Als Terrorverdächtige verhaftet

Zwei Männer aus der Region Zürich wollten am Weltwirtschaftsforum als Chauffeure arbeiten. Doch sie kamen gar nicht bis nach Davos.

Für die Gewährleistung der Sicherheit rund um das diesjährige Weltwirtschaftsforum in Davos wurde die Polizeipräsenz erhöht.

Für die Gewährleistung der Sicherheit rund um das diesjährige Weltwirtschaftsforum in Davos wurde die Polizeipräsenz erhöht. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

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Harmlos oder riskant? Das war die Frage, welche die Sicherheitsverantwortlichen in Graubünden und in Bern zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums von vergangener Woche stark beschäftigte. Die Polizei hatte auf der Strecke nach Davos zwei Männer aus der Region Zürich kontrolliert, die unterwegs ans WEF waren. Dort wollten die beiden Temporärjobs antreten, dem Vernehmen nach als Chauffeure. Doch dazu kam es nicht.

Denn bei der Kontrolle stellte sich heraus, dass der eine der Männer polizeilich ausgeschrieben war, weil er Kontakte ins salafistische Milieu pflegte. ­Zudem ergaben die Abklärungen, dass sein Begleiter Bezüge zu Islamisten in Winterthur hat.

Harmlos oder riskant? Diese Frage war nicht geklärt, aber die Sicherheitsbehörden mussten schnell entscheiden. Festhalten? Oder nach Davos durchlassen? Und damit ein Risiko eingehen?

Ermittlungen ergaben, dass einer der beidenVerhafteten eine Verbindung zu Islamisten in Winterthur hat.

In Davos bewegen sich Wirtschaftsführer und selbst Staatsmänner zum Teil zu Fuss im Zentrum und wären ein leichtes Ziel für Attentäter – wenn Terroristen über einen Personenwagen verfügen.

Vergangenes Jahr hatten in Nizza und in Berlin Terroristen Lastwagen in Menschenmengen gesteuert. An der Côte d’Azur wurden 86 Menschen getötet, in Berlin starben 12 Personen. Auch mit einem Taxi könnte man in Davos viel Unheil anrichten.

Vor WEF-Ende wieder frei

Die Sicherheitsbehörden entschieden: Kein Risiko eingehen! Die Männer, beides Schweizer mit Migrationshintergrund, wurden festgenommen und einvernommen. Die Staatsanwaltschaft Graubünden eröffnete ein Verfahren wegen Verdachts auf Verstösse gegen das IS- und Al-Qaida-Gesetz.

Der Bündner Staatsanwalt Maurus Eckert bestätigte Anfang Woche die beiden Festnahmen «anlässlich des WEF», die «in Absprache und enger Zusammenarbeit» mit Bern erfolgt seien. Die Bundesanwaltschaft bestätigte das Vorgehen «in enger Koordination». Die polizeilichen Ermittlungen und die ersten Untersuchungshandlungen seien von der Bündner Staatsanwaltschaft vorgenommen worden. «Diese wird das Strafverfahren der Bundesanwaltschaft übergeben», schreibt die Bundesanwaltschaft. Weitere Angaben zum Verfahren waren gestern nicht erhältlich.

Noch vor Ende des viertägigen Forums sind die beiden Verhafteten freigelassen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte zwar einen Antrag auf Untersuchungshaft gestellt. Doch ein Zwangsmassnahmengericht lehnte das Begehren ab.

Um Untersuchungshaft anzuordnen, braucht es einen dringenden Tatverdacht. Zudem muss die Gefahr bestehen, dass ein Verdächtiger flieht, Spuren verwischt oder erneut beziehungsweise doch noch zur Tat schreitet. Diese Voraussetzungen waren für das zuständige Gericht bei den beiden Verdächtigen nicht erfüllt.

Wohl eher ungefährlich

In der Schweiz sind derzeit zwei Jihad-Verdächtige in Untersuchungshaft, einer aus Genf und einer aus Winterthur. ­Zudem sitzen drei Iraker in der Schweiz hinter Gittern, einer wegen IS-Propaganda, zwei wegen IS-Mitgliedschaft.

Bei den beiden in Graubünden Verhafteten dürfte es voraussichtlich nicht zu Freiheitsstrafen kommen. Ein Kenner des Falles stuft sie trotz der Kontakte zu Salafisten zwar nicht als gänzlich harmlos, aber dennoch als «momentan ungefährlich» ein.

Erstellt: 27.01.2017, 21:40 Uhr

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