Zürcher Justiz verklagt

Der Mann von Natalie K. glaubt, die Behörden hätten seine Frau zum Suizid verleitet. Er verweist auf einen Brief, den sie ihm kurz vor ihrem Tod geschrieben hat.

Die Vorwürfe richten sich unter anderem an sie: Thomas Manhart, Leiter des Amts für Justizvollzug, Justizdirektorin Jacqueline Fehr und Jérôme Endrass, stellvertretender Leiter des Psychiatrisch-Psychologischen Diensts (v.l.). Bild: Doris Fanconi

Die Vorwürfe richten sich unter anderem an sie: Thomas Manhart, Leiter des Amts für Justizvollzug, Justizdirektorin Jacqueline Fehr und Jérôme Endrass, stellvertretender Leiter des Psychiatrisch-Psychologischen Diensts (v.l.). Bild: Doris Fanconi

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Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft hat dem «Blick» bestätigt, dass im Fall von Natalie K. gestern Montag die gesamte Justizdirektion verklagt worden ist. Der Vorwurf: Verleitung und Beihilfe zum Selbstmord. Urheber der Anzeige ist der Mann der 27-Jährigen, die sich Gefängnis das Leben genommen hat. «Die Staatsanwältin, die Pflichtverteidigerin, der Psychiater, alle, die ihre Hilfeschreie ignorierten, sollen zur Verantwortung gezogen werden», sagt er laut der Zeitung. Er ist überzeugt, dass es seiner Frau an psychiatrischer Unterstützung gefehlt hat.

Natalie K., die an Neujahr die gemeinsamen Kinder getötet hat, befand sich zum Zeitpunkt ihres Suizids am Freitag in Untersuchungshaft. Sie hatte schon mehrere Selbstmordversuche hinter sich. Zwei Tage vor ihrem Tod hatte sie in einem Brief an ihren Mann geschrieben, dass sie keine Hoffnung mehr habe. Gleichzeitig beschwerte sie sich darüber, dass sie ein Notfallgespräch mit einem Psychiater gehabt habe, dieser sich aber kaum Zeit für sie genommen habe.

Behörden lasen die Briefe

Am Dienstag vor ihrem Tod hatte sie auch ihren Eltern einen Brief geschickt, in dem sie offen von Suizid sprach. Dieser wurde vor der Zustellung von der Staatsanwaltschaft gelesen, wie deren Sprecherin Corinne Bouvard sagt. Das ist bei Untersuchungsgefangenen üblich. Die Gefängnisleitung erfährt vom Inhalt solcher Schreiben in der Regel zwar nichts, bei Natalie K. war das aber anders. Bei einigen ihrer zahlreichen Briefe sah sich die Staatsanwaltschaft «aufgrund der speziellen Situation» veranlasst, die Gefängnisleitung zu kontaktieren, so Bouvard. Ob auch der fragliche Brief darunter war, sagte die Sprecherin nicht.

(hub/leu)

Erstellt: 11.08.2015, 08:07 Uhr

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