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Wo Trump auch Zürich in den Ausnahmezustand versetzt

Während des WEF geht es auch in Zürich hoch her: volle Hotels, aufgestockte Polizei und Anti-WEF-Demonstrationen.

Bei der Demo «Züri gäge WEF» ging es 2018 heiss zu und her. Dieses Jahr solls friedlich bleiben. Die Polizei steht trotzdem bereit. Foto: Samuel Schalch

Bei der Demo «Züri gäge WEF» ging es 2018 heiss zu und her. Dieses Jahr solls friedlich bleiben. Die Polizei steht trotzdem bereit. Foto: Samuel Schalch

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Am Dienstag startet in Davos das Weltwirtschaftsforum. Auch Zürich bekommt das zu spüren. Am Flughafen kommen alle Staatsgäste an, bevor sie nach Davos weiterreisen. Und das ist noch lange nicht alles.

Übernachtet Donald Trump in Zürich?
Die US-Regierung hat vorsichtshalber Zimmer in drei Hotels reserviert: im Sheraton (für die White House Communications Agency), im Mövenpick-Flug­hafen-Hotel für den Secret Service und im Marriot für den ­Potus, also für Trump selbst. Ob die Delegation dort tatsächlich unterkommt, ist jedoch streng geheim, und die Hotels sind zu Stillschweigen verpflichtet. Es ist zudem wahrscheinlich, dass Donald Trump am Dienstag direkt vom Flughafen Zürich per Helikopter nach Davos weiterfliegt, ohne die Stadt zu betreten. Helikopter des Präsidenten kamen bereits gestern am Flugplatz Dübendorf an.

Gibt es einen Ansturm auf Zürcher Hotels?
«Das WEF hat sicher eine positive Auswirkung auf die Hotels in der Region», erklärt Martin von Moos, Präsident des Hotelierverbands. «Es sind aber vor allem internationale Hotelketten, die davon profitieren. Und die Flughafenhotels.» Während die ­hohen Gäste weiter nach Davos reisen, wird ein Teil des Anhangs in ­Zürich bleiben. Flugpersonal zum Beispiel. Der grösste Faktor – kaum verwunderlich – ist Trump. «Vor zwei Jahren war ein ziemlicher Ansturm, da waren viele Hotels sehr stark gebucht», erinnert sich von Moos. Die Zusage Trumps habe noch einmal deutlich Interessenten nach Zürich gelockt. Alles in allem ist das WEF für die Hoteliers erfreulich, fällt es doch in den eher schwachen Monat Januar.

Kommt Greta Thunberg auch nach Zürich?
Ein heiss erwarteter Gast ist dieses Jahr wieder Greta Thunberg. Vergangenes Jahr machte sie nur sehr kurz am Hauptbahnhof Zürich halt, bevor sie nach Davos weiterfuhr. Auch dieses Jahr wird sie in Zürich nicht öffentlich in Erscheinung treten, lässt ihr Team wissen. Am 17. Januar nimmt Thunberg noch an einem grossen Streik in Lausanne teil, bei der Protestwanderung vom 19. bis 22. Januar wird sie nach Berichten von CH Media nicht dabei sein. Sollte sie wie üblich per Bahn reisen, wird sie also zumindest auf dem Weg von Lausanne nach Davos im Hauptbahnhof Zürich umsteigen. In Zürich sind während des WEF keine Aktionen der Klimastreikjugend geplant.

Was kommt auf die Zürcher Polizei zu?
Wie jedes Jahr schicken Polizeidienststellen aus der ganzen Schweiz Kräfte nach Davos. Von der Stadtpolizei Zürich sind über 300 Leute speziell fürs WEF eingeplant. «Ein Teil in Davos», sagt Sprecherin Judith Hödl. Vor Ort helfen sie bei der Sicherheit mit, stellen Verkehrspolizisten, fliegende Einsatzleiter und Forensiker. Auch Hundeführer aus ­Zürich werden dabei sein, der Ordnungsdienst für Demonstrationen, Grenadiere für grössere Einsätze und Interventionseinheiten für den Personenschutz.

Wie viel die Kantonspolizei Zürich schickt, ist noch nicht klar. «Es kommt auf die Gäste drauf an und was für Schutz sie brauchen», sagt Sprecher Florian Frei. Jedoch soll es ähnlich ablaufen wie in den vergangenen Jahren. 2018, als Trump zuletzt kam, waren an den Spitzentagen 400 Zürcher Kantonspolizisten fürs WEF im Einsatz, davon rund ein Fünftel in Davos. Der Grossteil blieb in Zürich und kümmerte sich um den Flughafenbereich und die Absicherung der Konvois bis zur Kantonsgrenze. Dabei lassen sie sich von der Sicherheits-Armada rund um Trump nicht reinreden. «Bestimmen tun grundsätzlich wir. Die Hoheit ist bei uns», sagt Frei.

Was macht die Anti-WEF-Bewegung?
Vor Beginn des WEF organisiert die Bewegung für Sozialismus wie seit vielen Jahren wieder die Gegenveranstaltung «Das ­andere Davos». Bei der zweitägigen Konferenz am 17. Und 18. Januar im Volkshaus Zürich feiern die Teilnehmenden dieses Jahr selbst ein Jubiläum: «20 Jahre Widerstand gegen die kapitalistische Globalisierung». Die Referenten der Konferenz kommen aus der ganzen Welt. Unter ihnen Bolsonaro-Gegner, feministische Aktivistinnen und ein Agrarwissenschaftler. Sie sprechen auf zwei Plenen und in zahlreichen Workshops.

Wie verläuft die grosse Demo gegen das WEF?
Am 22. Januar organisiert ein Bündnis aus Jusos und Jungen Grünen auf dem Helvetiaplatz von 18 bis 22 Uhr die Demon­stration «Züri gäge WEF». Die Idee: «Gemeinsam wollen wir unsere Kämpfe verbinden und ge­meinsam gegen das WEF protestieren.» Schon vergangenes Jahr war eine unbewilligte Demo unter demselben Namen zur selben Uhrzeit am Helvetiaplatz gestartet. Damals aber noch nicht unter der Leitung von Juso und Grünen. 2019 war ein gewaltiges Polizeiaufgebot vor Ort, ­inklusive Wasserwerfern. Unter den De­monstranten waren ­Vermummte mit Pyrotechnik. Die Demo dieses Jahr habe damit gar nichts zu tun, so Juso-Sprecher Nathan Donno. Es solle «familienfreundlich» ablaufen, friedlich für Linke, Klima- und Frauenstreikende. Nach Bewilligung der Demo wurde das WEF-Polizeikontingent der Stadtpolizei Zürich für Donnerstag dennoch um 100 Einsatzkräfte erhöht.

Erstellt: 16.01.2020, 22:05 Uhr

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