Zweiter Wahlgang um Zürcher Ständeratssitz: Die Szenarien

Daniel Jositsch ist gewählt, Ruedi Noser muss am 17. November noch einmal ran – gegen Roger Köppel und wen noch?


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Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch (SP) kann den Kanton Zürich vier weitere Jahre als Ständerat vertreten. Er liegt im Siebner-Kandidatenfeld klar auf dem ersten Platz – und auch sicher über dem absoluten Mehr. Als zweiter Bisheriger Ständerat muss Ruedi Noser (FDP) in den zweiten Wahlgang.

Hier gelangen Sie zum Ticker der Zürcher Ständeratswahlen.

Diese Ausgangslage lädt zum Ränkeschmieden und Taktieren geradezu ein. Und setzt die drei übrigen Kandidatinnen massiv unter Druck. Das Motto im zweiten Wahlgang nämlich lautet: Alle gegen Köppel. Die Szenarien:

Die logischen Rückzieher

Die beiden Letzplatzierten – Nik Gugger (EVP) und Nicole Barandun (CVP) – werden mit grösster Wahrscheinlichkeit im zweiten Wahlgang nicht mehr antreten; sie haben vor allem als Wahlkampflokomotiven für ihre Parteien gekämpft. Im zweiten Wahlgang am 17. November zählt das relative Mehr. Das heisst: Der oder die Beste ist gewählt.

Köppel gibt nicht auf

Auch wenn Roger Köppel (SVP) heute nicht gross über den SVP-Stimmenanteil von rund 30 Prozent hinauskommt, wird er seinen Wahlkampf wohl vier weitere Wochen lang durchziehen. Er könnte die Wahl im zweiten Wahlgang schaffen, wenn Ruedi Noser, Tiana Moser und Marionna Schlatter die restlichen 70 Stimmenprozente zu gleichmässig unter sich aufteilen. Verzetteln sich diese Stimmen zu fest, wird Köppel gewählt. Nach dem guten Abschneiden von Schlatter ist Köppel nun allerdings ebenfalls unter Druck, zugunsten von Noser zu verzichten. Sonst kann der zweite Städeratssitz grün werden.

Roger Köppel (SVP): «Ich werde zeitnah bekanntgeben, ob ich antrete». Video: Tamedia

Innergrünes Seilziehen

Ruedi Noser als Bisheriger und Zweitplatzierter ist im zweiten Wahlgang gesetzt. Wollen Links-Grün und die GLP Köppel sicher verhindern, müssen entweder Tiana Moser oder Marionna Schlatter verzichten.

Eigenwillige Wählende

Theoretisch hat die Grüne Schlatter mit den Stimmenanteilen von Grünen, SP und AL die grössere Hausmacht als Moser und Noser. Die Frage ist bloss, ob die Wählerinnen und Wähler sich auch im zweiten Wahlgang an Parteiparolen halten. Das hat heute das gute Abschneiden des freisinnigen Ruedi Noser gezeigt. Im zweiten Wahlgang werden linke Wählende möglicherweise erst recht auf Nummer sicher gehen und halt doch Moser oder gar den freisinnigen Noser wählen, weil vor allem Noser gegen Köppel bessere Chancen hat.

Verzichtet auch Schlatter?

Sehr unwahrscheinlich ist, dass Schlatter und Moser beide verzichten. Weshalb sollten sie auch nach dem überraschend guten Resultat und dem schlechten Abschneiden von Köppel? Die Chance, dass die beiden Frauen mögliche Steigbügelhalterinnen von Köppel werden, ist nach diesem Sonntag minim.

Das Beispiel Galladé

Wie ein solches Powergame unter linksgrünen Frauen ausgehen kann, zeigt der zweite Wahlgang von 2007, als es Mitte-Links darum ging, Ueli Maurer (SVP) als Ständerat zu verhindern. Chantal Galladé (SP) hatte damals – obwohl mehr Stimmen – zugunsten von Verena Diener (GLP) verzichtet, die Maurer prompt schlug. Heute scheint die Grüne Schlatter überraschend besser abzuschneiden als Moser. Doch Moser ist bereits eine feste Grösse in Bern. Schlatter ist erst seit einem halben Jahr Kantonsrätin. Die Grünen wollen bis am Montagabend entscheiden, die GLP am Dienstag.

Erstellt: 20.10.2019, 15:14 Uhr

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