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Angela Magdici entschuldigt sich unter Tränen

Die Ex-Gefängnisaufseherin, die ihren Geliebten Hassan Kiko aus der Zelle befreit hat, musste sich heute vor Gericht verantworten. Sie bereut die gemeinsame Flucht.

Angela Magdici erscheint mit ihrem Anwalt vor dem Gerichtsgebäude. (24. Januar 2017)

Es war die Romanze des letzten Jahres – obwohl oder weil sie gegen das Gesetz verstiess. In der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2016 befreite die damalige Gefängniswärterin Angela Magdici ihren Liebhaber Hassan Kiko aus der Zelle und floh mit ihm nach Italien. Heute steht die 33-jährige Schweizerin wegen Entweichenlassen von Gefangenen, Begünstigung und grober Verkehrsregelverletzung vor Gericht.

Der letzte Anklagepunkt bezieht sich auf die Fluchtfahrt mit dem BMW X1 von Magdici. Denn nach dem Wegfahren vom Gefängnis Limmattal geriet sie vermutlich aus Nervosität auf die Gegenfahrbahn und prallte fast mit einem entgegenkommenden Auto zusammen. Die Staatsanwältin verlangt eine teilbedingte Strafe von 27 Monaten. 7 Monate soll Magdici absitzen.

«Ich glaube ihm»

Der Prozess vor dem Bezirksgericht Dietikon startete um 8.30 Uhr. Lange vor Beginn der Verhandlung war der Medienandrang gross. Die Angeklagte musste sich zusammen mit ihrem Anwalt einen Weg durch die Reporter bahnen. Aus dem familiären Umfeld von Magdici ist niemand anwesend.

Sie selbst verweigerte zu den einzelnen Anklagepunkten die Aussage. Auf Nachfrage des Gerichts bestärkt sie aber ihre Angaben aus bisherigen Anhörungen. So bestätigte sie, vor der Flucht über Hassan Kikos Verurteilung Bescheid gewusst zu haben. Der 28-jährige Syrer ist im Dezember 2016 vom Zürcher Obergericht wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Damit hatte das Obergericht das Urteil der Vorinstanz bestätigt.

Magdici war am Prozess im Dezember anwesend. Sie empfindet das zweitinstanzliche Urteil des Obergerichts als ungerecht, wie sie heute vor dem Richter sagt. «Ich denke nicht, dass es sich so abgespielt hat. Ich glaube ihm.» Sie habe Kiko im Gegensatz zur Justiz ausserhalb des Gerichts als Menschen kennen gelernt. Intime Kontakte habe es während Kikos Gefangenschaft allerdings keine gegeben.

Flucht trotz ausstehender Berufungsverhandlung

Magdici führte aus, dass Kiko und sie nach der Flucht in Italien Fuss fassen wollten: «Wir waren anfangs so naiv, dass wir glaubten, das ohne Papiere zu schaffen.» Zweifel hätten sie erst beschlichen, als das Geld knapp wurde. Auf Nachfrage des Gerichts, weshalb sie trotz bereits eingereichter Berufung von Kikos Fall geflohen seien, sagte Magdici: «Wir wollten zusammen sein.»

Trotzdem sagte sie erneut aus, mit der Flucht einen Fehler begangen zu haben. «Es hat nichts gebracht, ausser dass ich heute hier sitze», sagt Magdici. Auch bei realistischen Fluchtchancen würde sie die Tat heute nicht mehr begehen. Seit November 2016 ist Magdici geschieden und arbeitet in einer 100-Prozent-Anstellung. Auf die Frage nach ihren Zukunftsplänen gibt sie zu Protokoll: «Ich möchte arbeiten, um meinen Verpflichtungen nachzukommen. Und für Hassan Kiko da sein.»

Forderung von 117'450 Franken Schadenersatz

Wenn es nach der Staatsanwältin geht, soll sich Magdicis Geständnis nur schwach strafmildernd auswirken. Dagegen spräche die Flucht an sich und die erdrückende Beweislast – besonders die Videoaufzeichnungen des Ausbruchs im Gefängnis Limmattal.

Zusätzlich drängt die Staatsanwältin auf 117'450 Franken Schadenersatz für die Ersetzung der Schliessanlage des Gefängnisses. Diese war nötig geworden, da die Angeklagte den Generalschlüssel auf die Flucht mitgenommen habe. Magdici soll die Kosten der Fahndung sowie die Verhandlungskosten tragen.

Eine spontane Flucht?

Ihr Anwalt fordert wiederum eine Verurteilung wegen Entweichenlassens, nicht aber zusätzlich wegen Begünstigung. Die Flucht sei ein einziger Sachverhalt gewesen und werde mit dem Straftatbestand des Entweichenlassens abgedeckt. Er verlangt eine bedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Es habe sich um eine Kurzschlussreaktion gehandelt, eine spontane Flucht. Seine Mandantin habe einen Fehler gemacht und müsse dafür gerade stehen. Der Anwalt kritisierte auch die Medien, welche eine Hetzjagd auf Magdici verübt hätten.

Die Schadenersatzforderung des Gefängnisses in der Höhe von über hunderttausend Franken im Zusammenhang mit dem mitgenommenen Generalschlüssel lehnt er ab. Magdici habe den Schlüssel nicht absichtlich mitgenommen, sondern ihn in der Hitze des Gefechtes nicht im Gefängnis gelassen. Im Plädoyer erwähnte der Anwalt auch, dass Hassan Kiko das Urteil des Obergerichts zu vier Jahren akzeptieren werde. Das Urteil im heutigen Gerichtsfall wird um 16.30 Uhr erwartet.

Am Ende der Verhandlung entschuldigte sich Magdici unter Tränen bei ihrer Familie und den Leuten, welche sie die Arbeit erschwert habe. Sie habe nie die Berufsehre in den Dreck ziehen wollen, sondern ihren Job gerne ausgeübt.

Trägt Kiko eine Mitschuld an der Flucht?

Noch offen ist zudem, ob Hassan Kiko auch für seine Flucht aus dem Gefängnis Limmattal angeklagt wird. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seine Geliebte Angela Magdici zur Flucht angestiftet zu haben, und verlangt eine unbedingte Freiheitsstrafe von 6 Monaten. Das Bezirksgericht Dietikon hat das Verfahren gegen Kiko aber eingestellt, weil Anstiftung zur Selbstbegünstigung nicht strafbar sei. Die Staatsanwaltschaft hat gegen die Verfahrenseinstellung Beschwerde beim Obergericht eingelegt. Der Fall ist noch hängig.

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