Zürich geflasht: 4634 Blitze in 30 Minuten

Die Agglomeration Zürich war gestern Abend zwischen 22 und 23.30 Uhr fast pausenlos hell erleuchtet. Aber nicht nur am Himmel tat sich Aussergewöhnliches.

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Man sah in der Region Zürichsee das Unwetter kommen wie einen Wolken-Tsunami. Ab 20.45 Uhr am gestrigen Sonntagabend türmten sich die Wolken von Süden her über dem Albis. Um 21.45 Uhr blitzte und donnerte es im Sekundentakt, um 22.15 Uhr erreichte das Gewitter Zürich und zog weiter ins Unterland, wo es sich bald auflöste.

Ein Ausläufer zog in die Region Winterthur, wo es noch um Mitternacht lärmte, eine andere Zelle erreichte, von der Innerschweiz her kommend, den Obersee und das Zürcher Oberland – beide mit Höhepunkt um 23 Uhr.

Entladung am Himmel über Zürich. Bild: Urs Jaudas

Wie sich das Blitzgewitter entwickelt hat, ist sehr schön auf der Blitzkarte von Meteorologe Jörg Kachelmann nachzuvollziehen. Unfassbare 4634 Blitze sind zwischen 22.20 und 22.50 Uhr gezählt worden. Das sind rekordverdächtige zwei bis drei Blitze in der Sekunde.

Autos treiben im Wasser

Nicht nur die Zahl der Blitze war gestern Abend immens, auch die Regenmenge hatte es in sich. In Schlieren sammelte sich in einer Unterführung innert Kürze so viel Wasser, dass zwei Autos nicht mehr weiterkamen und bald auf der Oberfläche trieben wie Boote in einem See. Laut einer Meldung der Behörden sind dabei keine Personen zu Schaden gekommen. Die betroffene Bahnunterführung an der Goldschlägistrasse bleibt aber wegen Aufräumarbeiten weiterhin geschlossen.

Die sintflutartigen Regengüsse hielten die Einsatzkräfte konstant auf Trab. Allein in Schlieren musste die dortige Feuerwehr aufgrund der starken Regenfälle 50-mal ausrücken. Der Werkhof ist wegen eines Blitzschlages derzeit weder telefonisch noch per E-Mail erreichbar. Notrufe im Zusammenhang mit der Gas-/Wasserversorgung nimmt die Stadtpolizei Schlieren unter der Nummer 044 738 14 14 entgegen.

Bahnunterbruch im Morgenverkehr

Ähnlich wie in Schlieren seien auch an anderen Stellen im Kanton Zürich überschwemmte Unterführungen gemeldet worden, sagt der Sprecher der Kantonspolizei gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Mehrere Strassenzüge mussten von Erde geräumt werden, die von den Wassermassen auf die Fahrbahn geschoben wurde. Bei Schutz & Rettung Zürich gingen ab Sonntagabend 21.30 Uhr zahlreiche Meldungen von überfluteten Kellern ein. In Lufingen war die Stromversorgung während rund einer Stunde unterbrochen.

Zwischen Birmensdorf und Zürich-Altstetten war die Zugstrecke in den frühen Morgenstunden wegen eines Erdrutsches unterbrochen. Die SBB konnten die Störung inzwischen beheben.

Die Gewitterfront zog aus Richtung Süden über das Kantonsgebiet und sorgte insbesondere in den Bezirken Affoltern, Dietikon, Horgen und Zürich für Schäden. 350-mal mussten 31 Feuerwehrorganisationen im Kanton Zürich ausrücken. 89 Einsätze entfielen allein auf die Stadt Zürich. Um die zahlreichen Notrufe entgegennehmen und bearbeiten zu können, wurde das Personal in der Einsatzleitzentrale von Schutz & Rettung zeitweise auf bis zu 30 Personen aufgestockt. (Mit Elementen der SDA)

Erstellt: 08.06.2015, 09:50 Uhr

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