Angestellter hat Gemeinde um 100'000 Franken betrogen

Um Luxusgüter zu bezahlen, hat ein Mann ein Zürichsee-Gemeinde über 100'000 Franken abgeknöpft.

Erneut musste das Bezirksgericht Horgen einen Gemeindemitarbeiter in leitender Funktion wegen Betrugs verurteilen. Bild: Tamedia

Erneut musste das Bezirksgericht Horgen einen Gemeindemitarbeiter in leitender Funktion wegen Betrugs verurteilen. Bild: Tamedia

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«Völlig sinnlos» sei der Grund für die kriminellen Taten, sagt der Gerichtspräsident. Und der Beschuldigte nickt zustimmend. Tatsächlich ist es schwierig zu begreifen, wieso der Ex-Angestellte der Gemeinde Kilchberg einem Konsortium und der Gemeinde 103'797.40 Franken abgenommen hat.

Er erklärt es so: Lange Jahre nahm er Kokain, war süchtig. Für seine Familie habe er aufgehört. Doch er habe eine Ersatzhandlung für den Rausch gefunden – das masslose Bestellen von Waren im Internet. Gebraucht hat er das Zeug nicht. Denn seine Frau, der er das Leben mit Luxus verschönern wollte, war an den Gütern gar nicht interessiert. «Als wir einmal Businessclass flogen, hat sie sich dafür geschämt», sagt der Beschuldigte. Im Estrich habe er viele der Waren noch originalverpackt gefunden. Heute könne er sich die vielen Käufe selber nicht mehr erklären.

Um an das Geld der Gemeinde zu kommen, hat der 41-Jährige gefälschte Rechnungen bekannter Firmen für nicht ausgeführte Arbeiten verschickt. Die Kontodaten des Empfängers waren seine eigenen. 13 Rechnungen gingen an die Gemeinde, neun an das Konsortium mehrerer Gemeinden. Eigentlich habe er immer damit gerechnet, aufzufliegen, sagt der Beschuldigte. Ja, er habe es sich sogar erhofft. Um den Betrügereien ein Ende zu setzen, hat er gekündigt. Wenig später flog er auf und wurde fristlos entlassen.

«Engel» und «Bengel»

Was er sich gedacht habe, als er die erste Rechnung gefälscht hat, will der Gerichtspräsident wissen. «Ich hatte einen ‹Engel› und einen ‹Bengel› auf der Schulter», antwortet der Beschuldigte. Der Bengel gewann die Überhand. Er habe sich gesagt, dass es in einer Gemeinde, die auch mal 80 Millionen Franken Steuern im Jahr einnimmt, nicht so schlimm sei, wenn etwas Geld fehle. Auch aus Minderwertigkeitsgefühlen habe er gehandelt. Seine Lohnvorstellungen wurden nicht erfüllt, und er habe erfahren, dass sein Vorgänger viel mehr verdient habe.

Heilsame Folgen

So schwer verständlich seine Handlungen waren, so heilsam sind offenbar die Folgen. Der Beschuldigte hat sich in psychologische Behandlung begeben und am neuen Arbeitsort gleich gesagt, was er getan hat. Auch seine Familie halte zu ihm.

Dass es Geschädigte gab, nagt noch an ihm. Er entschuldige sich bei den Betroffenen für den Vertrauensmissbrauch. Diese würden es seinetwegen wohl schwer haben, anderen Menschen zu vertrauen. Materiell hat er alles wieder gutgemacht. Sämtliche 103'797.40 Franken sind zurückbezahlt. Dafür hat er sich sogar neu verschuldet.

Die Horgner Richter erheben den Urteilsvorschlag von 15 Monaten bedingt und einer Busse von 1500 Franken zum Urteil. Der Gerichtspräsident erinnert an den Prozess gegen den Ex-Polizeichef von Richterswil. Es sei erschreckend, dass das Bezirksgericht erneut einen Gemeindemitarbeiter in leitender Funktion wegen Betrugs verurteilen musste. Positiv sei, dass beide Fälle ans Licht gekommen seien. Die lange Drogensucht des Beschuldigten könne eine Erklärung sein. Diese müsse er unbedingt längerfristig behandeln, damit so etwas nicht mehr passiere.

Erstellt: 19.06.2019, 07:24 Uhr

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