer halfen die Schweizer den anderen. Doch plötzlich wurde Deutschenhass provinziell. Beim Spiel gegen Argentinien trat sie nach jedem Treffer ans Fenster und tat dem Quartier die Sensation kund. Sie rief aber nicht deutschstämmig Tor, Tor, sondern schön assimiliert Goal, Goal, Goal! (jr)

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