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Anti-Atom-Protest erhebt sich im Weinland

Empörte Bürger haben in Rheinau eine Infoveranstaltung zum geplanten Endlager für radioaktive Abfälle mit lautem Gehupe gestört. Sie organisieren sich, um gegen das Vorhaben zu kämpfen.

«Krebsgeschwür in unserer Landschaft»: Die Protestierenden kamen auf Traktoren und warnten vor dem Endlager. Bild: hub
«Krebsgeschwür in unserer Landschaft»: Die Protestierenden kamen auf Traktoren und warnten vor dem Endlager. Bild: hub

Im Zürcher Weinland formiert sich der Widerstand gegen ein Endlager für radioaktive Abfälle. Eine neu gebildete Interessengemeinschaft (IG) hat heute Samstag eine Informationsveranstaltung des Bundes in Rheinau genutzt, um lautstark ihren Protest kundzutun. Getragen wird die Bewegung von Bauern aus der Region, die mit rund zwanzig Traktoren hupend vor dem Mehrzweckgebäude vorfuhren, in dem der Anlass stattfand.

Jürg Rasi, der Initiant der IG, rief alle Bewohner des Weinlands dazu auf, zusammenzustehen gegen das drohende «Krebsgeschwür in unserer Landschaft» – ganz egal, welchen politischen Hintergrund man habe. Er kündigte einen langen Kampf mit ungleichen Spiessen an: auf der einen Seite die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra), die über Geld und Macht verfüge. Auf der anderen Seite die aufmüpfige Bevölkerung, die in erster Linie mit Herzblut dagegenhalten könne.

Rasi und seine Mitstreiter warnten, dass ein Endlager gravierende Folgen hätte: Gutes Kulturland würde vernichtet, landwirtschaftliche Produkte aus der Region erlitten einen schweren Imageschaden und das Grundwasser der ganzen Region wäre aufs Spiel gesetzt. All das werde über die Köpfe der betroffenen Bevölkerung hinweg entschieden. Man müsse sich für die eigenen Nachkommen wehren, die dereinst darunter zu leiden hätten. Deshalb fordere die IG den sofortigen Stopp dieses «unsäglichen Verfahrens».

Nagra will nur noch zwei Standorte

Gemeint ist das Auswahlverfahren der Nagra, die Ende Januar bekannt gegeben hat, dass sie die möglichen Standorte für die Lagerung atomarer Abfälle von sechs auf zwei reduziert hat: Jura-Ost im Kanton Aargau und Zürich-Nordost im Weinland. Diese Gebiete hätten sich nach einer aufwändigen Analyse aufgrund zahlreicher Kriterien als jene erwiesen, deren Untergrund die höchste Sicherheit gewährleiste. Laut einem 2012 publik gewordenen internen Papier der Nagra steht der Zürcher Standort im Vordergrund für hoch radioaktives Material, der Aargauer Standort für schwach und mittelaktives.

Die Experten von Bund und Kanton haben noch nicht entschieden, ob sie die Einschätzung der Nagra teilen. Dazu müssen sie erst die entsprechenden Dokumentationen prüfen, und diese sind dem Vernehmen nach etwa 20’000 Seiten stark. Die Zürcher Regierung glaubt aber schon jetzt, dass sich die Nagra vorschnell auf zwei Standorte festgelegt hat.

Zweifel an den Prognosen

Für die Interessengemeinschaft gegen ein Endlager im Weinland gab es heute in Rheinau viel Applaus von den rund 70 Personen, die dem Lärm nach draussen gefolgt waren. Selbst wenn Bund und Kanton die Einschätzung der Nagra dereinst bestätigen sollten, dass ihre Region der beste Standort ist: Viele bezweifeln, dass man die Sicherheit einer Anlage auf Tausende von Jahren hinaus vorhersagen kann. Sie machen sich daher insbesondere Sorgen ums Grundwasser.

Markus Fritschi von der Geschäftsleitung der Nagra versuchte, solche Bedenken auszuräumen. Er bot Vertretern der IG an, sich demnächst zum Gedankenaustausch gemeinsam an einen Tisch zu setzen.

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