Ärger wegen Weihnachtsshopping in Zürcher Einkaufszentren

Heiligabend fällt dieses Jahr auf einen Sonntag. Gewisse Shoppingcenter öffnen trotzdem. Künftig könnte das Gesetz dies verhindern.

An Heiligabend geöffnet: Das Zürcher Glattzentrum.

An Heiligabend geöffnet: Das Zürcher Glattzentrum. Bild: Urs Jaudas

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Der Kampf ging früh verloren, geht jetzt aber in eine neue Runde. Im vergangenen Januar hat der Gemeinderat Wallisellen beschlossen, dass an Heiligabend und Silvester die Geschäfte in der Gemeinde offen haben dürfen, obwohl die Festtage 2017 auf einen Sonntag fallen. Vergeblich kämpften 350 Angestellte des dort ansässigen Glattzentrums zusammen mit der Gewerkschaft Unia dagegen, sammelten Unterschriften und reichten eine Petition ein. Der Gemeinderat berief sich jedoch auf das kantonale Ruhetags- und Ladenöffnungsgesetz. Dieses verbiete den Sonntagsverkauf nur an sogenannten hohen Feiertagen.

Kantonspolitiker wollen das Gesetz jetzt anpassen. Ende November haben Jonas Erni (SP, Wädenswil), Markus Bischoff (AL, Zürich) und Markus Schaaf (EVP, Zell) eine parlamentarische Initiative im Kantonsrat eingereicht. Sie fordern, dass keine Bewilligungen für den 24. Dezember erteilt werden dürfen, wenn er auf einen Sonntag fällt.

Umfrage

Sollten Geschäfte an Heiligabend öffnen dürfen?





«Gerade vor und nach Weihnachten sind die Angestellten im Verkauf besonders unter Druck», schreiben die Initianten. Es brauche dann zwingend einen Ruhetag in der Woche, um sich zu erholen sowie zur Pflege der familiären und sozialen Verpflichtungen. «Sobald nun eine Gemeinde den Sonntagsverkauf am 24. zulässt, kommen alle anderen Gemeinden unter Zugzwang, wenn sie ihr lokales Gewerbe nicht benachteiligen möchten», schreiben sie weiter.

Ein Dutzend Zentren haben geöffnet

Die Gewerkschaften nutzen die besondere Konstellation des sonntäglichen Heiligabends, um gegen die Sonntagsarbeit zu mobilisieren. Händler sollten am diesjährigen Heiligabend ihre Geschäfte auch dort nicht öffnen, wo eine Bewilligung vorliege, sagte eine Unia-Gewerkschafterin zu «20 Minuten». In der Schweiz gebe es einen Trend hin zu zunehmender Sonntagsarbeit.

Das Gewerkschaftsmagazin «Work» hat im November ein Umfrage bei rund 70 Shoppingcentern in der Schweiz durchgeführt. Das Resultat: In zwölf der befragten Einkaufszentren müssen die Angestellten auch an Heiligabend arbeiten. Zwei davon liegen im Kanton Zürich. Neben dem Glattzentrum (bis 16 Uhr) hat auch das Volkiland in Volketswil (bis 17 Uhr) geöffnet. Die Stadt Zürich bewilligte keinen Sonntagsverkauf für den 24. Dezember.

Dietikon bewilligt Sonntagsverkauf

Anders in Schlieren und Dietikon. Dort bewilligten die Gemeinden ihrem Gewerbe den Sonntagsverkauf an Heiligabend. Aber die Limmattaler sollten sich nicht darauf verlassen, am 24. Dezember noch spontan in der Wohngemeinde die letzten Weihnachtsgeschenke besorgen zu können. Denn eine Mehrheit der Läden bleibt geschlossen. Obwohl laut «Schweiz am Wochenende» zahlreiche Grossverteiler und die Vereinigung Zentrum Dietikon eine Bewilligung pro forma angefordert hatten. Das Gewerbe habe sich jedoch entschieden, sämtliche Geschäfte im Stadtzentrum von Dietikon geschlossen zu halten.

Erst wieder in sechs Jahren

Auch die Detailhändler in der Schweiz nutzen den Sonntagsverkauf für sich – aber nicht, um Umsätze zu bolzen, sondern für positive Schlagzeilen. Geschickt haben die beiden deutschen Discounter Aldi und Lidl in einem Communiqué mitgeteilt, dass sie in der ganzen Schweiz auf den Sonntagsverkauf an Heiligabend verzichten – aus Rücksicht auf ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bei Ikea haben die Angestellten auch gleich am 31. Dezember frei bekommen.

Der jetzt eingereichte Vorstoss der Zürcher Kantonsräte hat auf das diesjährige Weihnachtsshopping keinen Einfluss mehr. Sollte die Gesetzesänderung tatsächlich zustande kommen, würde sie frühstens in sechs Jahren ihre Wirkung entfalten. Denn erst 2023 fällt der Heiligabend wieder auf einen Sonntag.


Video: Meinungen zur Mall of Switzerland

Hat an Heiligabend geöffnet: Das neu eröffnete Shoppingcenter in Ebikon LU. Video: Tamedia


Erstellt: 05.12.2017, 12:43 Uhr

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