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S-Bahn-Kollision: 17 Verletzte, Strecke noch länger gesperrt

Zwischen Winterthur und Schaffhausen prallten zwei Züge ineinander. Von den knapp 300 Passagieren wurden über ein Dutzend verletzt. Experten und Staatsanwaltschaft untersuchen den Unfall.

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Heute Morgen kurz nach 7.30 Uhr prallten auf der Strecke zwischen Winterthur und Schaffhausen zwei Züge ineinander. Beim Unfall in der Nähe des Bahnhofs Neuhausen am Rheinfall sind ein Thurbo und ein Doppelstock-Zug der S-Bahn zusammengestossen. Bei der seitlichen Frontalkollision ist die Lokomotive der S 11 entgleist. Wie die Rettungskräfte vor Ort mitteilten, wurden 17 Personen verletzt, sechs davon schwerer verletzt. Insgesamt mussten neun Personen mit der Ambulanz ins Spital gebracht werden.

Das Bahnunglück habe keine Schwerverletzten gefordert, hiess es an der Medieninformation weiter. Nach zwei Stunden waren alle Reisenden der beiden Züge evakuiert. Insgesamt befanden sich etwa 280 Personen in den beiden Kompositionen.

Wie eine 15-jährige Augenzeugin gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagte, gab es eine Vollbremsung, danach kollidierten die beiden Züge. «Dabei wurden wir durchs Abteil geworfen», sagt die junge Frau. Lampen seien heruntergefallen und zwei ihrer Kolleginnen wurden verletzt. Glück im Unglück hatten die Lokführer. Wie die Einsatzleiter vor Ort sagen, sind sie äusserlich unverletzt.

«Massive Zerstörung»

Der Unfall ereignete sich, weil sich die beiden Züge im Bereich der Weichen beim Bahnhof kreuzten. Der Thurbo wollte dabei auf dem Gleis 3 Richtung Schaffhausen fahren, während die S 11 in die entgegengesetzte Richtung auf das Gleis 2 fahren wollte. «Die seitliche Frontalkollision führte zu einer massiven Zerstörung», sagt Walter Kobelt, Leiter der Schweizerischen Untersuchungsstelle Bahn und Schiff (Sust) gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Durch die Wucht der Kollision schob die S-Bahn die Thurbo-Komposition um 20 Meter nach hinten, so Kobelt weiter.

Sanitäter aus grossem Umkreis

Anwohner äusserten sich geschockt. «Es sieht grausam aus», sagte ein Mann, der an der Unfallstelle vorbeigekommen war. Vor allem das Grossaufgebot an Rettungsfahrzeugen und die vielen Sirenen versetzten die Anwohner in Aufregung. Sanitäter wurden auch von ausserhalb des Kantons aufgeboten. Lange Zeit waren andauernd Sirenen zu hören. Insgesamt waren 220 Hilfs- und Rettungskräfte vor Ort.

Sanität, Feuerwehr und Polizei bargen die Passagiere und leiteten den Verkehr grossräumig um. Gemäss SBB konnten zuerst alle Passagiere den Thurbo verlassen. Im anderen Zug, der S 11, mussten die Passagiere eine Weile warten, bis sie die Wagen verlassen konnten. Ein Leserreporter, welcher im Zug sass, beschrieb die Stimmung als «ruhig». «Uns geht es gut, offenbar gab es keine Verletzten», sagte er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Beim Zusammenstoss gab es einen sehr grossen Ruck», so der Leserreporter weiter.

Später konnten die Passagiere die S 11 verlassen und neben dem Gleisfeld zu Fuss zum Bahnhof laufen, der sich unmittelbar bei der Unfallstelle befindet. «Von dort werden wir mit Bussen weitertransportiert», sagt der Leserreporter. Einige Personen seien geschockt.

Für besorgte Angehörige haben die SBB eine Hotline eingerichtet: 0800 722 233

Mehrere S-Bahnen unterbrochen

Auf der Linie Winterthur - Schaffhausen ist die Strecke für den Bahnverkehr unterbrochen. Die Züge S16 fallen zwischen Winterthur und Schaffhausen aus. Die Züge S33 fallen zwischen Dachsen und Schaffhausen aus. Es verkehren Ersatzbusse Dachsen - Schaffhausen, wie die SBB mitteilen.

Weiter heisst es: Zwischen Jestetten und Schaffhausen auf der Linie Zürich HB - Schaffhausen ist die Strecke für den Bahnverkehr unterbrochen. Die Züge S22 fallen zwischen Jestetten und Schaffhausen aus. Die Regionalexpress-Verbindungen fallen zwischen Rafz und Schaffhausen aus. Die Züge fallen zwischen Zürich HB und Schaffhausen aus. Die Interregio fallen zwischen Zürich HB und Schaffhausen aus. Es verkehren Ersatzbusse Jestetten - Schaffhausen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.01.2013, 08:26 Uhr

Die Bahnstrecke bleibt bis mindestens Betriebsschluss gesperrt: Zug-Crash in Neuhausen. (Video: Keystone)

Kollision im Bereich der Weichen: Übersicht von der Unfallstelle. (Video: Pia Wertheimer)

Hoher Sachschaden

Die beiden verunfallten S-Bahn-Züge können vorläufig noch nicht abtransportiert werden. Zuerst müssen die Untersuchungsbehörden ihre Unfallaufnahme abschliessen.

Die Untersuchungen des Bahnunglücks führen laut SBB-Sprecher Daniele Pallecchi die Schaffhauser Staatsanwaltschaft und die Schweizerische Unfalluntersuchungsstelle Sust. Sobald die Unfallstelle frei gegeben werde, könne die SBB mit der Bergung der Züge beginnen.

Der Bahnhof Neuhausen bleibt für den gesamten Bahnverkehr sicher bis Betriebsende gesperrt. Ob der Bahnbetrieb am Freitagmorgen wieder aufgenommen werden kann, ist noch unklar.

Bei der Kollision wurden sowohl der Doppelstockzug als auch die Thurbo-Komposition sowie die Fahrleitung beschädigt. Der Schaden am Bahntrassee könne erst nach der Aufgleisung der Lokomotive eingeschätzt werden. Über die Höhe des Schadens konnte Pallecchi jedoch noch keine Angaben machen. (sda)

Die Unfallstelle

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