Zittern und Ellbögeln bei der CVP

Aus dem Trio Kathy Riklin, Urs Hany, Barbara Schmid-Federer muss wohl ein Nationalratsmitglied über die Klinge springen. Die drei haben deshalb bereits auf Wahlkampf umgeschaltet.

Bild: Schaad

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Das Amt in Bern ist für Riklin, Hany und Schmid-Federer ihr Leben. Doch alle drei müssen zittern – weil die ganze CVP zittert. Wenn die CVP nur einen kleinen Teil der Verluste aus den Kantonsratswahlen vom April einfährt – damals gingen 4 von 13 Sitzen verloren –, ist der dritte CVP-Sitz weg. Kathy Riklin ist die bekannteste der drei CVP-Vertreter: promovierte Geologin, Universitätsrätin, seit 12 Jahren im Nationalrat. Urs Hany, Bauunternehmer, ist seit 2006 im Nationalrat. Die jüngste der drei ist Barbara Schmid-Federer, Mitinhaberin einer Apotheke und vor knapp vier Jahren überraschend in den Nationalrat gewählt.

Die drei sind quasi Konkurrenz – aber auch ein Team: Sie müssen der CVP die dringend benötigten Stimmen holen. 2007 war es eine Riesenüberraschung, dass die CVP dank dem Leuthard-Effekt – und einem wackligen Restmandat – drei Sitze holte. Dass die drei Politiker erbitterte Konkurrenten sind, wollen sie in dieser Schärfe nicht geschrieben haben. Urs Hany, gleichzeitig Ständeratskandidat und Wahlkampfleiter, sagt es so: «Alle drei sollen im Wahlkampf so viel wie möglich machen. Es darf nicht sein, dass wir uns gegenseitig bremsen – bevor wir über Köpfe reden, müssen wir zuerst genügend Listenstimmen beisammen haben.»

Dass ausgerechnet Hany als einziger Mann und Wahlkampfleiter auch Ständeratskandidat ist, sei «klar geregelt», sagt Hany. Vor vier Jahren war es Riklin, 2015 wird es Schmid-Federer – sofern sie dann noch in der Politik ist.

Kathy Riklin startet aus der Poleposition. Bei den Wahlen vor vier Jahren hat sie – auch dank des Ständeratsbonus – den zweitplatzierten Urs Hany deutlich distanziert. Gleichwohl sagt sie, man könne sich seiner Wiederwahl nie sicher sein. «Ich habe eine gesunde Angst wie vor einer Prüfung, aber keine schlaflosen Nächte deswegen.» Riklin ist überzeugt, in den letzten vier Jahren gute Arbeit geleistet zu haben.

Der Internet-Krieg

Dass die Kandidaten auf der CVP-Liste nicht nur Parteifreunde, sondern auch Konkurrenten sind, ist Riklin bewusst. Vehement stellt sie jedoch in Abrede, ihren Mitstreitern schaden zu wollen. «Wir sind ein Team und wollen wieder drei Sitze gewinnen.» Josef Wiederkehr, auf Listenplatz Nummer vier, sieht dies zwar ebenso. Er sagt aber, es seien sich alle bewusst, «dass sie Gas geben müssen». Positiv sei, dass die CVPler den Wahlkampf früh und aktiv angingen. Negativ, dass «eine gewisse Missgunst entstehen kann». Weiter ins Detail gehen will Wiederkehr nicht.

Die Frage, wie knochenhart die Konkurrenz wirklich ist, stellt man sich als Beobachter, nachdem der «SonntagsBlick» Schmid-Federer in ein wenig vorteilhaftes Licht gerückt hatte: Schmid-Federer, so lautete die Schlagzeile im März, sei auf Facebook mit Saif al-Ghadhafi befreundet, dem zweitältesten Sohn des libyschen Diktators Muammar al-Ghadhafi. Die CVP-Nationalrätin beteuerte, diese «Freundschaft» nicht wahrgenommen zu haben, sie sei Opfer eines Hacker-Angriffs. Pikant: Den Artikel verfasst hat Riklins Nichte. Riklin versichert, sie habe weder mit dem vermuteten Hacker-Angriff noch mit der Publikation des Artikels etwas zu tun.

Beim «SonntagsBlick» sieht man kein Problem, wenn eine Nichte Artikel über die Konkurrentin ihrer Tante verfasst. Für den besagten Artikel, so schreibt Michael Perricone, Leiter Politik der Blick-Gruppe, brauche es keine Verwandtschaft, auch keine Blutsbrüderschaft oder unerhörte Absprache, sondern einfach eine «Freundschaft» – eine auf Facebook nämlich. Geschichten dieser Art würden von der Ressortleitung gesichtet und gutgeheissen.

Die Frühstarterin

Dass auch Barbara Schmid-Federer schon voll im Wahlfieber ist, zeigen die zahlreichen Wahlplakate, die bereits überall hängen. Die ehemalige Limmatnixe und Synchronschwimmerin, die mit dem CVP-Kantonsrat und Apothekerpräsidenten Lorenz Schmid verheiratet ist, baut auf ihr Erfolgsrezept von 2007. Damals überholte sie als weitgehend unbekannte Kandidatin drei Männer, die 2003 noch vor ihr klassiert waren – unter anderem Parteipräsident Markus Arnold und Unternehmer Josef Wiederkehr. Schmid-Federer startete bereits 2007 früh und blieb bis in den Herbst hinein dauerpräsent – unter anderem mit Kleinplakaten in allen Apotheken und den Stillzonen für Frauen.

Für diesen Wahlkampf hat Schmid-Federer einen weiteren Trumpf bereit: Am 22. Juni soll sie zur Präsidentin des Schweizerischen Roten Kreuzes Kanton Zürich gewählt werden. Beiden CVP-Frauen ist zudem gemeinsam, dass sie auf Facebook dauerpräsent sind: Riklin hat 1270 Freunde, Schmid-Federer 3200. Ein Ärgernis ist vor allem für die CVP-Frauen dagegen TeleZüri (das wie der «Tages-Anzeiger» zu Tamedia gehört): Schmid-Federer war in der Sendung «SonnTalk» noch nie zu Gast, Riklin im letzten Jahr bloss einmal und Hany immerhin dreimal. Die Vermutung der CVP: Der Lokalsender wähle bevorzugt Politiker von links und rechts, die sich gehörig an den Karren fahren.

Die drei Bisherigen stehen auch intern unter Druck: Dem Trio im Nacken sitzen hungrige Politiker. CVP-Fraktionschef Philipp Kutter steigt vom fünften Platz aus ins Rennen. Zwar schliesst er nicht aus, mit einem engagierten Wahlkampf den Sprung unter die Gewählten zu schaffen. Primäres Ziel sei aber, zur Wiederwahl der Bisherigen beizutragen, sagt er. Er ortet einen «gesunden sportlichen Wettkampfgeist». Von Gehässigkeiten spüre er nichts.

Dies sagt auch Kantonsrätin Corinne Thomet, die vom sechsten Listenplatz aus startet. «Es wäre auch jenseitig, wenn wir uns gegenseitig anfeinden würden.» Die CVP-Kandidaten würden die Wahlen als Team angehen.

Ein Kandidat kritisiert, dass «eine gewisse Missgunst entstehen kann». Weiter ins Detail gehen will er nicht.

Erstellt: 16.06.2011, 07:37 Uhr

Barbara Schmid-Federer (Bild: PD)

Kathy Riklin (Bild: PD)

Urs Hany (Bild: PD)

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