Zollikon hält sich knapp an der Spitze

Auf den ersten drei Plätzen für das Rating der Gemeinden am rechten Zürichseeufer liegen Zollikon, Küsnacht und Herrliberg. Der Abstand zwischen Zollikon und den Plätzen zwei und drei ist aber etwas geringer geworden.

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Ganz oben im Regionenrating liegt wie bereits letztes Mal Zollikon am Zürichsee. Damit ist die Gemeinde nicht nur Siegerin unter den Orten an der Gold- küste, sondern zugleich der Topstandort im ganzen Kanton. Die Reihenfolge der Gemeinden ergibt sich in der Untersuchung der Zürcher Kantonalbank (ZKB) primär aus dem Preisniveau für Häuser und Stockwerkeigentum. Während eine durchschnittliche Neubauwohnung an periphereren Standorten, wie etwa im Limmattal, für rund 2300 Franken Miete auf den Markt kommt, kostet exakt die- selbe Wohnung in Küsnacht oder Zollikon 4300 bis 4400 Franken.

Unterschiedliche Kaufpreise

Erst recht teuer wird es, wenn man sich für Kaufobjekte an den Topstandorten interessiert. Hier können die Preise für die gleichen «Musterimmobilien» je nach Ort um den Faktor zwei oder drei differieren. Eine durchschnittliche Eigentumswohnung (siehe Fussnoten zur Grafik) würde in Zollikon derzeit etwa 1,7 Millionen Franken kosten. In Oetwil am See, dem Schlusslicht des Ratings für das rechte Seeufer, wäre es fast eine Million weniger. Bei diesen Preisvergleichen ist zu berücksichtigen, dass in den Seegemeinden natürlich auch etwas anders gebaut wird. Viele Kaufangebote haben hier meist mehrere Hundert Quadratmeter Wohnfläche, sind luxuriöser ausgestattet und verfügen über mehr Umschwung.

De facto läuft dies darauf hinaus, dass die Preise sogar noch weiter auseinanderdriften. Das bestätigt ein Blick auf das Immobilienportal Homegate: Neu erstellte Stockwerkeinheiten mit fünf Zimmern kosten dort im Bezirk Meilen meist mindestens 2,5 Millionen Franken. Und gemäss den Markterhebungen der ZKB ist in den letzten Quartalen von einer Abflachung der Preisentwicklung keine Rede. Im Gegenteil: In den letzten vier Jahren sind die Immobilienpreise in den Zürcher Gemeinden mit Seeanstoss um weitere 30 Prozent gestiegen.

Die wichtigsten Lagefaktoren

Wenn Zollikon von allen Gemeinden des rechten Zürichseeufers den ersten Rang im Rating der ZKB einnimmt, wiederspiegelt dies vor allem die wichtigsten Lagefaktoren: Sowohl die Nachfrage als auch die Preise werden massgeblich von der Zentralität bestimmt. Je näher ein Grosszentrum liegt und je kürzer die Pendlerzeiten mit dem Auto oder dem öffentlichem Verkehr sind, desto gefragter ist der Wohnort. Zollikon sticht in- sofern viele andere Gemeinden aus, da es direkt an Zürich grenzt und dennoch über ruhige, grüne Wohnzonen verfügt. Hinzu kommen natürlich die Seesicht sowie als weiterer wesentlicher Faktor die tiefe Steuerbelastung. Standortfaktor Steuern

Zollikon war während vieler Jahre die steuergünstigste Gemeinde im ganzen Kanton, sah sich aber im März 2012 veranlasst, eine Steuerfusserhöhung von 79 auf 82 Prozent zu beschliessen. Inner- halb der Gemeindebehörden und an der Gemeindeversammlung war der Entscheid heftig umstritten. Reiche Gemein- den sind unweigerlich einem Zielkonflikt ausgesetzt: Sie wollen die Steuern so tief wie möglich ansetzen, um für Zuzüger attraktiv zu bleiben. Andererseits darf diese Politik nicht zulasten des Unterhalts und des Ausbaus der Infrastruktur gehen. Zumindest vorerst macht es nicht den Anschein, als ob Zollikon an Attraktivität eingebüsst hätte. Aber Jörn Schellenberg, der bei der ZKB das Rating betreut, weiss: «Auf dem Immobilien- markt spielt die Steuerbelastung eines Standorts nachweislich eine Rolle.» Die Steuererhöhung könne insofern zur Folge haben, dass andere topplatzierte Ge- meinden wie Küsnacht oder Herrliberg den Abstand zumindest etwas verkürzen.

Katharina Kull (FDP), Gemeindepräsidentin von Zollikon, hält dazu fest: «Die Schlüsselfaktoren für unsere Wohnqualität sind sicher nicht allein kurze Wege nach Zürich, tiefe Steuern und Seesicht.» Genauso würden andere Aspekte Zollikons zählen, etwa gut ausgebaute gesellschaftliche Strukturen, also ein aktives Dorf- und Vereinsleben, eine Volksschule mit ausgezeichneten Tagesstrukturen, grosszügige Angebote für Kultur und Sport sowie Erholungszonen am See und in der Natur am Zollikerberg.

Das Rating der ZKB zeigt weiter, dass in einigen Gemeinden am Seeufer auch in Zukunft gebaut wird – jedenfalls lassen die eingereichten Baugesuche diesen Schluss zu. An der Spitze der prognostizierten Neubautätigkeit liegen Küsnacht, Meilen und Männedorf. Neubauten und Verdichtungen erweisen sich zwar nicht immer als leicht umsetzbar, zumal die Baulandreserven beschränkt bleiben und viele Einwohner Nachverdichtungen und Ersatzneubauten erfahrungsgemäss kritisch gegenüberstehen. «Andererseits ist auch an der Goldküste ein Anlage- druck spürbar», sagt Jörn Schellenberg. Das heisst: Landeigentümer, Makler, Architekten und Immobilienpromotoren nutzen die günstigen Umstände und die hohe Zahlungsbereitschaft, um immer wieder neue Projekte auf den Markt zu bringen. Für mittelständische Haushalte und Familien wird es aber zusehends unmöglich, an diesen 1a-Lagen überhaupt zahlbaren Wohnraum zu finden. «In Zollikon sind schon heute zehn Prozent aller Wohnungen Genossenschaftswohnungen», wirft Gemeindepräsidentin Katharina Kull ein. Politische Vorstösse, mehr gemeinnützigen Wohnungsbau zu betreiben, fanden in jüngster Zeit aber weder in Zollikon noch in Stäfa eine Mehrheit an der Urne. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.11.2012, 07:21 Uhr

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