Zurück bleibt ein schales Gefühl

Der Flughafen-Sachplan ist durch und durch ein gut helvetischer Kompromiss.

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Der grosse Wurf sieht anders aus. Der Bundesrat hat gestern festgelegt, in welchem Korsett sich der Flughafen Zürich künftig bewegen darf, auf welchen Routen An- und Abflüge erlaubt sind, in welchen ­Regionen Lärm den Grenzwert überschreiten darf. Und es kam wie erwartet: Der Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt, kurz SIL genannt, ist durch und durch ein gut helvetischer Kompromiss.

Das ist nicht grundsätzlich schlecht. Zwar sind jetzt alle rund um den Flughafen im mittleren Grad unzufrieden. Aber mehr als das war gegenwärtig nicht möglich. Zu uneinig sind sich all die Akteure, all die Interessenverbände. Und machen wir uns nichts vor: Der grosse Wurf wäre nur auf Kosten von irgendeinem dieser Akteure möglich gewesen.

Auch inhaltlich ist der SIL nicht grundsätzlich schlecht. Er bringt immerhin die Südstarts bei Bise und Nebel, und das bedeutet mehr Betriebssicherheit und etwas mehr Stabilität im eng getakteten Flugplan. Und er bringt endlich, das ist fast das Wichtigste, die seit langem geforderte Planungs­sicherheit. Ab jetzt ist klar definiert, was der Flug­hafen darf und was nicht. Künftig wird es nicht mehr möglich sein, praktisch über Nacht neue Flugrouten einzuführen.

Der SIL ist mutlos, wenn es um die grossen Fragen der Anwohner geht.

Und dennoch bleibt ein schales Gefühl zurück. So ausgewogen der SIL ist, so mutlos ist er, wenn es um die grossen Fragen der Anwohner geht. Etwa um die immer lauter werdende Klage über regelmässige Flüge nach 23 Uhr. Zwar formuliert der Bundesrat nun zum ersten Mal den Anspruch, dass der Flugplan möglichst einzuhalten sei. Aber eben: Es ist nur ein Anspruch, die Verbindlichkeit fehlt. Ebenso bleibt der SIL eine Antwort auf die berechtigte Frage schuldig, wie es mit dem Flughafen ab dem Jahr 2030 weitergehen soll, wenn die Nachfrage gemäss offiziellen Prognosen die Kapazitäten überschreitet.

Indem er eine Antwort darauf schuldig bleibt, hat der Bundesrat die Chance verpasst, das erschütterte Vertrauen der Bevölkerung wenigstens ein klein wenig wiederherzustellen. Gut möglich, dass sich das bei der nächsten Flughafenabstimmung rächt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.08.2017, 21:33 Uhr

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