Zentralbibliothek: «Spektakuläre Erwerbung»

Die Zürcher Zentralbibliothek hat eine seit Jahrhunderten verschollene Karte ersteigert. Das Werk von Hans Conrad Gyger kam für rund 9000 Franken unter den Hammer.

Wegen der «kreativen und bisher unbekannten Art» von Markierung ausserordentlich: Die Karte von Hans Conrad Gyger.

Wegen der «kreativen und bisher unbekannten Art» von Markierung ausserordentlich: Die Karte von Hans Conrad Gyger. Bild: zvg

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Der Zentralbibliothek Zürich (ZB) ist nach eigenen Angaben eine «spektakuläre Erwerbung» gelungen. An einer Auktion im aargauischen Zofingen konnte eine seit Jahrhunderten verschollene Karte des oberen Zürichsees ersteigert werden, wie die ZB am Dienstag mitteilte. Angefertigt hat das 35 mal 57 Zentimeter grosse Gemälde Hans Conrad Gyger (1599–1674). Der Zürcher Kartograf und Ingenieur hat vor allem durch seine Zürcher Kantonskarte Berühmtheit erlangt.

Die Karte des oberen Zürichsees war bisher lediglich aus einem Werkverzeichnis Gygers bekannt. Allerdings wurden im 18. Jahrhundert Kopien erstellt, die sich seit längerem im Besitz der ZB befinden. Das Original von Hans Conrad Gyger kam für rund 9000 Franken unter den Hammer.

Das Original entstand um 1635 und diente ursprünglich amtlichen Zwecken. Es zeigt malerisch das Gebiet des oberen Zürichsees mit Rapperswil SG und Lachen SZ sowie der Halbinsel Au. Die Karte sei in sehr gutem Zustand, wie Jost Schmid, Leiter Abteilung Karten und Panoramen der ZB, auf Anfrage sagte.

Umstrittener Grenzverlauf

Zur Entstehungszeit des Werkes lagen sich die Kantone Zürich und Schwyz wegen des Grenzverlaufs in den Haaren. In harten, mehrjährigen Verhandlungen versuchten die Schwyzer erfolglos, die Grenze weiter in den See hinauszuschieben, um die in den Anlegestellen anfallenden Zölle einnehmen zu können. Die schwyzerischen Grenzforderungen sind auf der Karte eingezeichnet.

Interessant ist die Karte aber auch wegen ihrer «kreativen und bisher unbekannten Art» der Markierung, wie es in der Mitteilung weiter heisst. So ist das Zürcher Territorium in hellem Braun, das Schwyzergebiet dagegen in lichten Graugrüntönen gehalten. Mit diesen Farbabstufungen bekomme das Kartenblatt fast eine gemäldeartige Ausstrahlung, schreibt die ZB.

Nach langen Jahren im Privatbesitz war die Karte um den Jahreswechsel herum überraschend an einer Auktion in Zufikon AG aufgetaucht, wie Schmid sagte. Das Werk kann in der Abteilung Karten und Panoramen der ZB besichtigt werden.

(pia/sda)

Erstellt: 17.07.2012, 12:42 Uhr

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