Angestellter hat Gemeinde um 100'000 Franken betrogen

Betrugsfall in der Zürcher Seegemeinde Kilchberg: Aufgeflogen ist der Täter, als er sich mit Steuergeld gleich mehrere Kameras kaufen wollte.

Hier reichte der Mann gefälschte Rechnungen echter Firmen ein: Gemeindehaus von Kilchberg. Bild: Patrick Gutenberg

Hier reichte der Mann gefälschte Rechnungen echter Firmen ein: Gemeindehaus von Kilchberg. Bild: Patrick Gutenberg

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Kaum ist der Ex-Polizeichef von Richterswil wegen Betrug verurteilt worden, steht schon wieder ein Gemeindeangestellter vor Gericht. Nächste Woche muss sich ein ehemaliger Mitarbeiter der Gemeinde Kilchberg am Bezirksgericht Horgen verantworten. Ebenfalls wegen gewerbsmässigen Betrugs und Urkundenfälschung im Amt. Er hat 22 falsche Rechnungen echter Firmen an die Gemeinde und ein Konsortium mehrerer Gemeinden ausgestellt. Das Geld floss aber nicht an die Firmen, sondern auf sein Privatkonto. 103'797.40 Franken waren es insgesamt.

Der 41-Jährige hat die Taten zugegeben und das Geld mittlerweile zurückerstattet. Im abgekürzten Verfahren dürfte er zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten und einer Busse von 1500 Franken verurteilt werden. Die Freiheitsstrafe wird mit einer zweijährigen Probezeit belegt, die Busse muss der Beschuldigte bezahlen. Ein anderes Urteil wäre höchstens noch möglich, wenn das Gericht den Vorschlag als unangemessen betrachtet oder der Beschuldigte sein Geständnis zurückzieht.

Gemäss Anklageschrift hat der ehemalige Angestellte das Geld genutzt, um private Auslagen und Kreditkartenrechnungen zu bezahlen. Warum er dafür einen illegalen Weg gewählt hat, geht aus der Anklageschrift nicht hervor.

Persönlich enttäuscht

Herausgekommen ist der Betrug laut dem Gemeindepräsidenten Martin Berger (parteilos) bei den üblichen Abklärungen und Kontrollen durch aufmerksame Mitarbeitende. Der Gemeinderat sei entsetzt gewesen, als er von den Taten erfahren habe, sagt Berger. Der Mann sei umgehend entlassen worden. Das war im Herbst 2017. Der Gemeinderat habe Strafanzeige erstattet, als er vom Fall erfahren habe, und erwarte eine angemessene Bestrafung des Fehlbaren. «Wir waren ausserdem vom Täter persönlich enttäuscht, hatte der Gemeinderat doch den Eindruck einer guten und verlässlichen Zusammenarbeit.»

Formal sei der Fall für die Gemeinde abgeschlossen. Dem Beschuldigten hält der Gemeindepräsident zugute, dass er die Taten gestanden, den Vertrauensbruch bereut und den Schaden ersetzt habe.

Offensichtlich hat der Mann das System ausgenutzt. Martin Berger beschreibt das so: «Betrug, wie er hier vorliegt, zeichnet sich dadurch aus, dass der Täter arglistig handelt und andere Personen geschickt hinters Licht führt. Er nutzt vertiefte Kenntnisse über die Abläufe und Systeme beim Arbeitgeber aus. Der Täter nutzt bestehendes Vertrauen und spiegelt zum Beispiel mit gefälschten Dokumenten oder falschen Aussagen Dinge vor, die nicht wahr sind. Der Empfänger solcher Dokumente oder Aussagen kann primär nicht wahrnehmen, dass sie gefälscht sind, und er hat auch keine Zweifel daran, denn alles passt ins System. Er kennt diejenige Person, welche sie mit seiner Unterschrift oder Erklärungen versehen weitergeleitet hat, persönlich, was ihn bestärkt im Glauben, dass alles rechtens sei. Täter mit Insiderwissen, die genug schlau vorgehen, sind deshalb schwer zu entdecken.» Kein Arbeitgeber könne sich lückenlos vor einem solchen Betrug schützen.

Private Rechnung gestellt

Am System ändern müsse die Gemeinde nichts, so Berger. Letztlich hätten die Kontrollmechanismen ja funktioniert. Aufgeflogen ist der Täter wohl, weil er der Gemeinde eine private Rechnung unterjubeln wollte. Er hatte beim Onlinegeschäft Digitec Galaxus mehrere Kameras im Wert von über 900 Franken bestellt. Es ist davon auszugehen, dass diese private Rechnung, die so geändert wurde, dass die Gemeinde als Schuldnerin dastand, aufgefallen ist.

Es war die letzte gefälschte Rechnung, die er ausgestellt hatte. Alle anderen Rechnungen hatte der 41-Jährige im Namen von Firmen oder Personen gestellt, die mit der Gemeinde geschäftlich zu tun hatten. Die Zahlungen sollten für angeblich geleistete Arbeiten erfolgen. Kritische Nachfragen von Kollegen und Vorgesetzten konnte der Beschuldigte so beantworten, dass die Bedenken zerstreut wurden.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.06.2019, 09:07 Uhr

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