Wüste Szenen in der Hunde-Republik auf der Allmend

Im grössten Naherholungsgebiet von Zürich-Süd kommt es täglich zu groben Auseinandersetzungen zwischen Menschen mit Hund und Menschen ohne Hund. Eine Lösung ist seit Jahren blockiert.

Die Idylle trügt: Zürichs grösste Hundewiese wird von verschiedensten Nutzern beansprucht, was dauernd zu Reibereien führt.

Die Idylle trügt: Zürichs grösste Hundewiese wird von verschiedensten Nutzern beansprucht, was dauernd zu Reibereien führt. Bild: Sophie Stieger

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Quartierbewohner Dominic Dillier sitzt mit einem befreundeten Vater und drei Kindern beim Bräteln auf der Allmend Brunau. Auf der eingezäunten Wiese, auf der auch Menschen ohne Hund die Vorzüge des Zürcher Naherholungsgebietes geniessen können. Ohne Angst, auf eine stinkende Hinterlassenschaft eines Vierbeiners zu treten oder seinen Cervelat vor aufdringlichen Hundenasen beschützen zu müssen.

In diese Idylle platzt plötzlich ein grosser Hund, der die kleinen Kinder in Angst und Schrecken versetzt – und den Vater in Rage. Weil es nun schon bereits das dritte Mal passiert. Der Besitzer des Vierbeiners ist weit und breit nicht auszumachen. Nur Schimpftöne dringen vom Kiosk ennet dem Zaun hinüber in die hundefreie Zone. «Wir sind jeden Tag da», schreien die Hündeler, «und ihr kommt mit euren blöden Goofen nur, wenn es schön ist.»

Solidarität unter Hündelern

Solche und andere wüste Szenen kommen auf der Allmend Brunau immer wieder vor. «Hier geht es manchmal zu und her wie im Wilden Westen», weiss Hundehalterin Verena H., die oft mit ihrem Hund auf der Allmend spaziert. Ihren Namen will sie nicht in der Zeitung sehen. «Auf der Allmend scheint der Hund der König, Menschen ohne Hund haben hier nicht viel zu sagen», kritisiert sie ihre eigenen Interessenvertreter. Gibts Differenzen mit Leuten ohne Hund, könne man sich auf die uneingeschränkte Solidarität unter den Hündelern verlassen. Als ihr eigener Vierbeiner vor kurzem einem Velofahrer in die Quere kam, stürzte dieser und schürfte sich die Knie auf. «Einen Augenblick später waren fünf Leute mit Hunden neben mir und setzten dem verletzten Mann mit Kraftausdrücken zu», erzählt sie.

Bei Grün Stadt Zürich kennt man das Konfliktpotenzial auf Zürichs grösster Hundewiese. «Es herrscht manchmal ein aggressives Klima», bestätigen Mediensprecher Lukas Handschin und Biologe Max Ruckstuhl unisono. Hündeler, Velofahrer, Jogger, «alle reklamieren ihren Platz und reagieren gereizt». Das eine Wort gebe das andere, man müsste Psychologe sein, um da keine Fehler zu machen. «Der gegenseitige Respekt fehlt zuweilen», sagt Lukas Handschin.

Trotzdem will er nicht alle Hündeler über einen Leisten schlagen. Familien mit Hunden seien unproblematisch. «Früher war das die Mehrheit, heute ist es umgekehrt.» Für einige auf der Allmend sei es schon eine Provokation, wenn in der hundefreien Zone nur gerade ein älteres Ehepaar sitze. Dennoch setzt Grün Stadt Zürich auf «eine positive Einstellung» den Hündelern gegenüber: «Wir versuchen bei den Hundebesitzern Verständnis für andere Nutzer zu wecken.»

Sihl soll künftig Trennlinie sein

Besserung erhofft sich Grün Stadt Zürich, wenn dereinst der «Hündeler-Kiosk» auf die andere Sihlseite verlegt wird und so der Fluss die Grenze markiert: links die Menschen mit Hund, rechts jene ohne. Seit 2006 verhindern Rekurse des städtischen Heimatschutzes, eine klare Trennung zu verwirklichen. Diese Zone, als Spiel- und Naturwiese gestaltet, soll nach den Plänen der Stadt künftig bis ans Sihlufer reichen. Vorgesehen ist, die Wehre abbrechen zu lassen, womit sich das Gefälle der Sihl reduziert. Dadurch erhielte der Fluss ein doppelt so breites Flussbett mit naturnah gestalteten Uferpartien.

Dieses Vorhaben hat den städtischen Heimatschutz auf den Plan gerufen. Seine Beschwerde richtet sich gegen den Abbruch der alten Wehre, die Entfernung der Militärbrücke und der Militärküche beim Restaurant Fork and Bottle (ehemals Casa Bonita/Kantine) sowie gegen das Fällen der Kastanien auf der Allee an der Gfellstrasse. Bis wann der Rekurs behandelt sein wird, ist ungewiss. Solange die Beschwerde hängig ist, schützt ein 1,3 Meter hoher Zaun die Menschen auf der hundefreien Wiese vor dem Eindringen von Vierbeinern. Es kommt aber immer wieder vor, dass sich Hunde trotz Verbot und Zaun auf der Wiese aufhalten.

«Die Fronten aufweichen»

Hoffnung, dass sich die Situation entschärft, setzt Grün Stadt Zürich auch auf den kommenden Herbst. Dann wird der Skatepark am Rande der Allmend bei der Saalsporthalle eröffnet. Und wenn später noch eine Bikeranlage beim Einkaufszentrum Sihlcity entsteht, werde sich das Publikum noch stärker durchmischen, ist Grün Stadt Zürich überzeugt: «Eine Möglichkeit, die Fronten aufzuweichen.»

Aggressionen unter den verschiedenen Nutzern des Erholungsraumes ist das eine, die Masse an Hundekot das andere. «Ich habe noch selten jemanden gesehen, der in der grossen Wiese den Kot seines Hundes mit dem roten Säckli aufgenommen hat», behauptet eine junge Mutter, «das ist frech und gruusig.» Dies, obwohl Aufnahmepflicht gilt. Regeln hin oder her: Das Problem mit den hündischen Hinterlassenschaften wird Zürich auf der Brunau wohl nie ganz in den Griff bekommen. Wohin damit? «Wir lassen alles liegen», sagt Lukas Handschin von Grün Stadt Zürich.

Wie viele Hunde sich auf der Allmend tummeln, ist statistisch nicht erfasst. Es sind viele. Nicht selten spucken Geländewagen mit Zuger, Basler oder Aargauer Nummernschildern ganze Rudel von Hunden aus. Dafür findet Quartierbewohner Dominic Dillier nur ein Wort: «Hundetourismus».

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.05.2012, 07:21 Uhr

Benimmregeln

«Was gilt wo?»

Um die Bedürfnisse der verschiedenen Nutzer auf der Allmend Brunau aneinander vorbeizubringen, hat Grün Stadt Zürich klare Regeln erarbeitet.

Hundefreie Zone
In der hundefreien Zone dürfen Hunde weder frei herumlaufen, hineingetragen noch an der Leine spazieren geführt werden. Auch bei den Picknickplätzen sind Hunde nicht erlaubt – auch angeleint oder angebunden nicht.

Hundefreilaufzone
Hunde können sich frei bewegen. Es gilt jedoch auch in diesen Gebieten die allgemeine Sorgfaltspflicht. Velofahrer, Jogger, Spaziergänger oder anderweitig Erholungssuchende sollen unbelästigt bleiben. Andererseits gilt für Nicht-Hundehalter eine allgemeine Toleranz gegenüber freilaufenden Hunden. Provokatives Verhalten soll allseitig vermieden werden. Bei Bedarf sollen Hundehalter ihre Tiere zu sich rufen.

Hundekot aufnehmen
In der ganzen Allmend Brunau gilt Aufnahmepflicht für Hundekot. Das Wegwerfen und Liegenlassen der Kot-Säcklein ist überall verboten. Sie können in den normalen Abfallbehältern entsorgt werden.

Naturschutzzone
Pflanzen dürfen weder gepflückt noch ausgebracht werden. Auch Naturbeobachtungen haben ausschliesslich von den Wegen aus zu erfolgen. Es gilt ein generelles Betretungsverbot, auch Hunde haben da keinen Zugang.

Wegen Beschwerden aus dem Quartier über Querelen und aggressives Verhalten auf der Allmend Brunau engagierte Grün Stadt Zürich nach der Einweihung der hundefreien Zone im Mai 2011 Ranger (Parkwächter). Die private Firma, die diese Ranger beschäftigte, gibt es mittlerweile nicht mehr. Seit Anfang April patrouilliert darum neu die SIP Züri (Sicherheit, Intervention, Prävention). Sie hat die Aufgabe, mögliche Konflikte unter den verschiedensten Nutzern im Naherholungsgebiet zu schlichten. (roc)

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