Zürich feilt an Amok-Prävention

Seit über einem Jahr arbeiten Stadt und Kanton Zürich an Präventionsmassnahmen gegen Amokläufe an Schulen. Fachleute sind sich einig: Durch die Sensibilisierung der Eltern kann ein Amoklauf am ehesten verhindert werden.

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Die Amoktat an einer finnischen Schule, bei der am Dienstag elf Menschen starben, hat in Zürich für grosse Bestürzung gesorgt. Das Thema Amokgefahr beschäftigt laut Roland Zurkirchen, Leiter der Fachstelle für Gewaltprävention beim Schul- und Sportdepartement der Stadt Zürich, die verschiedenen Stellen seit über einem Jahr: «Das Wissen, wie man einen möglichen Amoklauf erkennen kann, ist aber noch sehr jung.» Es sei erst in den letzten eineinhalb Jahren erarbeitet worden. Man plane, die Schulung in diesem Bereich auszubauen und Eltern, Lehrer sowie Vereine besser zu informieren.

«Die Einsatzpläne bei Gewalttaten werden laufend den neusten Erkenntnissen angepasst», sagt Zurkirchen. Dabei stütze man sich auch auf die Arbeit des deutschen Forschers Jens Hoffmann. «Er gehört zu den versiertesten Amokforschern und führt die Kurse durch, welche die Polizei und Fachstelle für Gewaltprävention aus Zürich zum Thema Amokgefahr besuchen.» Dank der engen Zusammenarbeit mit der Polizei sei man bei einem Verdachtsfall schnell vernetzt.

Beratungstelefon für Lehrer

Gemäss Enrico Violi, Beauftragter für Gewalt im schulischen Umfeld der kantonalen Bildungsdirektion, ist die Amokgefahr auch beim Kanton ein Thema. «Neben Schulungen und Infoveranstaltungen für Schulleitungen, ein Sicherheitshandbuch für die Berufs- und Mittelschulen und eine gute Zusammenarbeit mit der Polizei.» Zudem biete der Jugenddienst der Kantonspolizei ein Beratungstelefon für Lehrer an. Trotzdem sind sich beide Fachleute einig: Eine absolute Sicherheit gibt es nicht. «Wenn jemand unter allen Umständen eine Amoktat an einer Schule verüben will, lässt sich das nicht grundsätzlich verhindern», sagt auch Beat W. Zemp. «Wichtig ist es, die Anzeichen zu deuten.» (siehe Box)

Wichtig ist eine Vertrauensperson für Junge

«Durch die Sensibilisierung der Eltern und der Schüler kann man Amokläufe noch am ehesten verhindern», sagt Zemp. Wichtig sei, dass den Jugendlichen eine Vertrauensperson zur Verfügung steht. Die Schule ist gefordert, gewalttätiges Verhalten nicht zu dulden und Gewaltprävention schon ab frühem Kindesalter zu betreiben.

«Auffällige oder nicht tragbare Schüler müssen auch ausserhalb des Schulbetriebs betreut werden», sagt Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerverbands. Ob genau diese Jugendlichen jedoch zu solchen Taten neigen, sei sehr fraglich. Zumindest in den vergangenen Jahren habe sie von keinem begründeten Verdacht auf einen Amoklauf in Zürich gehört. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.09.2008, 11:22 Uhr

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