«Alle hüpfen herum, und ich habe sie von hinten ‹Ja!› rufen gehört»

Zwischen Cockpit und Tower geht es manchmal sehr emotional zu und her. Es gibt auch Gefühlsausbrüche der lustigen und der romantischen Art. 

«Es ist einfach zum Kotzen»: Dieser Streit im Luftraum machte die Runde. Video: TA

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Was ist nur aus der berühmten Schweizer Präzision und Pünktlichkeit geworden? Victorinox steht vor Gericht, bei den SBB rollt es alles andere als kursbuchmässig, und die Swiss fliegt notorisch dem Flugplan hinterher.

Just in diese imagemässig schwierige Newslage platzt ein heikles Zwie­gespräch unter Schweizern: Ein Pilot der Swiss zofft sich mit der Lotsin im Tower am Flughafen Zürich. Und da Englisch die Sprache der Lüfte ist, tun sie das in einem solid britischen Idiom auf schweizerdeutschem Fundament. Die Kernaussagen:

Pilot: «Was zur Hölle ist los hier?»

Tower: «Ich weiss es nicht (...)»

Pilot (wechselt ins Schweizerdeutsche): «Es ist eine Katastrophe. (...) Es ist einfach zum Kotzen wieder einmal hier in Zürich. (...) Ich habe die Schnauze voll von diesem huere Drecksloch (...)»

Tower (ebenfalls auf Schweizerdeutsch): «Sehr professionell.»

Pilot: «Ja, ihr auch (...)»

Tower: «Wenn Sie Diskussionsbedarf haben, rufen Sie doch an. (...)»

Die Tonspur kreiste via Internet um die Welt, und wir hängen nun noch eine kurze Zusatzschlaufe an – wie eine Youtube-Recherche ergab, ist unser Himmel nämlich voll von aussergewöhnlichen Funkgesprächen zwischen Airline-Cockpits und Towern. Dass es dabei bisweilen noch deutlich rüder zu- und hergeht als jüngst in Zürich, erstaunt nicht. Eher verblüffend sind dagegen die verbalen Ausflüge von Lotsen und Piloten in gänzlich andere emotionale Gefilde. Bereit für einen Rundtrip? Take off!

Politisch total inkorrekt ging es zwischen einem Lotsen in Berlin-Tegel und einem (wohl aus Persönlichkeitsschutzgründen nicht näher bezeichneten) englichsprachigen Piloten zu, der den Tower zuerst höflich um Hilfe bei der Anflugnavigation gebeten hatte:

Tower (mit schroffem Akzent): «Sind Sie etwa noch nie nach Berlin geflogen?»

Pilot: «Doch, 1945, aber damals musste ich nicht landen.»

Autsch! Doch bei allem Stress, den ein chronisch überfüllter Luftraum im Kontrollzentrum wie auch bei den Flug­kapitänen auslöst, hat es erfreulicherweise hin und wieder Platz für Humor, wie folgender Funkdialog zeigt:

Tower (zu einem Piloten, der besonders hart aufsetzte): «Die Passagiere sollen ruhig wissen, wenn sie unten sind.»

Pilot: «Macht nichts. Die klatschen eh immer.»

Ein anderes, nicht minder smartes Beispiel vom Kontrollturm in Stuttgart:

Tower: «Lufthansa 5680, reduce to 170 knots.»

Pilot: «Das ist ja wie in Frankfurt. Da gibt es auch nur 210 und 170 Knoten… Aber wir sind ja flexibel.»

Tower: «Wir auch. Reduce to 173 knots.»

Manchmal geht es da oben sogar superromantisch zu und her. So im August 2015, als der Fluglotse in Vancouver dem Piloten (italienischer Abstammung) von Air-Canada-Flug 187 etwas sehr Persönliches anvertraut.

Lotse: «Meine Freundin ist auf diesem Flug, ich wollte ihr noch vor der Landung einen Heiratsantrag machen… Aber ich habe es verpasst.»

Pilot: «Nein, schade, so, so schade. Gib mir ihren Namen, wir werden ihr die Nachricht überbringen.»

Lotse: «Ist es nicht zu spät?»

Pilot: «Nein, es ist nicht zu spät, es ist für nichts zu spät. Weisst du, wo sie sitzt?»

Lotse: «Ich glaub, auf 25C, ihr Name ist Christine Waters.»

Pilot: «Okay, wir schauen, was wir tun können. Kannst du Sitz und Name nochmals wiederholen, dann überprüfe ich das kurz mit dem Kabinenpersonal.»

Lotse: «Sitz 25C, sie heisst Christine Waters.»

Pilot (kurze Zeit später): «Gut. Also, wir können dich aufs Mikrofon stellen, dann hört das ganze Flugzeug mit, oder wir können deine Freundin ins Cockpit holen. Du hast die Wahl.»

Lotse: «Okay, dann sollen es alle hören.»

Pilot: «Gut, mein Freund, das Bordmikrofon ist an, tu, was du tun musst.»

Lotse: «Guten Abend, meine Damen und Herren. Hier spricht der Fluglotse vom Flughafen in Vancouver. Ich hoffe, Sie hatten alle eine angenehme Reise heute Abend mit Air Canada von Montreal, und ich möchte Sie in Vancouver herzlich willkommen heissen. Der Grund, weshalb ich mit Ihnen spreche – da ist eine sehr spezielle Dame mit auf dem Flug heute Abend, ihr Name ist Christine Waters… Christine, kannst du bitte deine Hand heben? So hoch es geht, dass es alle sehen können. Christine, ich liebe dich über alles, ich kann mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen… Du kannst mich grad nicht sehen, aber ich knie nieder, ich habe einen Ring in meiner Hand… Christine, willst du mich zum glücklichsten Mann der Welt machen? Willst du meine Frau werden?»

Pilot: «Alle hüpfen herum, und ich habe sie von hinten ‹Ja!› rufen gehört, ich versuche, sie rasch herzuholen.»

Lotse: «Danke!»

Pilot: «Das hast du sehr sehr gut gemacht. Das ganze Flugzeug wird durchgeschüttelt. Und sie sagte ‹Ja›, mein Freund, der Maître de Cabine hat es eben bestätigt. Ich hole sie nun rasch her.»

Lotse: «Hey, danke vielmals, ich schätze das sehr.»

Pilot (auf Italienisch): «Nichts zu danken.»

Lotse (kurz später): «AC 187?»

Pilot: «Sprich!»

Lotse: «Ich muss jetzt die Leitung unterbrechen… Äh, ich treffe sie bei der Gepäckausgabe.»

Pilot: «Okay, wie du möchtest, kein Problem. Ich wünsch dir nur das Beste.»

Lotse: «Danke dir vielmals.»

Die Szene im Originalton. Video: Youtube

So, und bevor wir bei unserem Funkflug zur Landung ansetzen, möchten wir noch ein hübsches analoges Beispiel präsentieren, nämlich ein Brieflein, das die achtjährige Australierin Nicola einem Piloten der heimischen Qantas-Airline geschrieben hat:

«Lieber Captain,

mein Name ist Nicola und ich bin acht Jahre alt. Das ist mein erster Flug, aber ich habe keine Angst. Ich mag es, die Wolken vorbeiziehen zu sehen. Meine Mutter sagt, die Crew sei nett. Ich glaube, dein Flugzeug ist gut. Danke für den schönen Flug. Verkack die Landung nicht.»

Erstellt: 16.10.2018, 07:39 Uhr

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