Asylzentrum Juch braucht zusätzliche Schlafplätze

Die Zivilschutzanlage in Wiedikon dient voraussichtlich bis Ende Oktober als Nachtstätte für Asylsuchende.

Hat nicht genug Platz: Das Bundeszentrum für Asylsuchende im Juch-Areal.

Hat nicht genug Platz: Das Bundeszentrum für Asylsuchende im Juch-Areal.

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Das Bundeszentrum für Asylsuchende im Zürcher Juch-Areal platzt derzeit aus allen Nähten. Deshalb hat das Staatssekretariat für Migration (SEM) in Absprache mit dem Kanton Zürich beschlossen, in der Zivilschutzanlage Saumstrasse in Wiedikon vorübergehend 48 Männer unterzubringen.

Grund für den Engpass in Zürich – sowie in anderen Bundeszentren – ist die markant ansteigende Anzahl Asylsuchende in ganz Europa. «Der Bund bemüht sich, seine Unterbringungskapazitäten insgesamt zu erweitern», sagt SEM-Sprecher Martin Reichlin. Das Staatssekretariat weise den verschiedenen Testbetrieben für beschleunigte Asylverfahren einen fixen Anteil der Flüchtlinge zu, dabei übernehme das Zürcher Zentrum rund 6 Prozent. «Wegen der saisonal stark variierenden Zahlen müssen Testbetrieb und Verfahren ihre Schwankungstauglichkeit erweisen.»

Damit das Zürcher Zentrum die ihm zugeteilten Personen aufnehmen kann, muss es seine Kapazität erhöhen. Darum werden in der Zivilschutzanlage in Wiedikon ab dem 20. Juli 48 volljährige Männer je höchstens siebenmal übernachten. Laut SEM halten sie sich von 7 bis 21.30 Uhr im Zentrum Juch auf oder nehmen Termine im Verfahrenszentrum an der Förrlibuckstrasse wahr.

Zwei Angestellte sorgen für Ordnung

Die Asyl-Organisation Zürich (AOZ), die auch für das Zentrum Juch verantwortlich ist, führt die Zivilschutzanlage im Rahmen des bestehenden Leistungsvertrages mit dem Bund. Laut AOZ-Direktor Thomas Kunz kommen, wenn es schnell gehen muss, fast nur Zivilschutzanlagen infrage. «Jene an der Saumstrasse in Wiedikon war eine der wenigen Unterkünfte, die quasi sofort bezugsbereit ist.» Wie das SEM mitteilt, ist die ganze Nacht Personal vor Ort, um den geordneten Betrieb und die Sicherheit in der Zivilschutzanlage zu gewährleisten. Laut Kunz werden zwei Personen dazu abgestellt.

Der AOZ-Direktor hofft, dass damit die Situation entschärft werde und nicht noch weitere Unterbringungsplätze nötig seien. «Ähnlich wie damals beim Kosovokonflikt leben wir in solchen Situationen von der Hand in den Mund. Je grösser die Not, desto mehr müssen wir improvisieren.» Das gilt auch für die Belegung des Zentrums Juch, das eigentlich für 300 Personen vorgesehen ist. «Wir haben dort zeitweise 320 Menschen beherbergt und können im Notfall bis zu 330 unterbringen.»

«Mit Option auf Verlängerung»

Die Asylsuchenden sollen die Wiediker Zivilschutzanlage bis Ende Oktober 2015 nutzen können – «mit Option auf Verlängerung». «Mit der vorübergehenden Erweiterung um 48 Übernachtungsplätze ist der aktuelle Bedarf im Testbetrieb gedeckt», versichert SEM-Sprecher Martin Reichlin. Er betont aber: Das SEM werde bei einem weiteren Anstieg der Gesuche in der Schweiz die nötigen Massnahmen treffen, um die Unterbringung der Asylsuchenden sicherzustellen.

Erstellt: 14.07.2015, 15:50 Uhr

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