Zürcher SVP-Regierungsrat Kägi hört auf – mit einem Witz

Baudirektor Markus Kägi räumt seinen Sitz im nächsten Frühling. Damit ist der Weg frei für neue SVP-Leute – zum Beispiel Nationalrätin Natalie Rickli.

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Markus Kägi lässt sich nicht gerne unter Druck setzen. So guckte er seelenruhig zu, wie die anderen Parteien vorwärtsmachten mit der Vorbereitung der kantonalen Wahlen von März 2019. Die SP zerfleischte sich wegen der Causa Mario Fehr, die FDP hat nach der Nicht-Wiederkandidatur Thomas Heinigers bereits ihr Kandidaten-Trio beisammen, die GLP ebenso. Nur die Grünen sind ebenso im Verzug.

Vielleicht hat Kägi, der ehemalige Ombudsmann, auch abgewartet, ob Kantonsrat Jürg Trachsel neuer Ombudsmann wird. Der SVP-Kantonsrat wäre bei einer Nicht-Wahl am Montag ein möglicher Nachfolger Kägis auch auf Regierungsebene gewesen. Nun fällt Trachsel ausser Traktanden.

«Kim Un Kägi»

Heute Mittwochnachmittag hat Markus Kägi an einer Pressekonferenz in Zürich die Katze aus dem Sack gelassen und angekündigt, dass er nicht für eine vierte Amtszeit antritt.

Allerdings sagte er zuerst, er mache vier Jahre weiter und begründete dies auf abenteuerliche Weise. Dann resümierte er das Gesagte mit «Kim Un Kägi» – eine Anspielung auf den nordkoreanischen Dynastiediktator Kim Jong-Un– und sagte: «Spass beiseite, ich höre im nächsten Mai auf.» Das kommt nicht unerwartet, wird doch Kägi nächstes Jahr genau das Rentenalter erreichen und immerhin zwölf Jahre Regierungszeit hinter sich haben. «Am meisten freue ich mich darauf, künftig meine Agenda selber zu führen», sagte Kägi. Er gehe mit einem lachenden und weinenden Auge. Kägi gab übrigens an, die Parteileitung im Dezember 2017 über seine Absichten unterrichtet zu haben. Diese hat also mehr als ein halbes Jahr dichtgehalten.

Auf und ab mit dem PJZ

Kägi ist seit 2007 Baudirektor und war somit stets involviert, wenn es um grosse Bauprojekte wie das Polizei- und Justizzentrum (PJZ) ging. Grad bei Letzterem machte er zwischenzeitlich eine schlechte Figur. So schockierte er die Öffentlichkeit im Jahr 2009 mit einer 100-Millionen-Kostenüberschreitung bei der Planung des PJZ. Das wurde inzwischen wieder korrigiert. Aber beim Massnahmenzentrum Uitikon kostete es tatsächlich 10 Millionen mehr als budgetiert, beim neuen Strickhof-Zentrum in Lindau 3 Millionen mehr. Oft waren die Kostenüberschreitungen begleitet von personellen Verwerfungen. Bekannt ist allerdings auch, dass die Baubranche für derlei Unvorgesehenes sehr anfällig ist.

Als Baudirektor ist Kägi meist nur Ausführer von Wünschen aus den anderen Direktionen. Er konnte zudem nachweisen, dass es bei ihm zu weniger Kostenüberschreitungen gekommen ist, als es die medial stark beachteten Fälle vermuten liessen.

Mister Hochwasserschutz

Vorwärts gemacht hat Kägi beim Hochwasserschutz. Als frisch gekürter Baudirektor hatte er es mit einer Fast-Katastrophe zu tun, welche ihn stark beschäftigt hat. So initiierte Kägi eine Art Masterplan zum Schutz vor Überschwemmungen: Alarmsysteme, Rückhaltebecken und im Fall eines Sihl-Hochwassers ein Schwemmrechen und einen Entlastungsstollen hat er gebaut oder angestossen.

Und in seinem Abschlussjahr wird es der passionierte Jäger auch mehrmals politisch mit der Jagd zu tun haben. Im September kommt die Wildhüter-statt-Jäger-Initiative vors Volk, gleichzeitig ist das Jagdgesetz im Kantonsrat hängig.

41 Jahre in der Politik – mit 11 Jahren Unterbruch

2019 endet nun eine lange politische Karriere. Kägi wurde mit 24 Jahren in die RPK seiner Wohngemeinde Niederglatt gewählt. Er wurde bald deren Präsident, dann Gemeinderat. Mit 37 Jahren kam Markus Kägi in den Kantonsrat, vier Jahre später war er als Parlamentspräsident der offiziell höchste Zürcher.

1996 wählte ebendieses Parlament den Notar-Stellvertreter Kägi als Ombudsmann. Diese Posten verliess er erst elf Jahre später, als er für die SVP in den Regierungsrat gewählt wurde.

Kägi gilt als jovial und ist bis in die linken Reihen hinein beliebt – solange es um den persönlichen Umgang geht. Politisch ist er für die Linke ein rotes Tuch. So hat er sich gegen die Energiewende gestellt und gilt als Freund der Atomkraft.

Rickli sagt nicht Nein

Nun wird sich die SVP auf die Suche nach einem Kandidaten – oder einer Kandidatin machen, welche(r) mit dem amtierenden Regierungsrat Ernst Stocker in den Wahlkampf zieht.

Immer wieder genannt wird Nationalrätin Natalie Rickli, die nie von etwaigen Ambitionen Abstand genommen hat. Rickli wurde stets sehr gut in den Nationalrat gewählt und könnte in die Fussstapfen von Rita Fuhrer treten, welche als «Lovely Rita» Wahlerfolge erzielte. Jetzt gibt sie an, es sich in den Sommerferien überlegen zu wollen. Als mögliche Kandidaten gelten auch die Nationalräte Jürg Stahl oder Bruno Walliser.

Entscheid am 11. September

Parteipräsident Konrad Langhart kündigte an, dass Alt Nationalrat Max Binder eine Findungskommission leiten wird, die der Parteileitung einen Vorschlag machen wird, welche wiederum an den rund 60-köpfigen Parteivorstand gelangen wird. Dieser wird Anfang September einen Vorschlag zuhanden der SVP-Delegiertenversammlung machen, die am 11. September an einem noch unbekannten Ort stattfindet.

Langhart sagte, es sei noch unklar, mit wie vielen Kandidaturen die SVP für die Wahl in den siebenköpfigen Regierungsrat antreten wird. Damit ist also nicht gegeben, dass sich die SVP mit einer Zweierkandidatur zufriedengeben wird. Bezüglich Wahlallianzen gab sich der SVP-Parteipräsident offen für Gespräche.

Am Ende der Medienkonferenz im Lokal des Limmat-Clubs Zürich, einem Ruderverein, gab es wieder einen Witz. «Das bedeutet nicht, dass wir zurückrudern, sondern höchstens einmal gegen den Strom», sagte Langhart. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.07.2018, 16:19 Uhr

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