Wo die Steuern sinken

Fast jede zweite Gemeinde im Kanton Zürich kann dieses Jahr die Steuern senken, manche gar massiv.

Steuerfüsse 2012 in den Zürcher Gemeinden.

Steuerfüsse 2012 in den Zürcher Gemeinden. Bild: TA-Grafik / Quelle: Statistisches Amt des Kantons Zürich

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Der Kanton Zürich, so könnte man meinen, habe soeben eine Einwanderungswelle von Multimillionären erlebt. Die kleine Gemeinde Dinhard bei Winterthur kann ihren Steuerfuss gleich um 18 respektiv 14 Prozentpunkte senken, Freienstein-Teufen um 13 Prozentpunkte, Seuzach ebenfalls. Fast jede zweite Gemeinde reduziert dieses Jahr die Steuerlast, wenn auch nicht jede in dem Ausmass wie Dinhard.

Die Bilanz des Steuerjahrs 2012: 9 Gemeinden erhöhen den Steuerfuss, 81 belassen ihn, und 78 können ihn senken – so viele wie kaum je zuvor. In drei Gemeinden schliesslich – Adlikon, Truttikon und Zollikon – ist der Steuerfuss noch nicht festgesetzt, weil das Budget zurückgewiesen wurde.

Ein Multimillionär beeinflusste die Steuern

Grund für die sinkenden Steuerfüsse sind aber nicht immigrierte Millionäre, sondern ganz unspektakulär der neue Finanzausgleich des Kantons Zürich, der auf den 1. Januar in Kraft getreten ist. Viele Gemeinden, die jetzt den Steuerfuss senken, hätten dies gerne schon früher getan, verzichteten jedoch, weil sie kein Geld mehr aus dem Steuerkraftausgleich erhalten hätten – schliesslich ging es um Millionen. Nun, da dieser durch andere Mechanismen ersetzt worden ist, holen sie dies nach. Es sind vor allem kleine und mittlere Gemeinden im Zürcher Oberland und um Winterthur, die die Steuern dank des Finanzausgleichs nun senken können.

Es gibt allerdings einen Multimillionär, der dieses Jahr die Steuern beeinflusste. Ivan Glasenberg, CEO des Rohstoffhändlers Glencore, hatte sein Unternehmen im Frühling an die Börse gebracht und war richtiggehend von Geld überschwemmt worden. Und da neben ihm noch weitere Manager von Glencore in Rüschlikon wohnen, schenkte der Börsengang auch bei der Gemeinde ein; sie konnte den Steuerfuss gleich um 7 Prozentpunkte auf 72 Prozent senken und verfügt nun über den tiefsten Steuerfuss im Kanton. Die Gemeinde Neerach, die bisher den Spitzenplatz innehatte, musste den ihren wegen des Finanzausgleichs auf 76 Prozent erhöhen.

Tiefe Steuerfüsse sinken kaum

Nur gerade neun Gemeinden erhöhen sicher den Steuerfuss. Laut Heinz Montanari, Leiter der Abteilung Gemeindefinanzen beim Kanton, müssen dies nur die wenigsten wegen des Finanzausgleichs tun, denn der Kanton finanziert einen grossen Teil davon und steckt mehr Geld hinein; er holt von den Gemeinden 660 Millionen und verteilt selber rund eine Milliarde Franken. So gleichen sich die Steuerfüsse wie beabsichtigt etwas an – die hohen sinken, und die tiefen sinken nicht noch weiter.

Auch das Spitalplanungs und -finanzierungsgesetz des Kantons sollte die Gemeinden eigentlich entlasten. Diese senken deswegen die Steuern aber nur sehr zögerlich; sie können zurzeit erst schwer abschätzen, wie sich das Gesetz finanziell auf sie auswirken wird.

Der «Club der unter 100» – der Gemeinden, die einen Steuerfuss unter 100 Prozent erheben – wächst so weiter. Und verliert an Exklusivität. Nicht nur noble Goldküstengemeinden oder solche im Pilotengürtel um den Flughafen sind nun darin vertreten, sondern auch einfache Dörfer wie Dinhard oder Freienstein-Teufen. Hinausgefallen ist keine. Selbst wenn Zollikon, wie es diskutiert wird, den Steuerfuss erhöhen sollte, bleibt die Gemeinde drin. Die Goldküste glänzt also weiter.

Erstellt: 19.01.2012, 11:19 Uhr

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Gemeindesteuersätze 2012

siehe Tabelle am Ende des Artikels.

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