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Asketisch und millionenschwer

Bruno Stefanini lebte bescheiden, besass ein Immobilienimperium und eine bedeutende Kunststiftung.

Im Lauf der Zeit erwarb er vier Schlösser: Bruno Stefanini 1991 im Garten von Schloss Luxburg im Thurgau. Foto: Urs Oskar Keller (Keystone)
Im Lauf der Zeit erwarb er vier Schlösser: Bruno Stefanini 1991 im Garten von Schloss Luxburg im Thurgau. Foto: Urs Oskar Keller (Keystone)

Die letzten vier Jahre verbrachte Bruno Stefanini in seiner Wohnung in der Winterthurer Altstadt. Darunter, am Sitz seiner Immobilienfirma Terresta, wurde sein Immobilienimperium, bestehend aus mehreren Tausend Wohnungen, verwaltet. Doch davon dürfte Stefanini nichts mehr mitbekommen haben. Ebenso wenig von den Schlammschlachten und Gerichtsurteilen, die sich um seine Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) drehten.

Stefanini, der Selfmademillionär, der Aussenseiter und manische Sammler von Kunst und Kunstähnlichem, war dement und bettlägerig.

Der letzte öffentliche Auftritt datierte vom 6. März 2014. Damals adelte das Kunstmuseum Bern die Sammlung Stefanini mit einer Ausstellung von 140 Werken von Schweizer Künstlern, unter ihnen Hodler und Giacometti. Stefanini nahm den Applaus im Rollstuhl entgegen.

Ob ihn der späte Ruhm freute, weiss man nicht. Der Sohn eines aus Italien eingewanderten Handwerkers hatte zwar eine Nase für lohnende Immobiliendeals, doch den Häuser widmete er nach dem Kauf so wenig Beachtung wie dem eigenen Äussern. Nachlässig gekleidet, in seinen Altbauten spartanisch lebend, wurde er zum Kauz gestempelt. In geschäftlichen Dingen vertraute er nur sich selber und später seiner Assistentin und Vertrauten Dora Bösiger. Arbeit bedeutete für ihn, sieben Tage die Woche geschäftlich unterwegs zu sein, das Bedürfnis nach Ferien war ihm fremd.

Guisan, Sisi, Kennedy

Nicht minder kompromisslos zeigte sich Stefanini bei seiner zweiten Leidenschaft: dem Sammeln von Kunst und historischen Objekten. Er trat an in- und ausländischen Auktionen auf und kaufte Hunderte Gemälde von Schweizer Künstlern. 1980 gründete er die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) und vermachte ihr seine wuchernde Sammlung. Neben den wertvollen Gemälden gehörten dazu eine enorme Armbrust-Sammlung, Goethes Tagebücher, John F. Kennedys Schreibtisch, das Totenbett von Napoleon, der Mantel von General Guisan und Kaiserin Sisis Reitkostüm. Dazu kamen im Lauf der Zeit vier Schlösser. Das bekannteste ist das Schloss Grandson. «Es ging ihm ums Kauferlebnis, die Jagd. Es gab keinen kreativen oder künstlerischen Ansatz», zitierte Historiker Miguel Garcia einen Kurator in seiner 2016 erschienenen Stefanini-Biografie. Stefanini füllte die Keller seiner Schlösser und die Dachstöcke seiner Häuser mit seiner Sammlung. Eine adäquate Pflege gab es aber oftmals nicht.

2007 intervenierte die Eidgenössische Stiftungsaufsicht. Der von ihr engagierte Experte hatte über Missstände berichtet. Es gebe keine Inventarlisten, Klimaanlagen und Diebstahlsicherungen. Einige Sammelgüter seien dadurch bereits beschädigt worden. Stefanini engagierte eine Kunsthistorikerin, die zusammen mit seinem Sohn Vital mit der Inventarisierung startete.

Im März erhielten seine Kinder recht, die alte Garde der Stiftung musste abtreten.

Dem Häuser- und Kunstsammler entglitten allmählich die Fäden, die er bis dahin alleine gezogen hatte. Seine Vertraute Dora Bösiger, die im Stiftungsrat sass und von ihm 2007 eine Generalvollmacht erhalten hatte, sorgte dafür, dass 2013 mit dem Ehemann ihrer Patentochter ein neuer Präsident namens Umit Stamm die Stiftung leitete. Stamm war ein völlig unbeschriebenes Blatt. Zusammen mit Markus Brunner, dem noch von Stefanini eingesetzten Chef der Liegenschaftsverwaltung Terresta und ebenfalls Stiftungsratsmitglied, versuchten Bösiger und Stamm im Januar 2014 die Stiftungsurkunde zu ändern.

Fortan sollte der Stiftungsrat und nicht Stefaninis Nachkommen die Zusammensetzung des Aufsichtsgremiums bestimmen. Die Familie sollte ausgebootet werden – angeblich mit dem Segen des Vaters. Bettina und Vital, den beiden Kindern von Bruno Stefanini, wären nach dem Tod des Vaters vom Zugriff auf das väterliche Vermögen ausgeschlossen gewesen, weil der Liegenschaftenbesitz in den Besitz der Stiftung übergehen sollte.

Bundesgericht griff ein

Es folgte ein langer Rechtsstreit. Dabei ging es auch um die Frage, ob Bruno Stefanini bei Ausbruch des Konflikts gesundheitlich noch handlungsfähig gewesen war. Der Machtkampf um eine der bedeutendsten Kunststiftungen der Schweiz zwang die Stiftungsaufsicht in Bern zur erneuten Intervention. Ende 2014 wurde ein Berner Jurist mit der Führung der Stefanini-Stiftung beauftragt.

Im letzten März entschied das Bundesgericht zugunsten der Kinder von Bruno Stefanini. Die Eidgenössische Stiftungsaufsicht beendete das Mandat des Juristen. Seither präsidiert Bettina Stefanini den Stiftungsrat, die alte Garde musste abtreten.

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