Zehn Dinge, die Gärtner jetzt tun sollten

Die strahlenden Frühlingstage locken zur Gartenarbeit. Wers jetzt richtig macht, kann sein Beet ohne Gift vor Schnecken schützen. Aber Vorsicht: Pflanzen können auch verhätschelt werden. Die Tipps des Gartenprofis.

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1. Boden lockern: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um den Boden für die kommende Gartensaison zu bearbeiten. Gärtner Hans Grob rät dazu, die Erde für das Einsetzen der Pflanzen erst zu lockern und dann mit Kräueln zu verfeinern. Das gilt auch für Hochbeete. «Pflanzen brauchen einen lockeren Boden, wenn sie in die Erde gebracht werden», sagt der Gartenspezialist. Dabei darf der Boden nicht nass sein. «Eine Faustregel besagt, dass bei dieser Arbeit keine Erde am Gerät kleben sollte.» Idealerweise nutzt man dafür die sogenannte Biograbgabel. Sie ist etwa 50 cm breit und hat fünf dicke Zinken. «Damit kann man besonders effizient arbeiten», so Grob.

2. Samen säen: Einige Samen kann man bereits jetzt direkt in den Boden oder ins Hochbeet setzen. Dazu gehören Karotten, Radieschen und auch einige Salatsorten. «Bei diesen nicht besonders empfindlichen Gemüsesorten ist das Säen in dieser Jahreszeit möglich. Die gegenwärtige Wetterlage ist sogar geradezu ideal», sagt Grob. Auch im geschützten Bereich wie der Wohnung oder draussen in einem Triebkasten mit Fenstern, der belüftet werden kann, lassen sich jetzt Pflanzen ansäen.

3. Kompost jetzt ausbringen: Ein bis drei Liter Kompost pro Quadratmeter reichen als Grundnährstoff für ein ganzes Jahr. Der Kompost kann nach der Lockerungsarbeit auf den Boden verteilt werden. Bei Gemüsepflanzen unterscheidet man zwischen schwach, mittel und stark zehrenden Gattungen. «Bei stark zehrenden Pflanzen wie Kartoffeln und Tomaten braucht es etwas mehr Kompostmasse. Wenn sie gesetzt sind, kann man zusätzlich den organischen Stickstoffdünger Hornspan beigeben. Bohnen und Zwiebeln brauchen wiederum fast keinen Dünger.»

4. Nicht mit Dünger verhätscheln: Der Gartenfachmann rät dringend von zu viel Dünger ab. «Die Pflanzen sollten zuerst anwachsen. Sie müssen im Boden nach Nahrung suchen und die Wurzeln in die Tiefe treiben und dürfen nicht mit Düngematerial verhätschelt werden.» Generell werde zu oft und das Falsche gedüngt. «Es ist sinnvoll, in einem Labor eine Nährstoffprobe des Erdbodens machen zu lassen. So kann man herausfinden, wie sich das Düngemittel zusammensetzen sollte. In der Stadt Zürich sind beispielsweise vier von fünf Gärten mit Phosphor überdüngt», so Grob.

5. Organisch statt mineralisch: Biologischer Gartenbau ist in den Familiengärten von Zürich Pflicht, und auch im Unterhalt von Privatgärten raten die Spezialisten von Grün Stadt Zürich zur Verwendung von organischen statt mineralischen Düngern. «Mineralischer Dünger ist wie ein Highspeed-Aufputschmittel für die Pflanzen. Sie wachsen sehr schnell sehr stark», erklärt Grob. Organischer Dünger sei wie ein Birchermüesli: «Er muss erst verdaut werden, damit die Wirkung eintritt. Deshalb ist er für die Pflanzen verträglicher und macht sie auch gegen Schädlinge resistenter.» Generell gelte die Regel, dass man alles im Mass ausbringen sollte. «Komposterde reicht im Prinzip als Grunddüngung für das ganze Jahr. Auch bei Topfpflanzen. Der Kompost muss allerdings gut verrottet sein, sonst schadet er mehr, als er nützt.»

6. Jetzt umtopfen: Bei Topfpflanzen empfiehlt es sich, ab und zu die Erde zu wechseln. Das ist laut Grob jetzt gut möglich. «Man kann die Pflanzen austopfen, die Wurzeln zurückschneiden und möglicherweise in einen grösseren Topf einpflanzen.» Am besten eignen sich Blumen zur Bepflanzung von Töpfen. «Mehrjährige Pflanzen müssen umgetopft werden und brauchen generell mehr Pflege.» Einen Teil der alten Erde kann man beim Umtopfen wieder verwenden und diese mit neuer, torffreier Erde anreichern. Auch die Wahl des richtigen Topfes ist entscheidend. So lassen Terracotta-Töpfe das Wasser schneller verdunsten, was für die Pflanzen Stress und bei der Pflege je nach Standort einen erheblichen Mehraufwand bedeutet. Auf Dachterrassen und an Standorten mit hoher Sonneneinstrahlung eignen sich daher Kunststoff- oder Metalltöpfe besser. «Allerdings sollte man auf dunkle Varianten verzichten, denn diese erhitzen sich an der Sonne stark, sodass man ebenfalls bis zu zweimal am Tag giessen muss», sagt der Gartenfachmann. Auch sollten die Töpfe nicht zu klein sein. «Die Wurzeln drängen immer an die Ränder. Daher trocknen sie in kleinen Gefässen schneller aus.»

7. Wahl der richtigen Terrassenpflanze: Für die Begrünung von Balkonen und Terrassen sollte man sich für robuste Pflanzen entscheiden. Auf Dachterrassen herrsche laut Grob praktisch ein Wüstenklima. «Tagsüber ist es extrem heiss, nachts wiederum sehr kalt. Man sollte sich daher auf jene Gewächse beschränken, die das vertragen, und sie entsprechend pflegen.» Hierzu gehören mediterrane Gattungen wie Lavendel, Oleander oder auch Olivenbäume. Letztere müssen allerdings im Winter in eine Orangerie oder in einen Estrich gebracht werden und brauchen einen genügend grossen Topf.

8. Weg mit dem Winterschutz: Wer seine Pflanzen mit Schutzmaterial winterfest eingepackt habe, könne sie gemäss Grob jetzt getrost auspacken. «Das Risiko, dass die sogenannten Eisheiligen Mitte Mai nochmals starken Frost bringen könnten, bleibt natürlich. Aber eine Minusnacht macht den meisten Pflanzen in der Regel nichts aus.» Wichtig sei dabei, dass die ausgewickelten Gewächse nicht direkt der Sonne ausgesetzt würden. Das könnte den Trieben schaden.

9. Letzte Gelegenheit für den Rückschnitt: Rosen, Obstbäume, Beeren, Reben – sie alle können nun von vertrockneten Trieben und abgestorbenem Geäst befreit werden. «Rückschnitte sind zwar grundsätzlich nicht nötig», sagt Gärtner Grob, «sie haben jedoch den Effekt, dass ein Gewächs wie beispielsweise ein Apfelbaum weniger Holz produziert und dafür mehr Früchte treibt.» Der Rückschnitt dient zudem der Formgebung und führt dazu, dass die Pflanze frische Triebe und Blätter produziert.

10. Achtung Schnecken: Die Weichtiere kriechen zwar noch nicht herum, ihre Eier liegen aber bereits in der Erde. Damit sie im Beet keinen Schaden anrichten, kann man schon jetzt etwas unternehmen. «Schnecken haben es nicht gern trocken und heiss. Deshalb sollte man jetzt bei grosser Hitze den Boden kräulen und umgraben, damit die Eier an die Oberfläche gelangen. Wenn man das mehrmals macht, ist das eine sehr gute Schneckenprävention», so Grob. Es empfehle sich auch, um die frisch eingepflanzten Setzlinge sogenannte Schneckenkragen aus Plastik aufzubauen. Das halte nicht nur die Tiere ab, sondern schütze die empfindlichen Gemüsesetzlinge vor dem Wind. «So können sie schnell und fest anwachsen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.03.2014, 13:38 Uhr

Hans Grob

Hans Grob ist Gärtner und bei Grün Stadt Zürich für die Pacht und Miete der Kleingartenareale, Kleingärten und Landparzellen zuständig.

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