Akte Susanna ungelöst

Ein Blitz mitten im Winter, schleichende S-Bahnen, meuternde Barrieren und eine stillstehende Kirchenuhr: Was ist bloss los rund um Zürich?

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Die Parkplatzschranke bleibt unten, die Anzeige leer. Der Zug kommt, doch die Barriere beim Übergang senkt sich nicht. Die Kirchenuhr bleibt stehen. Das alles hat sich innert weniger Stunden nicht weit voneinander entfernt zugetragen. Sind geheimnisvolle Kräfte am Werk?

Ja und Nein. Ja, wenn man einem Blitzeinschlag Mysteriöses anhaften will. Ja, wenn der Ursprung einer technischen Störung nicht eruierbar ist. Aber Nein, weil es halt für alles Erklärungen gibt. Oder wenigstens für fast alles.

Das Display bleibt dunkel

Aber nun von vorn. Am Dienstagabend fegt Sturmtief Susanna über die Schweiz. Um um 19.06 Uhr knallt es fürchterlich, die Wände zittern. Die Kunden im Ikea-Einrichtungshaus in Spreitenbach erschrecken und sind etwas verunsichert. Doch bald ist alles vergessen. Bis sie mit dem Auto aus dem Parkhaus fahren wollen. Alle Schranken sind unten, das Display ist dunkel. Nach ein paar Minuten wird eine Barriere manuell gehoben. Sie ist noch am Donnerstagnachmittag oben, Parkieren ist gratis.

«Die Elektronik des Parkleitsystems ist ausgefallen», sagt Ikea-Sprecher Alexander Gligorijevic. «Wir arbeiten daran.» Die Ursache ist nicht ganz klar, doch ein Verdacht besteht: Das Unheil kam von oben.

Tatsächlich hat ein Blitz im benachbarten Rangierbahnhof Limmattal eingeschlagen, wie aus der Blitzkarte auf kachelmannwetter.ch ersichtlich wird. Die SBB bestätigen. Verletzte gab es keine, aber Sachschaden. «Mit grosser Wahrscheinlichkeit hat der Blitz einen Trafobrand auf dem Gebiet des Rangierbahnhofs Limmattal verursacht», sagt Sprecher Oli Dischoe. Die Folge: Es kam bis Mittwochmorgen zu Verzögerungen im Güterverkehr. Der Personenverkehr war nicht betroffen.

Uetlibergbähnli im Schritttempo

Szenenwechsel. An besagtem Mittwochmorgen, es ist noch nicht 8 Uhr, will das Uetlibergbähnli talwärts Richtung HB Zürich fahren. Doch beim Übergang Schweighofstrasse senkt sich eine Sicherheitsbarriere nicht. Frauen wedeln mit den Armen, warnen andere Fussgänger. Die Zugskomposition hält, hupt und fährt im Schritttempo weiter. Sturmschaden?

«Die Ursache könnte der Sturm gewesen sein», sagt Benedikt Wittwer, Bereichsleiter Technik der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU). «Zuerst ging die Bahnschranke nicht rauf, dann nicht runter», berichtet er. Nach weniger als einer Stunde hatten die Techniker die Barriere wieder im Griff. Die Ursache ist nicht ganz klar. Gemäss Wittwer bleiben für die Bahnen alle Signale auf rot, wenn eine Schranke defekt ist. Deshalb das Notprozedere des Zugchauffeurs.

Die Zeit steht still

Nochmals Szenenwechsel, 8 Uhr ist vorbei. Die Fraumünsteruhr zeigt aber 7.25 Uhr. Am Folgetag, am Donnerstag also, zeigt die Uhr den lieben langen Tag lang 8.32 Uhr an. Nochmals das Sturmtief Susanna? Nein, diesmal nicht. Ausbau der Krypta des Fraumünsters. Dabei müssen Kabel verlegt werden, erklärt Sigrist Theo Zobrist auf Anfrage. Zu diesem Zweck stellen die Bauarbeiter am Morgen den Strom ab und zu Feierabend wieder an.

Vom späten Nachmittag bis zum Morgen zeigt das Fraumünster also die richtige Zeit an – und läutet auch. Am Tag aber bleibts ruhig. Die Zeit steht still.

Erstellt: 12.02.2016, 11:02 Uhr

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