Zwischen Embrach und Oberembrach liegen Welten

Die zwei Gemeinden sind nur einen Katzensprung voneinander entfernt, aber auf der politischen Landkarte sieht es ganz anders aus. Auch sonst gibt es darauf Kurioses zu entdecken.

Eine Wohnsiedlung im Embrach, im Vordergrund das Asyl-Durchgangszentrum.

Eine Wohnsiedlung im Embrach, im Vordergrund das Asyl-Durchgangszentrum. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Peter Moser vom Statistischen Amts des Kantons Zürich nennt es eine überraschende Konstanz: Die von ihm berechnete politische Landkarte (siehe rechts) änderte sich in den letzten 20 Jahren fast gar nicht. «Diese enorme Stabilität ist beeindruckend», sagt Moser. Man könnte meinen, dass sich die Meinungen im Laufe der Zeit ändern, dem sei aber nicht so.

Moser stellt auf der politischen Landkarte die politische Position der Zürcher Gemeinden aufgrund der Abstimmungen in einer Studie dar. Je näher zwei Orte beieinander liegen, desto einhelliger haben sie in den letzten sechs Jahren bei eidgenössischen Urnengängen abgestimmt. Nicht immer ticken jene Gemeinden ähnlich, die auf den Karten der Landestopografie Nachbarn sind und eine gemeinsame Grenze teilen.

Ungleiche Schwestergemeinden: Von Embrach etwa ist man zu Fuss in einer halben Stunde in Oberembrach. Auf der politischen Karte trennt die beiden Gemeinden aber einiges. Die Einwohner von Oberembrach stimmen in kulturellen Fragen auffallend konservativ und politisch rechts. Das heisst: Mehr Markt, weniger Staat. Die Nachbargemeinde Embrach hingegen liegt auf beiden Achsen in der Mitte.

Insel der Konservativen: Im relativ eingemitteten Bezirk Hinwil im Zürcher Oberland sticht die Gemeinde Fischenthal hervor. Hier, Tösstal hinter dem Bachtel, leben rund 2500 Menschen, die in gesellschaftlichen Fragen tief in der konservativen Ecke stehen. Die Mehrheit der anderen zehn Gemeinden sind im Vergleich deutlich progressiver. Auf der klassischen Links-rechts-Achse «mehr Staat» und «mehr Markt» liegt Fischenthal dagegen in etwa auf der Linie aller Hinwiler Gemeinden: nicht etwa rechts, sondern leicht links der Mitte.

Die heimliche Goldküstengemeinde: Etwas verloren wirkt auch die Gemeinde Uitikon am Hang des Uetlibergs. Ihre über 4000 Einwohner stimmen jeweils für mehr Markt und sind eher progressiv. Im Bezirk Dietikon stehen sie mit dieser Meinung aber alleine da. Politisch gesehen würde Uitikon besser zum Bezirk Meilen passen – was wohl wesentlich damit zu tun hat, dass die Uitiker einkommensmässig mit den Goldküstenbewohnern problemlos mithalten können.

Zwei Hippie-Gemeinden?: Die kleineren Gemeinden sind übers Ganze gesehen eher konservativ und gegen einen starken Staat. Ausnahmen stellen Rheinau und Rifferswil dar, die eine ganz im Norden, die andere ganz im Süden des Kantons. Die Wähler sind dort sehr progressiv und auch auf der politischen Achse klar im linken Spektrum angesiedelt. Beide Gemeinden sind daher schon einmal als «linkste Gemeinde» des ganzen Kantons bezeichnet worden. In Rheinau wird diese Anomalie damit erklärt, dass die grosse psychiatrische Klinik viele Angestellte aufs Land zog, die tendenziell SP wählen. Und in Rifferswil haben sich in den Achtzigerjahren viele Lehrer, Psychologinnen oder Ärzte niedergelassen.

Der Gürtel von Winterthur: Der Bezirk Winterthur besteht aus 20 Gemeinden, deren politisches Spektrum auffallend breit ist. Der Exot ist hier die Stadt Winterthur, die auf der politischen Landkarte weit unten links liegt, direkt neben Zürich. Die Einwohner befürworten demnach einen starken Staat und sind in gesellschaftlichen Fragen progressiv – womit sie in ihrem Bezirk ziemlich allein sind. Die anderen Gemeinden gehören zu den konservativsten im ganzen Kanton. Am extremsten ist der Unterschied zwischen Winterthur und Hofstetten. (lvb)

Erstellt: 29.07.2016, 11:38 Uhr

Politische Landkarte

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