Wo der Lottogewinner Steuern in Millionenhöhe spart

Knackt ein Zürcher den Rekordjackpot, muss er bis zu 40 Prozent davon an den Staat abliefern. Ein Umzug würde ihn davor bewahren – aber nur, wenn er eine entscheidende Regel beachtet.


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Klar, erst muss mal jemand diesen Jackpot knacken, der zurzeit mit der Rekordsumme von 47,8 Millionen Franken gefüllt ist. Doch obwohl die Chance auf den Volltreffer nur 1 zu 31 Millionen beträgt, ist die Ziehung am Samstagabend insbesondere für die Steuersekretäre und Finanzvorsteher der Zürcher Gemeinden ein prickelndes Ereignis. Denn wenn andere gewinnen, gewinnen sie mit – und das nicht zu knapp.

Fast jedes dritte Los der Schweiz wird im Kanton Zürich gekauft, das lässt sich aufgrund der Verteilung der Lotteriegelder errechnen. Dafür sind zwar auch die vielen Pendler mitverantwortlich, die hier an den Kiosk gehen, und doch heisst das: Falls wirklich einer den Jackpot leert, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass es ein Zürcher ist.

Ein Rüschliker zahlt 3 Millionen weniger

Das zeigt auch die Landeskarte der Lottomillionäre, die die Lotteriegesellschaft Swisslos führt. Jeder Glückspilz ist darauf mit einem vierblättrigen Kleeblatt markiert. Das Ergebnis sieht aus, als wäre die Schweiz eine Dartscheibe – und das Glück ein Dartspieler, der konsequent auf den Zürichsee zielt.

Sollte sich diese Tendenz am Samstag bestätigen, heisst das: Vom Rekordjackpot fliessen bis zu 40 Prozent über die Einkommenssteuer in die Staatskasse. Denn sogar in der steuergünstigsten Zürcher Gemeinde, Rüschlikon, müsste der Gewinner 16,2 Millionen Franken an Bundes-, Staats- und Gemeindesteuern entrichten. In solchen mit dem Maximalsteuerfuss wären es sogar 19,3 Millionen.

Die Crux mit dem Stichtag beim Umzug

Für jene Zürcher Lottospieler, die überzeugt sind, den Jackpot zu knacken, sind solche Aussichten womöglich ein Grund, sich nach einem neuen, steuergünstigeren Zuhause umzusehen. Dabei gilt es aber eine wichtige Regel zu beachten, auf die Steuerrechtsexperten hinweisen: Wer innerhalb des Kantons den Wohnort wechselt, spart dadurch nicht einen einzigen Franken. Man müsste wenn schon den Kanton wechseln.

Bei Umzügen von einer Zürcher Gemeinde in eine andere ist fürs Steueramt nämlich ausschlaggebend, wo man am 1. Januar jenes Jahres gelebt hat, in dem man seinen Gewinn gemacht hat. Bei Umzügen in einen anderen Kanton hingegen kommt es auf den Wohnort am 31. Dezember an.

Fluchtpunkt Wollerau

Deshalb heisst das gelobte Land für designierte Zürcher Lotto-Millionäre mit Fluchtgedanken nicht Rüschlikon, Küsnacht oder Herrliberg, sondern Wollerau im Kanton Schwyz, nur wenige Kilometer weiter am Oberen Zürichsee gelegen. Mit einem Umzug dorthin könnte ein Jackpotgewinner aus Winterthur fast 7 Millionen Franken Steuern sparen – dafür kann man sich am neuen Wohnort ein 325-Quadratmeter-Penthouse mit Pool und Seesicht leisten. Noch besser kommt weg, wer dem Zürichsee den Rücken kehrt und nach Zug übersiedelt. Dann bleiben am Ende des Jahres 8,4 Millionen mehr auf dem Konto.

Das sind keine blossen Gedankenspielereien: Laut Swisslos gab es vor ein paar Jahren einmal einen Euro-Millions-Gewinner, der einen Treffer im Wert von über 80 Millionen Franken landete. Der Mann, gemäss Medienberichten ein Zürcher, zog noch im gleichen Jahr nach Wollerau. Seine Steuerersparnis: 14 Millionen.

Genug, um die ganze Gemeinde zu finanzieren

Umgekehrt dürfte manche Zürcher Gemeinde hoffen, dass ihr ein allfälliger Glückspilz die Treue halten würde. Das kleine Schlatt im Zürcher Oberland etwa könnte mit dem Steuerertrag von 7,6 Millionen Franken seinen gesamten Finanzaufwand für ein Jahr decken, und hätte immer noch 2,5 Millionen übrig, um ein Dorffest von rauschender Dekadenz zu veranstalten – den absehbaren Ärger mit dem Finanzausgleich einmal ausgeblendet: Jeder der 733 Einwohner könnte dabei ein halbes Kilogramm edelsten Beluga-Kaviar verdrücken und diesen mit 7 Flaschen Dom Pérignon hinunterspülen.

In einer Stadt wie Zürich wäre das hingegen nicht eine ganz so grosse Geschichte. Ihr Anteil am Steuerjackpot, gute 7 Millionen Franken, würde gerade mal reichen, um 16 der edel schimmernden Züri-WCs aufzustellen, wie am Stadthausquai eines geplant ist. Und das gebeutelte Winterthur könnte damit nur ein halbes Prozent seines Schuldenbergs von 1,4 Milliarden tilgen.

Erstellt: 22.08.2014, 11:53 Uhr

Jeder dritte Lottoschein wird im Kanton Zürich gekauft: Aushang an einem Kiosk. Foto: Jvo Cukas

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