ZVV: «Zugbegleiter machen ihren Job nicht mehr seriös»

Trotz gestiegener Passagierzahlen wurden im ersten Halbjahr 2010 deutlich weniger Nachtzuschläge gelöst als im Vorjahr. Der ZVV sieht die Schuld bei den Zugbegleitern.

Schwarzfahren ist leichter als auch schon: Nachtzug auf dem S-Bahn-Netz.

Schwarzfahren ist leichter als auch schon: Nachtzug auf dem S-Bahn-Netz. Bild: Keystone

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An den Frequenzen kanns nicht liegen: Im ersten Halbjahr 2010 ist die Zahl der Passagiere, die auf dem Nachtnetz des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) unterwegs sind, weiter gestiegen. Dennoch sind deutlich weniger Nachtzuschläge verkauft worden.

ZVV-Sprecherin Beatrice Henes spricht gegenüber «20 Minuten» von «mehreren Hunderttausend Franken» tieferen Einnahmen gegenüber der Vorjahresperiode. Die Ausfälle sind beträchtlich: In der ersten Hälfte des Jahres 2009 brachte das ZVV-Nachtnetz rund 3 Millionen Franken ein, wie Henes auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch konkretisiert. In diesem Jahr gingen die Einnahmen jedoch um fast 500'000 Franken, auf 2,5 Millionen zurück.

«Wenn die Mindereinnahmen Ende Jahr gegen eine Million gehen, dann können wir das nicht einfach so wegstecken», sagt Henes. Ein Angebotsabbau stehe derzeit nicht zur Diskussion, für den ZVV bestehe nun aber «akuter Handlungsbedarf» bei den Kontrollen. Neuste Zahlen zeigten ganz klar, dass die Kontrollintensität im Nachtnetz nachgelassen habe.

Kritik an Zugbegleitern

Haben die Zugbegleiter kapituliert? Das Personal wolle einerseits die Nachtzuschläge abschaffen, andererseits würden weniger Passagiere kontrolliert, sagt Henes. «Deshalb müssen wir davon ausgehen, dass gewisse Mitarbeiter ihren Job nicht mehr seriös machen.» Der ZVV hat die SBB, bei der die Zugbegleiter angestellt sind, auf das Problem hingewiesen. Erwartet wird nun, dass die Bahn intern dafür sorgt, dass die Kontrolleure auch kontrollieren.

Eine Verbesserung erhofft sich der Verkehrsverbund ausgerechnet von einem neuen Sicherheitskonzept, das bei den Zugbegleitern auf heftige Gegenwehr stösst. Neu sollen Züge ab 21 Uhr nicht mehr flächendeckend begleitet werden, wohl aber die Nachtzüge. «Wir werden vermehrt Schwerpunktkontrollen machen», kündigt ZVV-Sprecherin Henes an. Diese von den Passagieren weniger leicht durchschaubaren Stichproben sollen für eine tiefere Schwarzfahrerquote sorgen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.10.2010, 08:50 Uhr

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