Zwei Jahre Haft wegen Ansteckung mit Aids

Das Obergericht verurteilt eine HIV-positive Frau, die mit zwei Männern ungeschützten Sex hatte und diese mit Aids ansteckte, zu einer bedingten zweijährigen Freiheitsstrafe – ein Jahr unter dem Strafmass der Vorinstanz.

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Die 33-jährige Kenianerin, die heute Freitagmorgen vor Obergericht stand, hatte ab 2005 mit zwei Geliebten während rund drei Jahren ungeschützten Sex. Dabei haben sich ein heute 30-jähriger Mann aus Sierra Leone und ein 34-jähriger Mann von der Karibikinsel Dominica mit der Immunschwächekrankheit Aids infiziert.

Die Staatsanwaltschaft klagte die Frau wegen schwerer Körperverletzung und der Verbreitung menschlicher Krankheit an. Das Bezirksgericht verurteilte sie im letzten Juli zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren, wovon sie ein Jahr absitzen sollte. Sie habe gewusst, dass sie an Aids litt, lautete die Begründung. Trotzdem habe sie ihren beiden Liebhabern davon nichts gesagt.

Ansteckung bereits vor 2005?

An der Verhandlung von heute Freitag vor dem Zürcher Obergericht wiederholte die Serviceangestellte, was sie schon in der Vorinstanz gesagt hatte: Es tue ihr sehr leid. Sie sei geschockt gewesen, als sie Ende Oktober 2005 anlässlich eines Spitalaufenthalts von der Krankheit erfuhr. Sie habe jedoch die Männer jeweils aufgefordert, ein Kondom zu benützen, was diese aber nicht wollten.

Das Obergericht behandelte in der heutigen Verhandlung nur den Fall des Mannes aus Dominica. Es ging dabei um die Frage, ob es sich bei der Ansteckung um schwere Körperverletzung handelt oder lediglich um den Versuch einer schweren Körperverletzung – was sich in einem geringeren Strafmass niederschlägt. Denn laut Verteidiger hatte sich der Mann schon vor Ende Oktober 2005 bei der Frau angesteckt, die damals noch nichts von der Krankheit wusste.

In der Untersuchung hatte der Mann allerdings gesagt, dass ein Aidstest im Jahre 2006 bei ihm negativ ausgefallen sei. Für das Bezirksgericht der Beweis, dass die Ansteckung nach diesem Datum erfolgte und die Frau damals schon von ihrer Aidskrankheit gewusst habe.

Zweifel an der Durchführung eines Aidstests

Die Verteidigung bezweifelte jedoch, dass es einen solchen Test überhaupt gab. Der Mann aus Dominica konnte nämlich nicht sagen, wann, wo und bei wem er den Aidstest durchgeführt hatte. Auch der sachverständige Virologe hatte in einer Expertise gesagt, dass der Mann sich mit hoher Wahrscheinlichkeit schon vor 2005 angesteckt hatte. Beim zweiten Opfer, dem Mann aus Sierra Leone, welcher die Strafanzeige gegen die Frau eingereicht hatte, wurde von allen Parteien anerkannt, dass er sich schon vor Ende Oktober 2005 bei der Frau angesteckt hatte. Deshalb wurde dieser Aspekt an der Verhandlung nicht weiter beraten.

Das Obergericht folgte in seinem Urteil der Argumentation der Verteidigung. Es verurteilte die Frau in beiden Fällen «nur» wegen mehrfach versuchter schwerer Körperverletzung und mehrfach versuchten Verbreitens von menschlicher Krankheit zu einer bedingten zweijährigen Freiheitsstrafe.

Erstellt: 23.03.2012, 14:13 Uhr

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